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Stiftung vermietet Senioren als Experten auf Zeit

Hotel-Fachfrau Elsbeth Fopp-Bögli mit Hotel-Mitarbeiterinnen in Nepal.

(E. Fopp)

Hotelfachfrau Elsbeth Fopp-Bögli arbeitete in Nepal und Chile, Verbandsprofi Christian Boesch wurde einem rumänischen Unternehmerverband zur Seite gestellt: Die Fachleute beraten, statt bloss Rente zu beziehen.

"Swisscontact" vermittelt seit 25 Jahren pensionierte Experten für KMU in Osteuropa und der 3. Welt.

Die Arbeit gemeinnütziger Stiftungen ist meist von den wohltätigen Aktionen und Sammelaktionen her bekannt.

Wer käme auf die Idee, dass auch Kreditgeschäfte, Finanz-Dienstleistungen, Management, Verbands- oder KMU-Consulting im Mittelpunkt von Stiftungsaktivitäten stehen können.

Zusammenarbeit mit öffentlicher Hand und Privaten

Die Stiftung "Swisscontact", die Schweizerische Stiftung für technische Zusammenarbeit, arbeitet genau in solchen Bereichen.

"Als erste begann die Stiftung vor 25 Jahren auch Pensionierte als Experten für Einsätze in der KMU-Beratung zu vermitteln, und zwar ehrenamtlich", sagt Swisscontact-Kommunikationsleiter Ueli Stilli gegenüber swissinfo.

Die Stiftung akquiriert aktiv Aufträge, implementiert sie und beteiligt sich an Projekten. Swisscontact erhält jährlich knapp drei Mio. Franken von Gönnern – ein Viertel davon von Kantonen und Gemeinden, der Rest von Firmen, anderen Stiftungen und Privaten.

Doch die Gesamt-Einnahmen der Stiftung sind mehr als zehn mal grösser. Allein vom Bund erhält Swisscontact für Mandate, Regie-Aufträge und Entschädigungen rund 25 Mio. Franken – Beispiele für eine intensive "Public Private Partnership" (PPP).

"Insgesamt hat Swisscontact rund 90 Projekte laufen", sagt Stilli. Eines davon ist das "Senior Expert Programm" mit Schwergewicht Beratung. Vor allem dieses "Senior Expert Corps" (SEC) brachte Swisscontact im Inland in die Medien.

Jungbrunnen statt Alteisen

2004 wird das 25-jährige Bestehen dieses Corps gefeiert. In der Jahresrechnung 2002 steht das Corps mit knapp 600'000 Franken Aufwand zu Buche – wenig für fast 150 geleistete Einsätze auf der ganzen Welt, mehrheitlich zu Gunsten von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

In den letzten Jahren hat sich das Beratungs-Corps auf 470 Fachleute verdoppelt. Die Mitmachenden sind durchschnittlich 65 Jahre alt, 9% davon sind Frauen. Fern der Heimat gehören die Pensionierten nicht "zum alten Eisen" – im Gegenteil.

Aufbau einer Marktwirtschaft

Über das SEC kam der 67-jährige Christian Boesch nach Transsilvanien, jener rumänischen Region, die eher mit dem Schloss von Dracula als mit Gewerbe und Marktwirtschaft gleichgesetzt wird.

Der ehemalige Diplomat, Direktor der Zürcher Handelskammer und Kantonsrat, erlebte ein Transsilvanien in Transformation: Nach der Ära Ceaucescu entstanden eine neue Papier-, Druck- und Textilindustrie oder auch Grossbäckereien, die um Darlehen kämpften.

Viele Auslandrumänen wollten investieren, es ging darum, nach gewissen Qualitätsstandards zu produzieren.

"Die Leute dort haben das Prinzip der Marktwirtschaft vollauf begriffen", sagt Boesch im Gespräch mit swissinfo.

Heute gibt es in der Stadt Odorheiu eine Gewerbe- und Handwerker-Vereinigung mit 130 Unternehmern, "inklusive Sekretariat mit vier Angestellten".

Laut Boesch steht der Verband auch bereits in Kontakt mit der Lokalpolitik, damit nicht am Gewerbe vorbei politisiert werde.

"Es fehlte den Rumänen eine Bestätigung, wenn etwas funktioniert", so Boesch, der vor Ort mitbekam, wie sich die Rumänen fürchten, mit dem Westen nicht mithalten zu können. "Doch sie haben gelernt, dass andernorts auch nur mit Wasser gekocht wird."

Auf Boesch wartet schon der nächste Auftrag: Die Organisation einer Handelskammer in Vietnam.

"Zimmer-Männer" statt Zimmermädchen in Nepal

Die Davoserin Elsbeth Fopp-Bögli, zur Zeit ihres Einsatzes 66 Jahre alt, kann als Hotel-Fachfrau mit ihrer Berufs- und Auslanderfahrung ebenfalls vieles bieten.

Ihr erster Einsatz für Swisscontact führte Fopp-Bögli 1997 für zehn Wochen nach Nepal. "Dort braucht es Zimmer-Männer statt -mädchen, weil Frauen solche Arbeiten auf dem Land gar nicht machen dürfen", erzählt sie im Gespräch mit swissinfo. "Doch die Männer kennen von zuhause her meist weder Bad noch Toilette. Und im Hotel müssten die nach westlichen Standards sauber sein."

Sicher gibt es in Katmandu auch ein Holiday Inn mit West-Standards, das Europäer und Amerikaner benutzen. "Aber meine Funktion bestand ja gerade darin, dem lokalen Hotelgewerbe diese Standards ebenfalls beizubringen," so Fopp-Bögli.

Übersee-Touristen gelten in Nepal als rentabler als indische Gäste, weil sie in Dollar und nicht in Rupien zahlen.

Respekt gegenüber dem Alter

Ein weiteres Kapitel betraf den Umgang der Direktion mit dem weiblichen Personal. In Katmandu sind Direktoren oft keine geschulten Manager, sondern gleichzeitig auch die Besitzer – und häufig Inder, welche die Nepalesen als Bergvolk gering schätzen.

Solche Traditionen beissen sich mit Denk-Kategorien wie "Preis-Leistungsverhältnis" und dem Bemühen um ein wirtschaftliches Vorankommen. "Standardisierte Kommunikation von oben nach unten, tägliche Kadersitzungen (und zwar stehend und ohne Tee), auf Organisation beruhende Protokolle statt persönliche Sympathien..., all das musste erst eingeführt werden", so Fopp-Bögli.

"Da ich als ausländische Seniorin eine Art Neutrum war, konnte ich mich im Vergleich zu den einheimischen Nepalesinnen gegenüber der männlichen Hierarchie eher durchsetzen."



Dazu kam auch ein hoher Respekt vor dem Alter. "Als Weisshaarige gilt man in Nepal offenbar als Autorität", sagt die Hotel-Fachfrau.

Nirgends in der Hotelhierarchie wurde Elsbeth Fopp deshalb als Konkurrenz oder als Gefahr für den Arbeitsplatz empfunden.

Als sie zwei Jahre später nochmals nach Katmandu flog, stellte sie befriedigt fest, dass ihre Standards immer noch eingehalten wurden. "Ist man kompetent, wird man überall akzeptiert, auch wenn man die Sprache nicht spricht", fasst Elsbeth Fopp ihre Erfahrungen zusammen.

swissinfo, Alexander Künzle

Fakten

2004 feiert Swisscontact das 25-jährige Bestehen ihres "Senior Expert Corps".

Pensionierte übernehmen dabei ehrenamtlich die Beratung von Klein- und Mittelbetrieben in Entwicklungsländern und Osteuropa.

2002 gab es knapp 150 Einsätze, 60 in Lateinamerika, je gut 40 in Asien und Osteuropa, 4 in Afrika.

Der Experten-Pool umfasst inzwischen rund 470 Coachs.

Das Durchschnitts-Alter liegt bei 65 Jahren, der Frauenanteil beträgt 9%.

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In Kürze

Christian Boesch, der ehemalige Direktor der Zürcher Handelskammer, machte in Rumänien in der Region Transsilvanien einen Consulting-Einsatz für einen Unternehmerverband.

Elsbeth Fopp-Bögli hat für Swisscontact verschiedenen Einsätze als Hotelfachfrau in Nepal und Chile gemacht. Dabei ging es um die Ausbildung von Hotelkaderleuten.

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