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Stille der Alpen - Hoffnung für Zypern-Gespräche

Zypern-Verhandlungen: Suche nach Lösung in alpiner Stille.

(Keystone)

Unter UNO-Schirmherrschaft haben am Mittwoch auf dem Bürgenstock am Vierwaldstätter-See Verhandlungen zur Wiedervereinigung Zyperns begonnen.

Der Hotelkomplex auf der idyllisch gelegenen Berg-Halbinsel ist nicht zum ersten Mal Schauplatz internationaler Verhandlungen.

Es sind praktisch die Gespräche der "letzten Chance" für einen Beitritt der ganzen Insel Zypern zur Europäischen Union: Ohne Einigung zwischen der Türkei, Griechenland und den zwei Teilen Zyperns wird am 1. Mai nur der griechisch-zyprische Inselteil zur EU stossen.

Hinter verschlossenen Türen

Am Dienstagabend trafen die Delegationen auf dem Bürgenstock ein; am Mittwoch begannen die Gespräche. Die Verhandlungen finden hinter geschlossenen Türen statt. Vertreten sind neben der UNO Delegationen der griechisch-zyprischen und der türkisch-zyprischen Volksgruppe sowie der Mutterländer Griechenland und Türkei.

Der Luxus-Hotelkomplex auf dem Bürgenstock ist vom Flughafen Zürich aus per Helikopter in nur 20 Minuten zu erreichen – und liegt doch Welten entfernt von der Hektik. Die UNO hat für die Verhandlungen den ganzen Komplex reserviert.

Die drei Luxus-Hotels liegen abgeschottet rund 450 Meter über dem Vierwaldstätter-See. Zum Komplex gehören eine eigene Bergbahn, ein Schwindel erregender Lift, eine eigene Strom-, Wasser- und Abwasser-Versorgung. Sogar eine eigene Postleitzahl hat der Bürgenstock.

Wenn die Gespräche ins Stocken geraten, können die Politiker auf eine 9-Loch-Golfanlage ausweichen. Oder versuchen, sich von der Ruhe, dem Blick auf den See und die schneebedeckten Berge inspirieren zu lassen.

Nötige Stille, Luxus und Sicherheit

Der Bürgenstock bietet also die nötige Ruhe für schwierige politische Gespräche. Doch auch hinsichtlich Überwachung und Luxus bietet er ideale Verhältnisse. Der Berg, der als Halbinsel in den See ragt, ist auf drei Seiten von Wasser umgeben und fällt im Norden fast senkrecht ab.

Der Komplex, an Prominenz gewohnt, war schon mehrmals Schauplatz hochrangiger Treffen. Letztmals hatte der Bürgenstock im Jahr 2002 Schlagzeilen gemacht: Die Regierung und Rebellen aus Sudan hatten damals einen Waffen-Stillstand für die Region der Nuba-Berge geschlossen.

Weniger bekannt ist, dass die etwas geheimnisumwitterte Bilderberg-Konferenz, der Spitzenkräfte aus Politik und Finanz weltweit angehören, ihre Jahrestreffen auch schon auf dem Bürgenstock abhielt, einmal in den 1960er Jahren, einmal um 1980.

Der frühere US-Aussenminister Henry Kissinger soll ein Bilderberg-Mitglied sein. Auf jeden Fall ist bekannt, dass er schon auf dem Bürgenstock logierte.

Das Bürgenstock-Management spricht lieber darüber, wie attraktiv der Komplex für Stars aus der Welt des Show Business ist.

So heiratete die Schauspielerin Audrey Hepburn auf dem Bürgenstock und lebte einige Jahre dort in einer Villa. Auch ihre italienische Kollegin Sophia Loren hatte während Jahren ihren Wohnsitz auf der Halbinsel über dem Vierwaldstätter-See und auch Sean Connery genoss schon das Panorama.

Um die Zypern-Konferenz von der Öffentlichkeit abzuschotten, wurde die Zufahrtsstrasse ab Obbürgen NW gesperrt. Die Standseilbahn ab Kehrsiten ist ohnehin noch in der Winterpause.

Für die Sicherheit zuständig ist die Nidwaldner Polizei. Sie wird für ihren Einsatz von anderen Polizeikorps sowie der Armee unterstützt.

Lange Tradition



Luxuriöse Unterkünfte in der Schweiz als Schauplatz von Friedens-Verhandlungen haben Tradition.

1925 unterzeichneten die europäischen Mächte den "Pakt von Locarno" im damaligen Grand Hotel der Stadt. Das Abkommen sollte den Frieden in Europa garantieren. Doch ab 1936 hielt sich Adolf Hitler nicht mehr daran.

Das Hotel Caux Palace oberhalb von Montreux am Genfersee wurde 1902 als das damals grösste, luxuriöseste Hotel der Schweiz eröffnet. In seiner langen Geschichte diente es dann allerdings weniger reichen Gästen als Friedensbemühungen.

Als Hotel überlebte das Caux Palace die harten Zeiten der 30er Jahre nicht. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde es von den Behörden übernommen und diente als Unterkunft für alliierte Kriegsgefangene und jüdische Flüchtlinge.

Nach dem Krieg ging das Gebäude an die "Bewegung für moralische Aufrüstung" und wurde in ein Friedens-Konferenzzentrum umfunktioniert.

Die Gruppe war als Gegenkraft zur militärischen Aufrüstung entstanden und entwickelte sich später zu einer ethischen Bewegung.

In den vergangenen 50 Jahren konnte die Bewegung in Caux immer wieder politische Führungskräfte und hochrangige Delegationen auf der Suche nach Frieden beherbergen.

swissinfo, Dale Bechtel

In Kürze

Die Zypern-Verhandlungen stehen unter Schirmherrschaft der UNO.

Die letzte Runde, die einen Beitritt der ganzen Insel zur EU ermöglichen soll, findet ab dem 24. März auf dem Bürgenstock statt. Die Schweiz hatte der UNO dieses Angebot im Rahmen ihrer Guten Dienste gemacht.

Griechenland und die Türkei haben laut UNO-Fahrplan eine Woche Zeit, sich auf einen Kompromiss zu einigen.

Der UNO-Plan sieht die Schaffung eines föderativen Staates auf der seit 30 Jahren geteilten Insel vor. Dieser soll aus zwei Teilstaaten bestehen, einem türkisch-zyprischen im Norden und einem griechisch-zyprischen im Süden. Als Inspiration dient das Schweizer Modell.

Falls es bei den Gesprächen keine Einigung gibt, soll UNO-Generalsekretär Kofi Annan in den strittigen Punkten entscheiden.

Am 20. April sollen die zwei Volksgruppen in getrennten Abstimmungen entscheiden, ob sie der Lösung zustimmen.

Kommt es zu keiner Einigung, so wird am 1. Mai nur der griechisch-zyprische Teil der Insel als neues Mitglied in die Europäische Union aufgenommen.

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Fakten

Das erste Hotel auf dem Bürgenstock wurde 1873 erbaut.

Heute hat der Komplex fast 200 Zimmer.

Dazu kommen Seminar-Plätze für rund 500 Personen.

Das gesamt Areal umfasst 600'000 Quadratmeter.

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