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Strassenverkehr Wie weiter mit der Elektromobilität?

Kind fährt mit Kinderauto

In Sachen Elektromobilität steckt die Schweiz im Vergleich mit anderen Ländern wie etwa China noch in den Kinderschuhen.

(Robyn Beck / AFP)

Der Bund will den Elektroautos mit verschiedenen Massnahmen zum Durchbruch verhelfen. Andere Länder sind allerdings schon weiter. Derweil mehren sich kritische Stimmen, welche die ökologische Effizienz elektrisch betriebener Autos hinterfragen.

Eine Steigerung um fast 40%. Das tönt gut. Um diesen Anteil hat sich 2017 der Verkauf von rein elektrisch betriebenen Autos in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Verglichen allerdings mit insgesamt 315'032 verkauften Personenwagen machten die 4929 E-Flitzer lediglich knappe 1,6% aller Neuzulassungen aus. Das zeigen Zahlen des Angaben des Bundesamts für Statistikexterner Link (BFS).

Grafik Anteil Elektroautos an Neuzulassungen 2017
(Kai Reusser/swissinfo.ch)

Wenn man mit dem Pionier Norwegen vergleicht, ist dieser Anteil allerdings äusserst mager. Im Erdölland Europas lag die Quote bei den Neuzulassungen 2017 gemäss dem dortigen Strassenverband OFV bei 20,8%. Bis 2025 will Norwegen nur noch elektrifizierte oder hybride Personenwagen zulassen.

Das plant die Schweiz

15% elektrische Neuzulassungen peilt die Schweizer Landesregierung (Bundesrat) mit ihrer "Roadmap Elektromobilität 2022"externer Link an. Gemäss dem kürzlich verabschiedeten Projekt sollen Elektrofahrzeuge im Jahr 2022 "selbstverständlicher Bestandteil des Strassenverkehrs in der Schweiz" sein. Am Projekt beteiligen sich mehr als 50 Organisationen und Firmen verschiedener Branchen sowie Vertreter von Bund, Kantonen und Gemeinden.

Ein grosser Flaschenhals bei der E-Mobilität ist gegenwärtig das "Tankstellennetz", da auch die modernsten Batterien heute noch kaum weite Strecken ermöglichen. Zu den wichtigsten Massnahmen gehört deshalb der Bau von 160 Schnelllade-Stationen entlang der Schweizer Nationalstrassen. Zudem sollen Elektroautos wegen des Gewichts ihrer Akkus nicht in eine höhere Gewichtsklasse eingestuft werden. Zudem will der Bund "positive Emotionen wecken".

Autonummern-Lotterie

Andere Länder wie China sind bereits viel weiter. Weil einige Grossstädte im Smog versinken, vergeben sie schon seit längerer Zeit die Autonummern für neu zugelassene, konventionell betriebene Personenwagen nur noch per Lotterie.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete 2013, ein Autofahrer in Peking müsse im Schnitt 72 Monate auf ein Kontrollschild warten. Laut Journalisten der chinesischsprachigen Redaktion von swissinfo.ch hat sich die Situation heute eher noch verschärft.

Allerdings will China dieses Jahr auch die Förderbeiträge für Elektroautos einschränken, wie Bloomberg berichtet. Hersteller sollten innovativer werden, statt sich auf staatliche Fördermittel zu verlassen. Der schwedische Autohersteller Volvo – im Besitz des chinesischen Konzerns Geely – will ab diesem Jahr nur noch Autos anbieten, die mit einem Elektromotor ausgestattet sind, also rein elektrisch oder hybrid betrieben werden. Und diese Woche hat der US-Elektroauto-Hersteller Tesla in China eine grosse Fabrik eröffnet.

Europa hinkt gegenwärtig den amerikanischen und chinesischen Herstellern hinterher. Zwar sind diverse europäische Modelle geplant, doch "erst 2021, wenn die grosse Modelloffensive von Volkswagen kommt, könnte der deutsche Autokonzern [VW] Tesla in Europa wieder vom E-Auto-Thron stossen", zitierte die Handelszeitung kürzlich Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Umweltverträglichkeit hinterfragt

Derweil stellen immer mehr Experten die ökologische Überlegenheit von batteriebetriebenen Fahrzeugen in Frage. In der Herstellung würden diese der Umwelt mehr Schaden zufügen als Autos mit Verbrennungsmotor, schrieb die NZZ am Sonntag jüngst. Gemäss der Zeitung kam eine Studie im Auftrag der schwedischen Energieagentur zum Schluss, dass ein kleines E-Auto die Bilanz nach 30'000 gefahrenen Kilometern ausgleicht, also umweltschonender als ein Benziner oder Diesel zu fahren beginnt, ein schweres aber erst nach 100'000 Kilometern.

Zudem werde der ökologische Fussabdruck der Batterieherstellung oft nicht einberechnet. Dazu sind seltene Erden nötig, was wiederum umweltschädlich ist. Schliesslich weist die Zeitung darauf hin, dass für die Entsorgung von Millionen ausrangierter Akkus "ähnlich vage Pläne zu bestehen" scheinen "wie einst beim Start der ersten Atommeiler zum Thema Endlager".

swissinfo.ch

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