Navigation

Streik bei SAir-Töchtern in Frankreich

AOM und Air Liberté bleiben am Mittwoch am Boden. Keystone

Die Sanierungs-Pläne der SAir-Töchter AOM und Air Liberté provozieren Widerstand: Die Angestellten wehren sich am Mittwoch (18.4.) mit einem Streik gegen den Stellen-Abbau.

Dieser Inhalt wurde am 18. April 2001 - 11:48 publiziert

In Frankreich ist es durch den Streik zu starken Behinderungen bei nationalen und regionalen Flügen gekommen.

Wie die Direktion der Fluggesellschaften mitteilte, konnten einzig einige wenige Flüge von und nach Nizza, Toulon und Perpignan aufrecht erhalten werden. Nicht betroffen waren die Flüge nach Übersee.

Streik wegen SAir-Entschluss

Per sofort sei Schluss mit dem Geld-Einschiessen, hatte der neue SAir-Chef Mario Corti kurz nach seiner Amtsübernahme entschieden. Und er setzte klare Termine: Bis zur Generalversammlung vom 25. April soll ein Sanierungsplan für die beiden französischen Tochter-Gesellschaften AOM und Air Liberté vorliegen. Die SAirGroup hält an den Unternehmen je 49,5%.

Abbau von Flügen und Reduktion der Flugzeug-Flotte sowie ein massiver Stellen-Abbau: Die Unternehmens-Leiter haben die ersten Eckpfeiler ihres Sanierungs-Planes vor wenigen Tagen vorgestellt. Gewerkschafts-Kreise gehen davon aus, dass 1'000 bis 1'500 der insgesamt 5'500 Stellen abgebaut werden sollen. Dies wollen die Angestellten nicht hinnehmen: Mit einem Streik am Mittwoch wehrten sie sich gegen die geplanten Massnahmen.

Die Direktion der beiden Fluggesellschaften geht davon aus, dass es bei den nationalen und regionalen Flügen zu Behinderungen komme. Nicht betroffen seien Flüge nach Übersee.

Image-Verlust in der Öffentlichkeit

Die angedrohten Entlassungen schüren die Emotionen in der Bevölkerung gegen die SAir. Und es ist nicht die einzige öffentliche Debatte über die Fluggesellschaft: Der Genfer Grosse Rat hat am Dienstag die Aktionäre in Zeitungs-Inseraten aufgerufen, dem Verwaltungsrat an der Generalversammlung die Decharge zu verweigern.

Nach der Anzeige in der belgischen Zeitung "Le Soir" soll der gleiche Text noch in dieser Woche in französischen und Schweizer Zeitungen erscheinen. Die SAirGroup habe sich blindlings in ein "völlig irrealistisches Abenteuer" gestürzt, ist unter anderem im zwei Spalten grossen Inserat zu lesen.

Jemand müsse für den Scherbenhaufen dieser "pharaonischen Investitionspolitik" bezahlen, hält das Genfer Kantonsparlament weiter fest. Es fordert deshalb die Aktionäre auf, der "Verlierer-Equipe", sprich SAir-Verwaltungsrat, an der kommenden Generalversammlung die Decharge nicht zu erteilen. Was bedeutet, dass die Mitglieder des Verwaltungsrates von der Verantwortung für die vergangene Geschäftstätigkeit nicht entlastet werden sollen.

Solidarität zeigen

Die Veröffentlichung des Inserats in Belgien habe zum Ziel, ein anderes Bild der Schweiz zu zeigen als "jenes der Bankiers", erklärte Grossrat Remy Pagani, Autor des Inserattextes. Die SAirGroup hält 49,5% an der belgischen Fluggesellschaft Sabena.

Ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung sei solidarisch mit den belgischen Sabena-Angestellten, die wegen der verfehlten Politik der SAirGroup Nachteile erleiden müssten, fügte Pagani hinzu.

Diese Woche in Schweizer Zeitungen

Das gleiche Inserat werde in dieser Woche in den "24 heures", im "Blick", in der "NZZ" sowie in einer Tessiner Zeitung erscheinen, kündigte Remy Pagani an. Wegen des SAir-Engagements bei den französischen Fluggesellschaften AOM, Air Liberté und Air Littoral werde der Text auch in der Tageszeitung "Le Monde" veröffentlicht. Der Kanton Genf hat wie der Kanton Waadt beschlossen, dem SAir-Verwaltungsrat die Décharge zu verweigern.

Die Schweizer Landesregierung will gemäss Bundesrat Couchepin einen Spezialbericht verlangen, um über eine eventuelle Verantwortlichkeits-Klage befinden zu können. Auch Bundespräsident Leuenberger hatte über Ostern erklärt, dass es keinen Sinn mache, dem Verwaltungsrat eine Décharge zu erteilen.

swissinfo und Agenturen

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.