Suche nach verdächtigen Transaktionen intensiviert

Verdächtige Transaktionen: Die Grossbanken UBS und Credit Suisse überprüfen Konten mit möglichen Verbindungen zu Terroristen. Keystone Archive

Die Grossbanken UBS und CS Group haben nach den Anschlägen in den USA die Überprüfung von Kunden-Daten verstärkt. Bei der UBS wurden vier verdächtige Transaktionen von Personen aus der Schweiz getätigt. Derweil erklärte Bundesrat Villiger, es gebe keinen ausländischen Druck auf den Finanzplatz Schweiz.

Dieser Inhalt wurde am 01. Oktober 2001 - 19:30 publiziert

Drei verdächtige Überweisungen gingen von der Schweiz in die USA, eine in ein anderes europäisches Land, sagte UBS-Sprecher Cédric Dietschy am Montag.

Auch die CS Group hat nach der Veröffentlichung der Namenslisten der US-Behörden über Organisationen und Personen aus dem Umfeld von Osama Bin Laden der Überprüfung verdächtiger Kundenkonten "höchste Priorität eingeräumt". Allfällige Informationen würden umgehend weitergeleitet, sagte CS-Sprecher Paul Rimmer.

Transaktionen verwischt

Der Geldwäscherei-Experten Mark Pieth warnte indes in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger vor zu grossen Erwartungen an solche Listen. Die Angaben darauf würden oft zufällig wirken und die Banken könnten damit nur bedingt etwas anfangen, sagte Pieth, Strafrechtsprofessor in Basel und Mitglied der Financial Task Force of Money Laundering (FATF).

Die terroristischen Organisationen arbeiten laut Pieth mit einem mehrstufigen System, um die globalen Geldtransaktionen zu verwischen. Zuerst suchten sie nach einem Financier in ihrem ideologischen oder ethnischen Umfeld.

Diese Bankiers beauftragten dann einen Finanzintermediär ohne Verbindung zum Auftraggeber. Schliesslich würden die finanziellen Strukturen aufgebaut, also Briefkastenfirmen eröffnet und Konten an Offshore-Plätzen etabliert.

Die Banken würden die Vermittler zwar kennen, aber nie genau wissen, woher das Geld tatsächlich stamme. Zwar müssen sich die Banken von den Vermittlern die wirtschaftlich Berechtigten nennen lassen. Eine Verpflichtung zur Überprüfung bestehe aber nicht.

"Solange es ausreicht, sich vom Vermittler oder vom Kunden selbst anlügen zu lassen, kann das System nicht wirklich effektiv sein" , sagte Pieth.

Villiger sieht keinen Druck auf Finanzplatz

In einer Fragestunde des Nationalrats wies Bundesrat Kaspar Villiger am Montag erneut darauf hin, dass die Banken und andere Finanzintermediäre verdächtige Guthaben bei der Meldestelle für Geldwäscherei des Bundesamtes für Polizei (BAP) melden müssten. Die Banken seien in hohem Masse kooperationsbereit.

Villiger betonte weiter, es gebe keinen Druck auf den Finanzplatz Schweiz im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in den USA, weder aus den USA noch aus anderen Ländern. Insbesondere die USA äusserten sich über die Zusammenarbeit mit der Schweiz positiv, antwortete Villiger auf die Frage von Marc Suter (FDP/BE).

Reger Informations-Austausch

Laut Bundesrätin Ruth Metzler findet zwischen der Schweiz und den USA ein reger Informationsaustausch im Kampf gegen den Terrorismus statt. Das nach dem Anschlag von den USA eingereichte Rechtshilfegesuch sei bereits teilweise beantwortet.

Die Schweiz habe den USA zudem angeboten, einen Vertreter in die Task Force "Terror USA" zu entsenden. Die Task Force war nach dem Anschlag von der Bundesanwaltschaft und dem BAP eingesetzt worden.

Hinweise auf direkte Ermittlungen des FBI oder der DEA (Drug Enforcement Administration) in der Schweiz gebe es nicht, beantwortete Metzler eine entsprechende Frage von Valerie Garbani (SP/NE). Laufende Abklärungen würden nur durch schweizerische Polizeikräfte geführt. Hingegen arbeite das BAP eng mit dem in der US-Botschaft in Bern stationierten Vertreter des FBI zusammen.

swissinfo und Agenturen

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