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Südzucker will internationaler werden - Starkes Jahr 2010/11 (AF)

(Mit weiteren Angaben)
MANNHEIM (awp international) - Der Zuckerkonzern Südzucker nimmt nach einem besser als erwartet ausgefallenen Geschäftsjahr 2010/2011 zunehmend die Märkte ausserhalb Europas ins Visier. Dafür kooperiert Europas grösster Zuckerproduzent mit dem weltweit zweitgrössten Zuckerhändler, dem britischen Unternehmen ED&F Man. Wie der Südzucker-Konzern am Mittwoch passend zur Bilanzvorlage mitteilte, erwirbt er für 255 Millionen US-Dollar eine Minderheitsbeteiligung von 25 Prozent minus eine Aktie an dem Agrarrohstoffhändler. ?Der Zuckerhandel wird weltweit zunehmen, dafür wollen wir uns eine Plattform für den Ausbau unseres Geschäfts ausserhalb Europas schaffen?, erklärte Vorstandschef Wolfgang Heer die Investition.
ED&F handelt weltweit mit Rohstoffen wie Zucker, Kaffee oder Melasse und ist vor allem in Ländern wie Mexiko, Chile oder Venezuela stark vernetzt. Das Unternehmen besitzt darüber hinaus aber auch eigene Produktions- und Raffineriekapazitäten für Zucker. Südzucker verspricht sich Synergien für die eigene Produktion, aber auch Vorteile bei der Beschaffung von Rohrzucker. Denn der Konzern musste sich durch die Produktionseinschränkungen der europäischen Zuckerpolitik zunehmend auch zum Importeur von Zucker wandeln und wodurch Vertrieb und Logistik eine immer grössere Rolle spielen.
Die Entwicklung an den Rohstoffmärkten verfolgt Südzucker aufmerksam. Die Rohstoffpreise werden eines der Kernthemen der Zukunft sein, sagte Heer. Südzucker profitiert zwar auf der einen Seite als Anbieter von Agrarrohstoffen von den zum Teil rekordartigen Preissteigerungen, spürt aber in den Endverbrauchernahen Bereichen etwa als Hersteller von Tiefkühlkost sehr wohl auch die Belastung. Für die Herstellung von Bioethanol, das unter anderem aus Getreide gewonnen wird, hatte sich Südzucker nach eigenen Angaben frühzeitig gegen Preissteigerungen abgesichert.
Im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 konnte Südzucker sein operatives Ergebnis von 403 auf 519 Millionen Euro steigern und damit stärker als Analysten es erwartet hatten. Der Überschuss nach Minderheiten verbesserte sich von 200 auf 250,4 Millionen Euro und der Umsatz legte im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro zu. Die Belastungen aus der EU-Zuckermarktreform hat der Konzern damit abgehakt. Die Aktionäre sollen wie bereits am Vortag bekanntgegeben eine Dividende von 0,55 Euro je Aktie (Vorjahr: 0,45) erhalten. Für das laufende Geschäftsjahr 2011/12 peilt der Konzern einen Umsatz von 6,3 Milliarden Euro an. Operativ sollen mehr als 550 Millionen Euro in die Kassen kommen.
Seine Schulden konnte Südzucker im abgelaufenen Jahr weiter reduzieren, weshalb es auch kein Problem sein dürfte, weitere Zukäufe zu stemmen. ?Wir halten weiterhin nach geeigneten Objekten Ausschau?, sagte Heer. Die im Mdax notierte Südzucker-Aktie legte bis zum frühen Nachmittag um 1,42 Prozent auf 21,73 Euro zu.
Zu den Umsatz- und Ergebnissteigerung im vergangenen Jahr trugen alle Geschäftsfelder bei. Den grössten Beitrag leistete die Stammsparte Zucker, die von gesteigerten Absatzmengen profitieren konnte. Schlechte Ernten in Ländern wie Indien und Brasilien bei gleichzeitig hoher Nachfrage und Spekulanten an den Rohstoffmärkten trieben zudem den Zuckerpreis im Jahresverlauf auf ein neues Allzeithoch.
Auch die Sparte Frucht legte 2010/11 weiter zu. Südzucker beliefert die Lebensmittelindustrie mit Fruchtzubereitungen und Saftkonzentraten und konnte im vergangenen Jahr vor allem in Osteuropa, Asien und Amerika mehr absetzen. Aktuell arbeitet Südzucker daran, den nordafrikanischen und arabischen Raum zu erschliessen. Im Segment Spezialitäten, zu dem Tiefkühlkost, Stärke, Portionsartikel oder Zutaten für die Lebens- und Futtermittel-Industrie zählen, ging es beim Umsatz zweistellig nach oben. In diesem Jahr will der Konzern die Internationalisierung weiter vorantreiben und sich mit einem eigenen Vertrieb in den USA den weltgrössten Markt für Pizza erschliessen.
Die gestiegene Auslastung der Bioethanolwerke half Südzucker bei seiner Tochter Cropenergies auf die Sprünge. Bioethanol wird aus Rüben oder Getreide gewonnen und ist Bestandteil des neuen Ökokraftstoffs E10. Trotz der hierzulande hitzig geführten Debatten um E10 glaubt Südzucker dennoch weiter an den Erfolg des Biosprits. ?Am Ende wird sich die Qualität von E10 durchsetzen?, sagte Heer und erinnerte an die Einführung von bleifreiem Benzin in den 80er Jahren. In Ländern wie den USA werde E10 schon seit Jahrzehnten angeboten. Der Konzern werde sich deshalb weiterhin dafür einsetzen, dass der Biosprit auch in Deutschland Standardkraftstoff für Ottomotoren werde./she/wiz

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