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Swatch Group kommt gestärkt aus der Krise



Die Swatch Group schaffte es, in einer stärkeren Position aus der Krise zu kommen.

Die Swatch Group schaffte es, in einer stärkeren Position aus der Krise zu kommen.

(Keystone)

Die weltweite Nummer eins der Uhrenbranche stellt am Donnerstag ihre sehr guten Resultate von 2010 vor. Doch auch die Swatch Group müsse sich Herausforderungen stellen, meint der französische Journalist und Uhrenmarktspezialist Grégory Pons.

Grégory Pons führt die Redaktion eines internationalen, zweiwöchentlichen  Newsletters, der sich an die Profis der Branche richtet ("La lettre internationale des marchés horlogers").

Er ist auch Mitglied des Grossen Preises der Uhrenindustrie. Pons lebt in Genf.

swissinfo.ch: Die Swatch Group sieht für 2011 einen Umsatz von mehr als sieben Milliarden Franken und eine Aufstockung des Personalbestandes vor. Sind die Aussichten wirklich nur rosig für die Gruppe?

Grégory Pons: Man kann nicht das Gegenteil behaupten, es läuft sehr gut für die Swatch Group. Aber im Hintergrund gibt sich Probleme, die durchaus ernst werden können.

Die Swatch Group verdient heute am meisten in China. Dieses Klumpenrisiko kann gefährlich werden, wenn die Konjunktur einbricht. Man hat gesehen, was im Maghreb oder in Ägypten passiert ist. Das könnte auch in China geschehen. Man kann es nicht ausschliessen.

Es stellen sich auch industrielle Probleme. Die Swatch-Group ist bei neuen Entwicklungen immer in der Situation eines Quasi-Monopols. Aber die anderen sind mehr und mehr auch innovativ. Früher oder später wird das Angebot der Gruppe wahrscheinlich weniger interessant sein. Allerdings ist dies nicht der Bereich, in welchem die Gruppe am meisten verdient.

Allen Zahlen nach geht es der Swatch Group sehr gut. Gleichzeitig fragt man sich, wo sie hin will, welche Strategie sie einschlagen will. Sie ist an Bulgari vorbeigezogen und an fast allen Übernahmen der letzten Jahre.

swissinfo.ch: Welche Auswirkungen hat der Einstieg der zweiten Hayek-Generation gehabt?

G.P.: Im Moment sieht man noch keine Veränderung. Der Sohn und die Tochter arbeiten so, wie es der Vater gewünscht hat. Der Sohn ist zwar ruppiger im Umgang als sein Vater. Aber bezogen auf das Geschäftliche gab es keine fundamentale Veränderung.

Man muss sich hingegen auf angespanntere Beziehungen mit den anderen Konzernen einstellen. Mit Möet Hennessy Louis Vuitton (LVMH), nach der Übernahme von Bulgari hinter Richemont die Nummer drei auf dem Weltmarkt, hat die Swatch Group einen starken Konkurrenten. LVMH ist Marktführer bei industriellen Luxusuhren. Man weiss nicht, wie sich dies entwickelt. Alle werden es dieses Jahr beobachten.

swissinfo.ch: Die Frankenstärke hat die Uhrenhersteller angeregt, ihre Preise zu erhöhen. Ist dies nicht eine riskante Strategie?

G.P.: Alle Marken haben ihre Preise um 8 bis 10% erhöht. Aber die Qualität der Uhren hat nicht um so viel zugenommen. Man hätte die Preise besser gesenkt, um sie der Schwäche des Euro oder des Dollars anzupassen. Aber die Marken haben es vorgezogen, ihre Marken zu stärken, um die Möglichkeit zu verbessern, Gewinn zu erzielen und mehr in Forschung und Entwicklung investieren zu können.

Es ist selbstmörderisch, die Preise gedankenlos zu erhöhen. Die Käuferinnen und Käufer sind keine Idioten. Sie vergleichen die Preise in der ganzen Welt und sehen genau, dass man sich über sie lustig macht, wenn man die Preise mechanisch um 10% erhöht. Swatch Group ist ungefähr in der Mitte, sie haben nicht mehr aufgeschlagen als die anderen, aber auch nicht weniger.

swissinfo.ch: Im Jahr 2010 hat die Swatch Group den Umsatz mehr steigern können als der Durchschnitt der Branche. Warum?

G.P.: Das nennt man das Glück des Marktleaders: Die Grossen werden noch grösser und die Kleinen noch kleiner. In einem Markt der Krise orientiert sich der Kunde an den bekannten und wichtigsten Marken. Die Gruppe hat die Krise gut überstanden und ihre Dominanz sogar noch verstärkt.

swissinfo.ch: Zur Überraschung fast aller hat LVMH kürzlich eine Attacke auf das Aktienkapital der Hermès Gruppe lanciert. Könnte die Swatch Group auch zum Objekt des Versuchs einer solchen feindlichen Übernahme werden?

G.P.: Kein Konzern ist vor Raubrittern sicher. Die Familie Hayek kontrolliert lediglich etwas mehr als 40% des Aktienkapitals. Man kann sich also schon feindliche Übernahmen vorstellen, wechselnde Allianzen zwischen anderen Grossaktionären – einige Aktionäre beisitzen rund 20-25% des Kapitals. Der Rest wird in der Öffentlichkeit gehandelt.

Man kann sich vorstellen, dass morgen ein Bernard Arnault von LVMH, ein unbekannter Chinese oder ein Investitionsfonds einen Grossteil des Kapitals aufkauft und dann ein Übernahmeangebot für den Rest lanciert. Das gäbe eine schöne Schlacht.

Die Affäre um den Oerlikon-Konzern hat der Schweiz gezeigt, dass selbst bei einem rundum abgesicherten Vertrag die Familienbande zerbrechen kann.

Der beste Schutz für die Familie Hayek ist, von Erfolg zu Erfolg zu segeln und 10 Milliarden Franken Umsatz zu versprechen, wenn man bei sieben ist, mit Profit und Dividenden. Das schweisst auch das Aktionariat zusammen.

Rekordjahr

Die Swatch Group hat 2010 einen Umsatz von 6,44 Mrd. Fr. verzeichnet, 18,8% mehr als im Vorjahr (Wechselkursbereinigt sogar 21,8% mehr).

Die Verkäufe des Gruppenbereichs Uhren und Schmuck machten 5,53 Mrd. Fr. aus; mit einem Anstieg von 24,5% waren sie höher als der Durchschnitt der Branche. Dieser betrug 22,1%.

Der Nettogewinn der Swatch Group stieg um 41,5% auf 1,08 Mrd. Fr, der Betriebsgewinn um 59% auf 1,44 Mrd. Fr.

Die Gruppe erwartet für 2011 einen Umsatz über der 7-Mrd.-Marke und will zwischen 300 und 400 Mio. Fr. in die Produktionskapazitäten investieren.

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Die Swatch Group

Sie entstand 1983 aus der Fusion zweier Uhrenfirmen in Biel, Kanton Bern. Der Konzern ist heute Weltmarktführer in der Uhrenbranche. Die Gruppe gehört zu rund 40% der Familie Hayek und Verwandten.

Dem Konzern gehören 19 Uhrenmarken, darunter Breguet, Omega, Tissot, Longines, Rado, Blancpain und Swatch.

Im letzten Jahr hat Swatch Group nach eigenen Angaben 1600 neue Stellen geschaffen, damit arbeiten über 25'000 Personen für den Konzern. Dieses Jahr sollen zwischen 1000 und 1500 Stellen dazukommen.

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(Übertragen aus dem Französischen: Eveline Kobler), swissinfo.ch


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