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Swatch/Weko eröffnet Untersuchung wegen Lieferstopp für Uhrwerke (Zus)

(Ergänzt mit Aussagen von Swatch-Chef Nick Hayek)
Bern (awp) - Die Wettbewerbskommission Weko eröffnet eine Untersuchung über die geplante Einstellung der Belieferung anderer Uhrenhersteller mit Uhrwerk-Komponenten durch die Swatch Group. Der Uhrenkonzern sei sich der Problematik bewusst und habe deshalb den Kontakt mit der Weko gesucht, bestätigte die Behörde am Mittwoch eine entsprechende Medienmitteilung der Swatch Group.
Swatch plant, die Lieferung mechanischer Uhrwerke und Assortiments - das sind regulierende Bestandteile eines mechanischen Uhrwerks - an Drittabnehmer vollständig einstellen. Die Untersuchung soll nun verhindern, dass der Wettbewerb auf den betroffenen Märkten "nachhaltig beeinträchtigt" wird, teilte die Weko mit.
HAYEK BETONT POSITIVE EFFEKTE
Für die Swatch Group liegt die Reduktion der Lieferungen gar im Interesse der gesamten Uhrenindustrie. "Wir wollen nicht als Supermacht wahrgenommen werden", sagte Swatch-Group-Chef Nick Hayek der Nachrichtenagentur SDA. Sein Konzern müsse heute aber alle beliefern, fügte Hayek an. "Wir möchten selbst entscheiden dürfen, welche Partner wir beliefern."
Wenn die Swatch Group als einzige Lieferantin wegfalle, habe das eine positive Auswirkung auf die Branche. "Es ist wichtig, dass auch andere Firmen Innovationen erarbeiten", erklärte Hayek.
FRISTEN FÜR AUSSTIEG DEFINIEREN
Es werde wohl darum gehen, Fristen für den Ausstieg zu definieren, erläuterte Patrik Ducrey von der Wettbewerbskommission auf Anfrage. Swatch habe der Weko ihre Bereitschaft zu einer einvernehmlichen Lösung im Sinne einer stufenweisen Lieferreduktion signalisiert. Bussen dürften dem Unternehmen aus dem Verfahren nicht zu drohen.
Es könne auch nicht darum gehen, Swatch eine Pflicht zu einer "ewigen Belieferung" aufzuerlegen, sagte Ducrey. Eine Weko-Untersuchung gegen die Swatch-Tochter ETA aus dem Jahr 2004 wegen der Einstellungen von Uhrwerkbestandteilen hatte damals zu einer Lieferverpflichtung für die ETA bis ins Jahr 2010 geführt.
ÜBERGANGSREGELUNGEN ERLASSEN
Gegenstand der neuen Weko-Untersuchung wird nun sein, ob alternative Bezugsquellen zur Swatch bestehen und wie diese aufgebaut werden können. Derzeit hat die Swatch Gruppe laut Ducrey bei den Uhrwerken einen Marktanteil von rund 70%, bei den Assortiments sei der Anteil noch etwas höher. Die Uhrenfirma Rolex etwa baut ihre Uhrwerke selbst.
Für die Dauer der Untersuchung hat die Weko gestützt auf eine einvernehmliche Regelung mit der Swatch vorsorgliche Massnahmen erlassen. Diese sehen vor, dass die Swatch ihre Drittkunden vorerst in vollem Umfang weiter beliefern muss. Ab dem Jahr 2012 kann der Uhrenkonzern seine Lieferungen mechanischer Uhrwerke auf 85% und von Assortiments auf 95% der Menge reduzieren, die 2010 bezogen wurde.
Gleichzeitig sistiert die Weko ihre im September 2009 eröffnete Untersuchung gegen die Swatch Tochter ETA Manufacture Horlogère Suisse betreffend mechanischer Uhrwerke, wie es weiter heisst. Diese könne durch die Ergebnisse der neu eröffneten Untersuchung massgeblich beeinflusst werden, begründet die Weko die Sistierung.
ZWEISCHNEIDIGES SCHWERT
Die Swatch benötige ihre Kapazitäten aufgrund ihres schnellen Wachstums für verstärkt für eigene Marken, kommentiert die Bank Vontobel. Eine Entscheidung werde aber längere Zeit einfordern, glaubt die Analystin.
Die Bank Wegelin sieht die Lieferreduktion an andere Markenhersteller als zweischneidiges Schwert. Vorerst dürfte sich die Massnahme wohl auszahlen, heisst es in einem Kommentar. Die Frage stelle sich allerdings, was bei einem Nachfragerückgang für Luxusuhren geschehen würde: In Krisenzeiten würde eine Auslieferung von Uhrwerken an Dritte eine Aufteilung der zyklischen Risiken bedeuten.
Die Swatch-Aktien verlieren am Mittwochvormittag an der insgesamt rückläufigen Schweizer Börse deutlich weniger als der Gesamtmarkt. Während der SMI gegen 16.05 Uhr 1,0% nachgibt, stehen Swatch mit 402,10 CHF um 0,3% im Minus.
tp/cc

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