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Swiss Life versichert von der Wiege bis zur Bahre

Im Konkurrenzgedränge der Lebensversicherer ist Swiss Life ein gewichtiges Rennpferd.

(Keystone)

Was 1857 in einem kleinen Kontor an der Zürcher Bahnhofstrasse begann, entwickelte sich zum Schweizer Marktführer für Lebensversicherungen.

Aus Swiss Life, der ehemaligen Rentenanstalt, ist längst ein Vorsorge-Unternehmen mit 9000 Mitarbeitenden geworden. Heuer feiert das Unternehmen sein 150-Jahr-Jubiläum.

Als der Thurgauer Conrad Widmer 1857 in Zürich die "Schweizerische Rentenanstalt" gründete, waren England, Frankreich oder Deutschland der Schweiz lebensversicherungs- und vorsorgemässig um Jahrzehnte voraus.

Schon ein Jahrhundert zuvor, 1762, hatte in London die weltweit erste Lebensversicherung ihre Arbeit aufgenommen, deren Beitragshöhe (Prämie) versicherungsmathematisch errechnet war.

Unterversicherte Schweiz der Pionierzeit

1857 war die Bevölkerung der Schweiz ausgesprochen unter- oder gar nicht versichert. Die Industrialisierung boomte mit allen negativen Begleiterscheinungen: Grossfamilien und soziale Strukturen zerfielen, weil die Leute nicht nur am Wohnort Arbeit suchen mussten.

Mit dem Zerfall des familiären Auffangnetzes kam die Notwendigkeit individueller Vorsorge auf. Widmer war es, der die Gunst der Stunde spürte: Er begann, mit vier Mitarbeitern an der Zürcher Bahnhofstrasse Altersrenten, Lebens- und Todesversicherungen anzubieten.

Bruch in der Männerdomäne

Pioniergeist bewies die Rentenanstalt auch bei ihrer Personalrekrutierung. Bereits 1894 stellte das Unternehmen Mathilde Pfenninger als Leiterin der Abteilung "Volksversicherung" an. Sie war eine der ersten Frauen in einer Führungsposition eines Schweizer Unternehmens.

Diese neugeschaffene "Volksversicherung" wirkte innovativ – und war de facto "eine frühe Vorläuferin der AHV", wie der VR-Präsident von Swiss Life, Bruno Gehrig, an der Jubiläumsfeier, sagte.

Alles funktionierte im Low-Cost-Verfahren: Zum Beispiel wurde die Prämie bezahlt, indem man am Postschalter eine Briefmarke auf eine Markenkarte aufklebte.

Mathilde Pfenniger stellte in ihrer Abteilung ausschliesslich Frauen an, wegen dem sozialen Charakter der "Volksversicherung". Das entsprach dem damaligen Rollenverständnis.

1894 hatte sie mit vier Angestellten begonnen. Als Mathilde Pfenniger 1937 mit 68 Jahren in den Ruhestand trat, zählte die Abteilung mehr als 130 Frauen.

Geliebte von Kurt Tucholsky



Noch eine zweite unorthodoxe Frau prägte die Rentenanstalt: Hedwig Müller aus Langenthal. Sie trat 1928 als Gesellschaftsärztin ein und blieb es während 30 Jahren.

Damals wie heute ist wenig bekannt, dass sie die Geliebte und Muse des bekannten, deutsch-jüdischen Schriftstellers Kurt Tucholsky war. Er stand auf den schwarzen Listen der Nazis. Hedwig Müller organisierte und tarnte seinen Brief- und Geldverkehr vor Deutschlands Spionen.

Swiss Life als Schweizer Nr. 1

150 Jahre nach der Gründung sind aus einer Handvoll Mitarbeiter des ursprünglichen Zürcher Kontors inzwischen 9000 international tätige Mitarbeitende geworden.

Auch im Vorsorgebereich "haben wir in der Schweiz den Rückstand längst wettgemacht", sagt Bruno Gehrig. Heute spiele die Schweiz in der obersten Liga mit – auch im europäischen Vergleich.

Mit knapp 30% des Schweizerischen Lebensgeschäfts gilt Swiss Life als in der Schweiz marktführend, vor (Axa) Winterthur mit rund 26% und Zurich mit 11%.

Das Geschäft mit der Vorsorge

Swiss Life ist als Lebensversicherer ein umfassendes Vorsorgeunternehmen: Längst geht es nicht mehr nur um Einzelversicherungen. Fast drei Viertel des Umsatzes fallen auf das Kollektivgeschäft: Sammelstiftungen, Unternehmens-Pensionskassen, um die 2. Säule (Berufliche Vorsorge).

Anders als für die Banken gehört es sich für die Versicherer nicht, zu hohe Gewinne zu machen. Denn im Geschäft mit der Altersvorsorge ist sehr viel "zwangserspartes" Geld im Spiel, Lohnprozente, die obligatorisch abgezogen werden.

Das Geschäftsgebaren der Lebensversicherer ruft denn auch regelmässig Politiker aufs Tapet, die ihnen eine zu hohe Rendite auf dem in der 2. Säule gebundenen Kapital vorwerfen.

Umgekehrt werden - zum Beispiel in börsenschwachen Perioden - aber auch zu tiefe Renditen kritisiert, weil sie die Versicherten verunsichern.

Schmerzhafte Korrekturen und neuer Name für Neuanfang

Eine noch wichtigere Rolle spielt die Rendite seit 1997, als aus der ehemaligen Genossenschaft eine börsenkotierte Aktiengesellschaft geworden ist. Zu jener Zeit war die Allfinanz-Strategie im Finanzsektor sehr populär.

Auch Swiss Life kaufte mehrere Finanz-Unternehmen für Milliardenbeträge ein.
Aus dem Versicherer wurde in wenigen Jahren ein riesiges Finanzkonglomerat. Doch ein guter Versicherer ist nicht zwangsläufig auch ein guter Anlageberater.

2002 kam es zu schmerzhaften Korrekturen und einem Aktien-Umtausch. 2003 trennte sich das Unternehmen von seinem alten Namen "Rentenanstalt" und zeigte sich 2004 vereinfacht im neuem Erscheinungsbild von "Swiss Life".

swissinfo, Alexander Künzle

Fakten

Swiss Life in der Schweiz:

59 Generalagenturen
Mehr als 800 Vorsorge-Beratende
Zusammenarbeit mit Maklern, Banken und unabhängigen Vermögensberatern
Über eine Million Menschen als Kunden
34% des Prämienvolumens der Gruppe entfällt auf die Schweiz
4290 von rund 9000 Mitarbeitenden sind in der Schweiz tätig

Verbuchte Bruttoprämien, weltweit (2007, 1. Halbjahr) 13,95 Mrd. Fr.
kontrolliertes Vermögen 205'609 Mio. Fr.

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Lebensversicherung

Vorläufer der heutigen Lebensversicherung gab es bereits im alten Rom: Dort übernahmen 'Beerdigungsvereine' die Bestattungskosten ihrer Mitglieder.

Die erste Lebensversicherung, die mit versicherungsmathematischen Beiträgen (Altersabhängigkeit) operierte, war 1762 die Society for Equitable Assurances on Lives and Survivorships in London.

In Deutschland folgten dann im 19. Jahrhundert die 'Sterbekassen'.

Oft spielen bei Lebensversicherungen auch Steuer(spar)argumente eine grosse Rolle (Abzug vom Einkommen, Amortisation des Eigenheims).

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Arten von Lebensversicherungen

Gemischte Versicherung: Kombination von Alters- und Hinterlassenen-Vorsorge (Spar- und Todesfallrisiko).

Todesfall: Auszahlung, wenn der Versicherte vor Ablauf der Versicherungsdauer stirbt.

Altersrente ('Leibrenten'): Anstelle eines Alterskapitals kann eine Altersrente versichert werden, die dem Versicherten ein lebenslanges Einkommen in vereinbarter Höhe garantiert.

Erwerbsausfall-Renten: Bei länger dauernder Erwerbsunfähigkeit werden Kranken- oder Unfalltaggelder nur während einer bestimmten Zeit ausbezahlt.

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