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Swiss noch nicht bei "Oneworld" angekommen

Walter Bosch, Swiss-Vizepräsident.

(swiss.com)

Die Schweizer Airline Swiss wird kritisiert. Sie habe British Airways zuviel Zugeständnisse gemacht, um der "Oneworld"-Allianz beitreten zu können.

Doch Swiss-Verwaltungsrat Walter Bosch verteidigt den Deal. Im Interview mit swissinfo sagt er, Swiss sei dabei, den Turnoraound zu schaffen.

Walter Bosch ist nach dem Abgang von CEO André Dosé zur rechten Hand von Swiss-Verwaltungsrats-Präsident Pieter Bouw geworden, der zugleich vorübergehend als CEO waltet.

In seiner Aufgabe als Swiss-Vizepräsident hilft Bosch die Fluglinie auf Kurs zu halten. Gleichzeitig wird ein neuer Chef gesucht.

Noch immer "verbrennt" die Swiss grosse Summen – zwischenzeitlich waren es gegen zwei Millionen Schweizer Franken pro Tag gewesen.

Die Swiss ist seit ihrer Gründung vor zwei Jahren damit beschäftigt, Personal abzubauen, die Flotte zu reduzieren und die Anzahl der Destinationen zu verringern.

Im vergangenen September unterzeichnete die Fluglinie ein erstes Abkommen mit British Airways, um der Allianz "Oneworld" beizutreten. Zur Allianz gehören auch Qantas, Cathay Pacific und American Airlines. Gleichzeitig unterzeichneten Swiss und BA einen Vertrag zur "strategischen Zusammenarbeit"

Swiss, die sich lange bemühte, einer Allianz beizutreten, feierte den Anschluss an "Oneworld" als "Wendepunkt" in der Firmengeschichte.

Marktbeobachter allerdings sind der Meinung, die Swiss habe den Beitritt zu "Oneworld" zu teuer erkauft. Man habe wertvolle Landerechte, so genannte Slots, im Londoner Flughafen Heathrow an BA abtreten müssen, als Absicherung für einen dringend benötigten Kredit von 50 Mio. Franken.

swissinfo: Swiss ist im vergangenen Jahr der "Oneworld" beigetreten. Allerdings dauern die Verhandlungen immer noch an. Was verzögert die Vollmitgliedschaft?

Walter Bosch: Sie sprechen hier von zwei unterschiedlichen Dingen: Da ist einmal die "Oneworld" Allianz und dann die strategische Zusammenarbeit mit British Airways (BA). Diese beiden Dinge gehören zwar zusammen, sind aber nicht identisch.

Zur Zeit arbeiten wir am Beitritt zu "Oneworld", dazu ergaben sich Probleme bei der Zusammenarbeit mit BA, und zwar auf technischer wie unternehmerischer Ebene.

Zuerst einmal die technische Seite. Die Vielflieger-Programme der Swiss und BA sind sehr komplexe Gebilde. Sie unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach. Es braucht mehr Zeit als ursprünglich angenommen.

Auch herrschen etliche Missverständnisse darüber, was wir geben und was wir erhalten. Wir wollen natürlich nicht unsere Kundenkartei weggeben und dafür nichts erhalten.

Darüber wird zu Zeit verhandelt und wir stellen fest, dass die Vielflieger-Programme der beiden Firmen sehr unterschiedlich sind. So hat BA zum Beispiel nur 200 Vielflieger in ihrem Topsegment. Wir dagegen führen da 1200 beste Kunden. Nun müssen wir eine Lösung finden, ohne unseren Kundenstamm zu vergraulen.

swissinfo: Etliche Analysten haben kritisiert, die Swiss habe den Beitritt zu "Oneworld" zu teuer erkauft. Beispielsweise habe man den Briten Landeslots quasi als Pfand abgetreten. Musste die Swiss einseitige Zugeständnisse machen?

W.B.: Nein. Für mich ergeben sich für beide Seiten Vorteile. Es ist nun halt eine Tatsache, dass wir im ganzen Deal der kleinere Teil sind und wir müssen unsere Interessen verteidigen.

Doch grundsätzlich bin ich der Meinung, dass diese strategische Zusammenarbeit mit BA eine gute Sache ist. Ich bin sicher, wir werden die Probleme lösen, denn unsere Ziele wollen wir nicht ändern.

swissinfo: Am Dienstag hat Swiss bekannt geben, dass die Sitzauslastung im ersten Quartal 2004 - im Vergleich zur Vorjahresperiode - erneut besser geworden sei. Kann man aber tatsächlich von Verbesserung reden, wenn im gleichen Zeitraum auch die Flugzeugflotte verkleinert wurde?

W.B.: Der Monat März war der bislang der beste Monat punkto Sitzauslastung, und wir sind weiter zuversichtlich. Ich bin sicher, dass bald der Monat kommt, in dem wir schwarze Zahlen schreiben werden und damit den Turnaround geschafft haben.

Wir haben turbulente Zeiten hinter uns. Ein Drittel der Belegschaft – sprich 3000 Mitarbeiter - musste abgebaut werden. Dieser ganze Prozess war sehr hart, ist nun aber abgeschlossen. Dazu mussten wir die Flotte verkleinern und die Zahl der Destinationen verringern.

Ich denke, wir haben nun ein nachhaltiges Geschäftsmodell und der "Businessplan" funktioniert. Deshalb bin ich überzeugt, den Turnaround bald zu schaffen.

swissinfo: Und wann genau soll das sein?

W.B.: Im Fluggeschäft sind die ersten drei Monate im Jahr immer die härtesten. Ich glaube, dass in diesem Zeitraum praktisch alle Fluglinien der Welt Geld verlieren. Doch für das zweite Quartal – ich denke an Mai und Juni - sind die Vorzeichen positiv.

swissinfo: Diese Woche hat Premium Air, eine neue Schweizer Fluglinie, angekündigt, das lukrative Segment der Geschäftsreisen zwischen der EU und den USA zu bedienen. Beunruhigt sie diese neue Konkurrenz?

W.B.: Bislang habe ich nur davon gehört. So lange die angesprochene Fluggesellschaft nicht tatsächlich den Betrieb aufgenommen hat, müssen wir uns keine Sorgen machen.

Auch denke ich, dass wir heute trotz harter Konkurrenz eine starke Stellung auf dem Transatlantik-Markt haben. So bin ich nicht wirklich besorgt über einen zusätzlichen Konkurrenten.

swissinfo: Die deutsche Lufthansa hat in letzter Zeit deutlich gemacht, dass sie Anteile am Markt Schweiz zugewinnen will. Auch sie will der Swiss Geschäftsreisende "abjagen".

W.B.: Tja, es ist natürlich nicht angenehm, eine Fluggesellschaft zu haben, die so nahe am Schweizer Markt ist und versucht, Fluggäste abzuwerben. Auf der andern Seite ist es nicht billig, Marktanteile zuzugewinnen.

Lufthansa muss sich demnach Gedanken darüber machen, wie viel Geld sie in das Unterfangen investieren will und wie gross das Potenzial überhaupt ist. Dann müssen sie die Kosten-Nutzen-Rechnung anstellen.

Da sind dem Markt Grenzen gesetzt, denke ich, und wir sind mit der Swiss gut vorbereitet, um zurückzuschlagen.

swissinfo: Wie weit gediehen sind die Verhandlungen mit den Banken über den benötigten Betriebskredit für die Swiss?

W.B.: Hier haben wir die immer wiederkehrende alte Frage und ich kann Ihnen nur die alte Antwort darauf geben: Wir verhandeln, aber noch ist kein Abschluss in Sicht.

Die Sache ist komplex, doch denke ich, dass wir letztlich zu einem erfolgreichen Abschluss kommen werden.

Anmerken möchte ich noch, dass die Frage nicht mehr ganz so dringend ist, wie noch im letzten Herbst. Damals war die Liquidität der Swiss tatsächlich sehr tief.

Deshalb stehen wir heute nicht mehr unter dem selben Druck wie damals und sind zuversichtlich, mit den eigenen Finanzmitteln länger auskommen zu können.

swissinfo-Interview: Isobel Leybold


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