Swissair-Countdown läuft

Die Konturen der neuen Schweizer Luftfahrt-Gesellschaft sind noch immer unscharf. Keystone

Wirtschaft und Bund haben am Wochenende intensiv über die Finanzierung einer neuen Airline verhandelt. Ein definitiver Entscheid soll am Montag fallen.

Dieser Inhalt wurde am 21. Oktober 2001 - 18:08 publiziert

Die Verhandlungen vom Wochenende hätten zwar Fortschritte gebracht, doch gebe es weiterhin offene Fragen, sagte Daniel Eckmann, Kommunikationschef des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD), am Sonntag. Namentlich die definitive Zusammensetzung der Finanzierung sei noch unklar.

Alle Beteiligten würden mit Hochdruck an einer Lösung für die neue Airline arbeiten, sagte Eckmann weiter. Die Delegationen von Bundesrat, Grossbanken, Wirtschaft und des Kantons Zürich seien bestrebt, eine neue Airline zu realisieren.

Modell 26/26 favorisiert

Die Arbeiten orientieren sich an jener Variante, nach der die Crossair je 26 Lang- und Kurzstrecken-Flugzeuge von der Swissair übernehmen soll. Dabei würde ein Stellenabbau von 9'400 Personen weltweit und 4'100 in der Schweiz erfolgen. Eine mittlere Variante habe ökonomisch keinen Sinn, sagte Crossair-Sprecher Manfred Winkler.

Enormer Finanzbedarf

In den vergangenen Tagen wurde generell mit einem Finanzbedarf von rund 4,5 Mrd. Franken für die neue Airline nach der Variante 26/26 gerechnet. Der Bund sollte dabei einen Anteil von etwa 2 Mrd. Franken übernehmen. Eine Milliarde alleine, um die Langstrecken-Flüge der Swissair bis Ende März aufrecht zu erhalten.

Schätzungsweise 940 Mio. Franken sind nötig, um die neue Airline in die Luft zu bringen. 450 Mio. Franken hatte der Bund bereits à fonds perdu nach dem Grounding der Swissair Anfang Oktober eingeschossen. Für die flugverwandten Betriebe müssten laut Schätzungen rund 500 Mio. Franken aufgebracht werden.

Im Rahmen ihres Neustarts will die Crossair ihre Eigenmittel von bislang 450 Mio. Franken auf 2,2 Mrd. Franken aufstocken. Die Grossbanken übernehmen dabei 350 Mio. Franken. Bei der restlichen Aufstockung dürfte die Privatwirtschaft den Löwenanteil übernehmen.

Gemäss Angaben aus dem Business Plan, welche die "SonntagsZeitung" in ihrer jüngsten Ausgabe veröffentlicht hat, rechnet die Crossair-Führung damit, dass die neue Airline bereits 2003 schwarze Zahlen schreiben wird.

Umfrage 1: Mehrheit für Bundesgelder

Im Auftrag der "Tagesschau" von Schweizer Fernsehen DRS und der "SonntagsZeitung" führte das Meinungsforschungs-Institut Isopublic eine repräsentative Umfrage durch, welche in der Bevölkerung die Akzeptanz einer Bundes-Beteiligung an der neuen Schweizer Airline klären sollte.

Laut Umfrage befürworten 62% der 1'000 befragten Stimmberechtigten eine finanzielle Beteiligung des Bundes. 39% sagten vorbehaltlos ja. 23% machten den Vorbehalt, dass sich auch die Wirtschaft beteiligen müsse. Ein Drittel der Befragten lehnt weitere Bundesgelder ab. 5% äusserten keine Meinung.

Umfrage 2: Stern der FDP sinkt

Das Swissair-Debakel beeinflusst auch die politische Stimmung in der Schweiz: Die Sozialdemokratische Partei (SP) und die Schweizerische Volkspartei (SVP) überholen die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) in der Wählergunst. Dies zeigt eine Umfrage des "SonntagsBlick". Damit hat die FDP ihren Spitzenplatz eingebüsst, den sie mit 24% bei der letzten Umfrage im Juli erstmals seit zehn Jahren einnehmen konnte.

Je 22% der Wählerinnen und Wähler hätten laut Umfrage ihre Stimme der SP oder der SVP gegeben, wenn am Sonntag Nationalrats-Wahlen gewesen wären. Auf die FDP entfielen 20,5% und auf die CVP noch 16% der Stimmen.

Für Politberater Iwan Rickenbacher ist für den FDP-Rückgang erstens die Rolle der Partei bei der Swissair-Krise verantwortlich. So profitierte gerade die SP von der zunehmenden Skepsis der Wähler gegenüber Privatisierungs-Bestrebungen.

Zweitens hat die FDP laut Rickenbacher aber auch mit Personal-Problemen zu kämpfen: "Die FDP muss einen Generationenwechsel verkraften und steht vor einem Strukturwandel."

swissinfo und Agenturen

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