Swissair-Debakel: Imageschaden für die Schweiz?

Die Swissair stellte am Dienstag ihren Flugbetrieb ein. Keystone

Hat durch die Bruchlandung der Swissair die Schweiz als Ganze an Vertrauenswürdigkeit eingebüsst und damit das Image des Landes Schaden genommen? Ja, befürchten die Bundesräte Leuenberger und Couchepin. Nein, sagt der Tourismus-Experte Thomas Bieger.

Dieser Inhalt wurde am 02. Oktober 2001 - 23:14 publiziert

Vor einigen Jahren, während eines Kongresses der Ausland-Schweizer in Frankreich, sagte ein Diplomat: "Es ist wahr, wir gelten als langsam, ein wenig altmodisch, aber insgesamt sehr sympathisch." Und: Von der Schweiz habe man im Ausland das Bild eines sauberen, aufrichtigen und zuverlässigen Landes.

In der Zwischenzeit ist das positive Bild der Schweiz unter Druck geraten. Die Debatten um die nachrichtenlosen Konti sowie die ambivalente Rolle, welche die Schweiz während des Zweiten Weltkrieges spielte, brachten der Schweiz international negative Schlagzeilen ein.

Zusammen mit Nestlé war die Swissair eine jener Firmen, welche weltweit bekannt war und direkt mit der Schweiz assoziiert wurde. Die Airline mit dem weissen Kreuz gab ein tadelloses Bild ab - von sich und seinem Heimatland: qualitativ hochstehend, sicher, pünktlich, sauber.

Leuenberger und Couchepin pessimistisch

Durch die jähe Bruchlandung, welche die Swissair am Dienstag erlitt, wurde nicht nur die Luftfahrt-Gesellschaft sondern auch die Schweiz als Ganze getroffen. Dieser Auffassung ist Bundespräsident Moritz Leuenberger. Er sagte am Dienstag im Bundeshaus in Bern, ein kontinuierlicher Betrieb der Swissair bis zur Übernahme durch die Crossair hätte im grössten Interesse der Wirtschaft und des Images der Schweiz gelegen.

Ähnlich äusserte sich auch Wirtschafts-Minister Pascal Couchepin: Die jähe Einstellung des Flugbetriebs der Swissair habe dem Image der Schweiz mit Sicherheit geschadet.

Der Schaden der Swissair trifft auch die Schweiz

"Wenn der Name der Swissair bechädigt ist, dann ist auch die Schweiz beschädigt." Dies sagte der Kommunikations-Berater Klaus Stoelker gegenüber swissinfo. "Die Schweiz hatte in den vergangenen Tagen in den Medien nur negative Schlagzeilen gemacht."

Die Konsequenzen, welche der Schweiz nun drohten, seien heftig: "Die Schweiz hat viel an Glaubwürdigkeit verloren, die sie brauchen würde." Die Crossair könne nun nicht einfach an die Stelle der Swissair treten. "Crossair ist eine ausgezeichnete europäische Marke. Sie muss sich aber noch verbessern. Nur wenige Europäer kennen die Crossair - diejenigen, welche mit ihr fliegen."

Keine langfristigen Folgen für den Tourismus in der Schweiz

Der Tourismus in der Schweiz wird infolge des Swissair-Debakels langfristig kaum in Mitleidenschaft gezogen. Dies sagte Thomas Bieger, Leiter des Instituts für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus an der Universität St.Gallen gegenüber swissinfo: "Die Airline ist kein wichtiger Motivationsfaktor für einen Gast, ein Land zu besuchen."

Gute Flugverbindungen seien jedoch insofern entscheidend, als diese die Touristenströme lenkten. "Wenn man, um in ein Land zu gelangen, umsteigen muss, wird dieses als Tourismus-Destination unattraktiv."

Die Bruchlandung der Swissair werde im Ausland einige Aufmerksamkeit erregen. "Es ist ein nationales Symbol betroffen. Ich gehe aber davon aus, dass - ähnlich wie sonst bei Airline-Konkursen - das Debakel der Swissair schnell in Vergessenheit gerät." Ein Imageverlust für die Schweiz sei nicht zu erwarten.

swissinfo

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