Swissair im Kreuzfeuer der Kritik

Nicht nur vom AOM-Personal unter Beschuss: Swissair wird auch von Unternehmerseite heftig kritisiert. Keystone

Nach dem Konkursantrag der französischen Fluggesellschaften AOM/Air Liberté vom Freitag (16.06.) haben sich die Hauptaktionäre Marine-Wendel und Swissair die Verantwortung für das Debakel zugeschoben. Das Gerichtsverfahren wird am Dienstag (19.06.) eröffnet.

Dieser Inhalt wurde am 17. Juni 2001 - 16:56 publiziert

Ernest-Antoine Seillière, Chef der Finanzgesellschaft Marine-Wendel und französischer Arbeitgeberpräsident, warf der Swissair und dem französischen Transportminister Jean-Claude Gayssot vor, das Debakel bei AOM/Air Liberté provoziert und beschleunigt zu haben. An einer Pressekonferenz bezeichnete er das Vorgehen der Swissair als "einer grossen Gesellschaft unwürdig".

Swissair kontert Vorwürfe

Die Swissair Group, die 49,5 Prozent an AOM/Air Liberté besitzt, wies die Vorwürfe von Marine Wendel, der mit einem Anteil von 50,5 Prozent zweiten Hauptaktionärin, als "unbegründet" zurück. "Marine-Wendel hat alle strategischen Entscheidungen mitgetragen und AOM/Air Liberté zusammen mit der Swissair geführt", sagte Swissair-Sprecher Siro Barino. Die Finanzgesellschaft habe über ihre Tochter Tatibout Antibes immerhin drei von sieben Verwaltungsratssitzen inne gehabt, die Swissair dagegen nur zwei.

Barino rief in Erinnerung, dass die Swissair sich bereit erklärt hatte, 2 Mrd. französische Francs (rund 480 Mio. Fr.) für eine Restrukturierung der Fluggesellschaften zu zahlen. Diese sei gescheitert, weil sich Marine-Wendel geweigert habe, ihrerseits mit 1 Mrd. französischen Francs für die Sanierung aufzukommen.

Transportminister Gayssot bezeichnete die Geschäftsführung der Haptaktionäre in einer Stellungnahme als "desaströs". Beide hätten mehr ihre eigenen Interessen verfolgt als diejenigen des Unternehmens.

Gericht sucht Lösung

Das Handelsgericht von Créteil wird voraussichtlich am Dienstag (19.06.) das Konkursverfahren eröffnen und einen juristischen Verwalter ernennen. Dieser wird prüfen, ob die Gesellschaften überleben können. Auch kann er entscheiden, ob die Schulden ganz oder nur teilweise zurückgezahlt werden müssen. Das Gericht kann zudem einen Käufer für die Gesellschaft suchen.

Ein Bankrott von AOM/Air Liberté würde die Hauptaktionäre nach Angaben von Transportminister Gayssot gegen 6 Mrd. französische Francs (rund 1,43 Mrd. Fr.) kosten. Die Swissair hat für ihre Verpflichtungen aus Airline-Beteiligungen bislang Rückstellungen von 2,4 Mrd. Franken vorgenommen.

Eine Übernahme der Gesellschaften ist weiterhin nicht ausgeschlossen. Weiterhin ihr Interesse signalisiert haben die britische Billigfluglinie EasyJet und die britische Beratergruppe AITI Holding.

Weniger Flüge

Bis Ende Juni seien Flüge von AOM/Air Liberté gesichert, teilten die Fluggesellschaften am Samstag (16.06.) mit. Allerdings kündigten sie Einschränkungen bei bestimmten Flügen von Orly nach Genf, Nizza, Toulouse, Toulon und Perpignan an. Bereits am Samstag sind nach Angaben von Swissair-Sprecher Barino in Genf vier von sechs AOM/Air Liberté-Flügen gestrichen worden.

Neue Lösungen für Sabena gesucht

Auch für die belgische Sabena sucht die Swissair nach neuen Lösungen. Am Montag (18.06.) werde der Verwaltungsrat einen Businessplan und eine Strategie zur Rettung des Unternehmens diskutieren, bestätigte Barino.

swissinfo und Agenturen

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