Swisscom bestätigt Interesse an Eircom

Swisscom interessiert sich für den ehemaligen irischen Festnetz-Monopolisten Eircom. Keystone

Swisscom, der führende Telekom-Operator in der Schweiz, hat Berichte bestätigt, wonach Übernahme-Gespräche mit der irischen Eircom stattfinden.

Dieser Inhalt wurde am 09. November 2005 - 10:32 publiziert

Swisscom hält jedoch fest, dass eine Übernahme-Offerte für das irische Telekom-Unternehmen noch keine ausgemachte Sache sei.

Bereits seit zwei Wochen kursierten Gerüchte, wonach Swisscom den irischen Ex-Monopolisten übernehmen wolle. Anfang November soll Swisscom-Chef Jens Alder bei Eircom vorgesprochen haben.

Noch vor einigen Tagen wollte sich Swisscom nicht dazu äussern. In der neuesten Mitteilung gibt sich Swisscom noch vorsichtig und spricht von "Diskussionen mit Eircom im Zusammenhang mit einer möglichen Transaktion".

Swisscom: schlechte Erfahrungen gemacht

Es sei keinesfalls sicher, dass sie eine Übernahme-Offerte vorlegen werde, teilte Swisscom am Mittwoch mit. Über weitere Details will das Unternehmen zu gegebener Zeit informieren. Denn dem Schweizer Telekom-Unternehmen gelangen in letzter Zeit weder die Übernahme von Telekom Austria noch jene von Cesky Telecom.

Sicher ist jedoch, dass es sich beim irischen Telekom-Unternehmen Eircom um ein Übernahme-Objekt handelt. Erst vergangene Woche bestätigte der ehemalige Monopolist, ein unverbindliches Angebot erhalten zu haben.

Indikativer Übernahmepreis soll bereits feststehen

Am Dienstag hatte die Agentur Reuters erfahren, dass ein indikativer Übernahmepreis von etwas über 2,40 Euro pro Eircom-Aktie vereinbart worden sei. Damit würde die Übernahme mit 2,6 Mrd. Euro bewertet.

An der Börse in Dublin ist Eircom zur Zeit etwas über 4 Mrd. Franken wert, ein Preis, der laut Analysten zu einem guten Teil auf Übernahme-Phantasien beruht.

Gleichzeitig seien die Bücher von Eircom für eine Prüfung (Due Diligence) geöffnet worden.

Eircom – ähnlich wie Swisscom

Eircom verfügte wie die Schweizer Swisscom früher über das Monopol auf dem nationalen Festnetzmarkt und hält immer noch einen Marktanteil von drei Viertel.

Im heimischen Mobiltelefonmarkt jedoch liegt Eircom auf Rang 3 aller Anbieter. Seine Sparte Mobilfunk, Eircell, hatte Eircom bereits vor Jahren an die englische Vodafone verkauft.

Diesen Falschentscheid wollte Eircom diesen Sommer korrigieren. Sie kaufte Meteor, einen anderen Mobilfunk-Anbieter, für eine halbe Milliarde Dollar.

Analysten sind wenig begeistert

Analysten und Marktexperten zeigten sich schon beim Aufkommen erster Gerüchte wenig begeistert. Der Sprung nach Irland wäre teuer erkauft. Zum Kaufpreis müssten vermutlich Schulden von zusätzlich zwei Mrd. Euro übernommen werden, wie ein ZKB-Analyst errechnete.

"Aus strategischer Sicht macht eine Übernahme von Eircom wenig Sinn", urteilt Panagiotis Spiliopoulos von der Bank Vontobel. "Doch dies gilt für fast alle gegenwärtigen Telekom-Akteure in Europa."

"Bei Austria Telekom oder Cesky Telecom wären die Wachstums-Aussichten viel grösser gewesen als bei Eircom."

Eircom kostete im Frühling 2004 noch die Hälfte

Eircom zeige ähnliche Voraussetzungen wie Swisscom selbst, meint der Vontobel-Analyst: Das Festnetz-Geschäft unter Druck, die Mobilfunk-Märkte bereits von anderen Operatoren stark durchdrungen, und deshalb mit wenig Aussicht auf Synergien.

Noch im Frühling 2004 wäre Eircom viel billiger gewesen. Damals war der Aktienkurs nur halb so hoch wie heute. In sechs Jahren hat Eircom dreimal den Besitzer gewechselt, nachdem die irische Regierung den Monopolisten 1999 an die Börse gebracht hatte.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Swisscom ist immer sehr interessiert, sobald ein anderer Telekom-Konzern zum Verkauf steht.

Denn Swisscom hat eine gefüllte "Kriegskasse", keine Schulden, aber im Inland keine Expansions-Möglichkeiten mehr.

Der Aufkaufkandidat muss deshalb keine hohe Rendite abwerfen.

Swisscom versuchte bereits, Telekom Austria und Cesky Telecom zu kaufen. Doch beide Avancen sind gescheitert.

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Fakten

Der Umsatz des ehemaligen irischen Telekom-Monopolunternehmens betrug 2004 beinahe 2,5 Mrd. Franken.
Da Eircom viele Schulden hat, ergab sich nach Abzug von Zins- und Restrukturierungs-Kosten und Amortisationen ein Verlust von rund 160 Mio. Franken.
Eircom zählt knapp 7300 Mitarbeitende.
Der Umsatz von Swisscom betrug rund 10 Mrd., der Gewinn 1,6 Mrd. Franken.

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