Externer Inhalt

Den folgenden Inhalt übernehmen wir von externen Partnern. Wir können nicht garantieren, dass dieser Inhalt barrierefrei dargestellt wird.

(Ergänzt um weitere Aussagen von Unternehmen und Konsumtenschützern sowie um Hintergrund)
Zürich (awp) - Die Telekomkonzerne Swisscom, Sunrise und Orange haben sich auf eine Senkung der Mobilfunkterminierungsgebühren um bis zu 50% geeinigt, wie sie am Donnerstag mitteilten. Diese Gebühren stellt ein Anbieter der Konkurrenz für die Durchstellung eines Anrufs in sein Netz in Rechnung. Auch mit den Festnetzanbietern VTX und Verizon hat sich der "Blaue Riese" verständigt. Was das für die Endkunden bedeutet, muss sich zeigen.
Swisscom will die Preise für Privat- und Geschäftskunden anpassen. Die künftigen Tarife würden derzeit erarbeitet, hiess es. Zu Details wollte sich Swisscom-Sprecher Carsten Roetz vorerst nicht äussern. Der Trend zu generell tieferen Preisen werde sich in der Branche fortsetzen, die zukünftige Marktdynamik könne der Konzern aber nicht vorhersehen, erklärte er auf Anfrage von AWP.
Sunrise will nach Bekunden von Sprecherin Natasja Sommer alles daran setzen, auch künftig günstige Angebote zu lancieren. Tarifanpassungen wegen der Mobilfunkterminierungsgebühren seien nicht zu erwarten. Orange spricht von einem "Nullsummenspiel" aus Erträgen und Kosten. Ein direkter Einfluss der Gebühren auf die Endkundenpreise sei so nicht gegeben, erklärte Sprecherin Therese Wenger.
KEIN EINGREIFEN DER COMCOM
Ein Einschreiten der Regulierungsbehörde und ein möglicher langwieriger Streit vor Gericht sind mit der Vereinbarung vorerst abgewendet. VTX hatte Swisscom im Februar 2010 bei der Eidg. Kommunikationskommission ComCom eingeklagt, eine Senkung der Mobilfunkterminierungsgebühren verlangt und so den Stein ins Rollen gebracht.
Swisscom verrechnet den anderen Anbietern per 1. Oktober 8 Rappen pro Minute statt bisher 14 Rappen. Am 1. Januar 2011 erfolgt eine weitere Senkung der Gebühr auf 7 Rappen. Sunrise und Orange reduzieren die Gebühren von heute 17 Rappen auf 10 Rappen und per 1. Januar 2011 auf 8,75 Rappen, wie sie erklärten.
Dies entspricht einer Anpassung auf das europäische Niveau. In der EU zahlen die Schweden mit knapp über 4 Rappen pro Minute im Schnitt am wenigsten und die Belgier mit rund 10 Rappen am meisten, wie aus Zahlen der Swisscom hervorgeht. Vor 10 Jahren lagen die Terminierungsgebühren in der Schweiz noch zwischen 35 und 46 Rappen pro Minute.
ENDKUNDENPREISE IM BLICK
Die Stiftung für Konsumentenschutz und der Internetvergleichsdienst Comparis fordern nun, die tieferen Terminierungsgebühren an die Kunden weitergeben. In der Vergangenheit hätten die Anbieter ihre hohen Tarife für Anrufe in Fremdnetze ja auch mit den hohen Gebühren begründet, betont Telekom-Experte Ralf Beyeler in einer Mitteilung von Comparis.
Begünstigt von der Massnahnme sind vor allem Festnetzanbieter - sie zahlen weniger Gebühren für die Weiterleitung ins Mobilfunknetz, müssen aber selbst nicht auf Einnahmen verzichten. Entsprechend gelten Preissenkungen für die Endkunden - wenn überhaupt - hier als am wahrscheinlichsten.
Dass sich die Unternehmen am Verhandlungstisch einigen konnten, nimmt Forderungen nach mehr Regulierung im Mobilfunk nicht automatisch den Wind aus den Segeln. Die Stiftung für Konsumentenschutz bleibt vielmehr dabei: Es brauche eine Revision des Fernmeldegesetzes, um dort Preissenkungen verfügen zu können. Auch die Handytarife müssten auf europäisches Niveau sinken, erklärte Geschäftsleiterin Sara Stalder.
UMSATZEINBUSSEN FÜR SWISSCOM
Die Vereinbarung reduziert den Swisscom-Umsatz auf Jahresbasis um rund 80 Mio CHF. Da auch die Kosten sinken, ergebe sich praktisch keine Auswirkung auf das Betriebsergebnis (EBITDA), hiess es. Die finanziellen Prognosen von Swisscom für das Geschäftsjahr 2010 bleiben unverändert.
Auch die Nummer zwei am Mobilfunkmarkt rechnet mit Einbussen. Die Einigung werde zu einer Reduktion der Einnahmen und des Gewinns führen, teilte Sunrise mit. Orange machte auf Anfrage keine Angaben zu den erwarteten finanziellen Folgen. Positiv sei, dass die Gebühren-Asymmetrie von 25% beibehalten wurde. Die kleinen Anbieter verrechnen Swisscom mehr, als der Marktführer von ihnen verlangt und begründen dies mit höheren Kosten wegen der geringeren Kundenbasis.
Analysten werten die Neuigkeit für Swisscom als positiv. Die Lösung verhindere ein unter Umständen langwieriges Verfahren mit entsprechenden Rückstellungen und sei zu guten Konditionen zustande gekommen, schreibt die ZKB. An der Börse stehen die Telekom-Valoren dennoch unter Druck und verlieren am frühen Nachmittag in einem freundlichen Umfeld 1,6% auf 391,40 CHF.
cc/ps

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

???source_awp???