Externer Inhalt

Den folgenden Inhalt übernehmen wir von externen Partnern. Wir können nicht garantieren, dass dieser Inhalt barrierefrei dargestellt wird.

(Meldung durchgehend ergänzt und ausgebaut)
Zürich (awp/sda) - Drei Jahre nach dem Kauf der Mehrheit will die Swisscom ihre italienische Tochter Fastweb ganz schlucken. Für die restlichen Anteile von knapp 18% bietet der "Blaue Riese" den verbliebenen Aktionären einen Kaufpreis von insgesamt 256 Mio EUR. Damit will sich der Konzern für Akquisitionen in Italien rüsten.
Durch den Kauf gewinne die Swisscom die vollständige Kontrolle über den Mailänder Breitbandanbieter und somit an Flexibilität für mögliche Konsolidierungsschritte in Italien, sagte Sprecher Carsten Roetz am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Zwar sei derzeit noch kein konkretes Übernahmeziel in Sicht, aber der Telekommarkt in Italien sei gegenwärtig in Bewegung.
So hat der russische Telekomkonzern VimpelCom ein Auge auf den italienischen Mobilfunkbetreiber Wind geworfen. Die Kaufverhandlungen mit Wind-Besitzer Orascom seien im Gange, hatte VimpelCom letzte Woche bestätigt.
An Fastweb besitzt die Swisscom bereits über 82% und bietet nun den verbliebenen Aktionären 18 EUR je Aktie in bar. Um den Verkauf schmackhaft zu machen, greift die Swisscom in die Tasche: Das Angebot ist um gut ein Drittel höher als der Schlusskurs des Vortages.
Dabei hatten bereits vergangene Woche Übernahmespekulationen den Fastweb-Kurs nach oben getrieben. So legte die Aktie am 1. September satte um 18% auf 13,30 EUR zu. Im Vergleich zum Kurs vor den Gerüchten liegt die Offerte gar 60% höher.
Dennoch kommen die Aktionäre massiv schlechter weg als jene, die in den Genuss des ersten Kaufangebots der Swisscom kamen. Bei seinem Einstieg im Frühling 2007 legte der "Blaue Riese" 47 EUR je Fastweb-Titel auf den Tisch. Für die 82% der Aktien inklusive Fastweb-Schulden machte die Swisscom 6,9 Mrd CHF locker.
Damals boomte die Wirtschaft, die Aktienmärkte befanden sich auf dem Höhenflug, die Finanzkrise war noch weit weg. Es sei eine ganz andere Zeit gewesen, sagte Roetz. Um Fastweb habe es Übernahmefantasien gegeben. Der Kaufpreis von 47 EUR habe auf dem Businessplan basiert. Und diesen habe Fastweb immer erfüllt.
Seit der Übernahme ist der Mailänder Breitbandanbieter kräftig gewachsen. Der Umsatz kletterte von 1,26 Mrd EUR im Jahre 2006 auf 1,85 Mrd EUR im vergangenen Jahr. Unter dem Strich stand aber 2009 ein Verlust von 34 Mio EUR.
Seit diesem Frühling bereitet Fastweb Sorgen: Denn das Unternehmen steht in Italien zusammen mit der Telecom-Italia-Tochter Sparkle wegen einer Betrugs- und Geldwäscheaffäre im Visier der Justiz. Sparkle und Fastweb haben alle Vorwürfe zurückgewiesen. Das Gerichtsverfahren gegen Fastweb-Gründer Silvio Scaglia und 35 weitere Angeklagte beginnt am 2. November.
Gegen den abgesetzten Fastweb-Chef Stefano Parisi liefen zwar Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, aber es sei bis jetzt keine Anklage erhoben worden, sagte Roetz: Wenn sich bestätige, dass er nicht in die Affäre verwickelt sei, wolle man Parisi wieder ins Amt einsetzen.
Ziel der Swisscom sei es, sämtliche Minderheitsanteile an Fastweb zu übernehmen und das Unternehmen von der Mailänder Börse zurückzuziehen. Das Angebot komme zu Stande, wenn der Swisscom mindestens 95% der Fastweb-Aktien angedient würden, hiess es. Die Angebotsfrist beginne, sobald die italienische Börsenaufsicht Consob grünes Licht gegeben habe.
Der Zeitpunkt für die Offerte sei geschickt gewählt, urteilten Analysten. Einerseits habe der Fastweb-Kurs durch die Turbulenzen um die Mehrwertsteuer- und Betrugsaffäre in Italien stark gelitten. Andererseits sei der EUR-Kurs auf einem historischem Tiefststand, was die Übernahme in Schweizer CHF günstiger werden lasse.
Der Kaufpreis von umgerechnet 330 Mio CHF werde aus eigenen Mitteln oder über bestehende Kreditlinien finanziert, teilte die Swisscom mit. Der Konzern werde trotzdem im Jahr 2011 eine Dividende von mindestens 20 CHF pro Aktie auszahlen.
Die Dividende dürfte allerdings tiefer ausfallen als erwartet, befürchteten Analysten: Dies sei der einzige Wermutstropfen des Kaufangebots. Zudem bestehe immer noch das Risiko einer Abschreibung auf dem Goodwill von 2,6 Mrd CHF aus der Fastweb-Übernahme von 2007.
An der Schweizer Börse stagnierte die Swisscom-Aktie praktisch bei 397,80 CHF. Die Fastweb-Aktie schoss dagegen in Mailand um ein Drittel auf 17,90 EUR nach oben.
cc

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

???source_awp???