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Syngenta wendet sich der Biotechnologie zu

Reisfelder als Kampfzone zwischen der Agrochemie und den NGOs. (Syngenta)

(Syngenta)

Bei der Entwicklung von biotechnologischen Anwendungen für die Landwirtschaft gehört der Schweizer Agrochemie-Konzern Syngenta zur Weltspitze.

Doch der Anspruch, sie bekämpfe mit ihren Produkten den Hunger und verbessere die Volksgesundheit, wird der Firma sogar im eigenen Land streitig gemacht.

Entstanden aus der Fusion des Agrargeschäfts von Novartis und Astra-Zeneca hat sich Syngenta hat sich in den fünf Jahren ihres Bestehens kräftig entwickelt. Die Firma ist heute marktführend beim Pflanzenschutz und belegt im kommerziellen Saatgutgeschäft den dritten Platz.

Eine junge Frau, die bei Syngenta eine Lehre absolviert, sorgte kürzlich mit der Entwicklung einer gegen Kraut- und Knollenfäule resistenten Superkartoffel für Schlagzeilen. Diese Krankheit hatte in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts die grosse Hungersnot in Irland verursacht.

Allerdings handelt es sich bei der neuen Pflanze um das Resultat einer traditionellen Kreuzung von zwei

verschiedenen Kartoffelsorten. Syngenta liebäugelt dagegen zunehmend mit den Vorteilen der neuen Biotechnologie, um seine Ertragslage zu verbessern.

Das Unternehmen ist überzeugt, dass genmanipulierte Organismen (GMO) den Bauern, der verarbeitenden Industrie und den Kunden grosse Vorteile bieten und die Landwirtschaft nachhaltiger gestalten können.

Misstrauen

Die stärkste Opposition erwächst Syngenta allerdings im eigenen Land. In der Schweiz erlitt die landwirtschaftliche Gentechnologie 2005 einen empfindlichen Rückschlag, als die Stimmberechtigten ein Moratorium

gegen die Verwendung von GMOs in der Landwirtschaft guthiessen, obschon Forscher, Wirtschaftskapitäne und Regierungsvertreter für den Fall einer Annahme den Verlust von Arbeitsplätzen voraussagten.

Die Sicherheit von GMO-Freilandversuchen ist heiss umstritten und die Konsumenten zeigten bisher wenig interesse am Kauf von Produkten, die genmanipuliertes Material enthalten.

Dem Anspruch der Unternehmen der Agrochemie, GMO-Pflanzen seien die schnittigste Waffe im weltweiten Kampf gegen den Hunger, weil sie krankheitsresistenter sind als normale Pflanzen, wird ebenfalls mit Misstrauen begegnet.

Nicht-Regierungsorganisationen wie Greenpeace sind der Meinung, der Kampf gegen den Hunger erfordere nicht primär eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion, sondern in erster Linie einen verbesserten Zugang aller zu vorhandenen Nahrungsmitteln und bessere soziale Bedingungen in den Entwicklungsländern.

Hans Rudolf Herren, Schweizer Landwirtschaftsspezialist und Direktor des Millennium Instituts in Washington, ist auch dieser Meinung.

"Wir müssen erst abklären, ob für diese neuen Pflanzensorten überhaupt ein Bedarf besteht", erklärte er im Gespräch mit swissinfo. "Die wirklichen Sachzwänge liegen anderswo,

bei der Bodenfruchtbarkeit und den Strukturen der landwirtschaftlichen Systeme."

Nicht-Regierungsorganisationen werfen Unternehmen wie Syngenta vor, sie seien an der Gentechnologie nur interessiert, um ihre Erträge zu steigern und weil sie hofften, auf dem Markt für konventionelles und genmanipuliertes Saatgut ein Monopol errichten zu können.

Monopol-Patente verhindern

Clement Tolusso von Greenpeace Schweiz meint, Syngenta dürfe ruhig Geschäfte treiben, doch gelte es zu verhindern, dass das Unternehmen auf dem Umweg über Patente auf Leben den Markt unter ihre Kontrolle bringe.

"Syngenta unternimmt derzeit alles, um in ihrem Geschäftsbereich die grösste Anzahl von Patenten zu haben," sagt Tolusso.

Das Unternehmen weist diese Vorwürfe zurück. "Syngenta ist ein überzeugter Verfechter von marktwirtschaftlichem Wettbewerb und besitzt kein einziges Patent, das dem Unternehmen ein Monopol verschaffen könnte", beteuert Unternehmenssprecher Guy Wolff gegenüber swissinfo.

"Goldener Reis"

Als wichtigstes Nahrungsmittel für mehr als der Hälfte der Menschheit, ist der Reis nach Ansicht von NGOs für Gentechnologen und Patentanwälte von besonders grossem Interesse. Syngenta hat

mindestens einem ihrer Projekte einen humanitären Anstrich zu geben vermocht. Sie testet eine Reissorte, die an der ETH in Zürich entwickelt wurde.

Dieser "Goldene Reis" enthält Beta-Karotin, das vom Körper in Vitamin A umgewandelt wird, und steigert den Eisengehalt. In Asien, wo meist Reis gegessen wird, sind Vitamin A- und Eisenmangel ein grosses Problem.

Diese Stoffe kommen vor allem in tierischen Produkten, Früchten und Gemüsen vor, und diese sind für die Ärmsten unerschwinglich.

Mangel führt zu Anämie, Verlust der Sehkraft und einer Schwächung des Immunsystems und trägt zur hohen Sterbe- und Krankheitsrate bei.

Laut dem humanitären Vorstand von "Golden Rice" soll das Projekt jährlich 500'000 Kinder vor Blindheit bewahren. Für Tolusso ist dies weitgehend unerwiesen. "Gemäss Richtwerten der FAO müsste man täglich 9 Kilo Goldenen Reis essen, um einen messbaren Gesundheitsvorteil zu erfahren", sagt er.

Syngenta meint, die Kritiker sollten zumindest etwas Geduld haben. "Wir werden die Vorteile dieser Reisart erst wirklich kennen, wenn er zum allgemeinen Konsum bereit steht," sagt Wolff. "Die bisherigen Forschungsresultate sind immerhin ermutigend."

swissinfo, Scott Capper (Übertragung aus dem Englischen: Dieter Kuhn)

Fakten

Syngenta hatte 2005 einen Verkaufsumsatz von 8.1 Mia Dollar
Der Nettogewinn betrug 779 Mio Dollar
Syngenta investierte 822 Mio Dollar in Forschung und Entwicklung
Syngenta hat weltweit 19'000 Angestellte, davon 4000 in Forschung und Entwicklung

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In Kürze

Genmanipulation ist ein Eingriff in die genetische Struktur eines bestimmten Organismus, z. B. einer Pflanze, mit dem Ziel, deren Eigenschaften oder Verhalten zu verändern.

In der Landwirtschaft wird dieser Prozess dazu verwendet, Nutzpflanzen ertragreicher, nahrhafter, krankheits- und pestresistent zu machen und allenfalls ihre Verarbeitungseigenschaften zu verbessern.

Genmanipulierte Sorten von Baumwolle, Mais und Soya werden bereits in 21 Ländern, darunter China, Indien, Südafrika und Brazilien, auf einer Gesamtanbaufläche von rund 90 Mio Hektaren angebaut, was etwa 22 Mal der Fläche der Schweiz entspricht.

Doch vielerorts bestehen weiterhin Bedenken über die möglichen Auswirkungen von genmanipulierten Pflanzen auf die Gesundheit der Konsumenten und die Umwelt.

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