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Tabakindustrie: Erfolgreiches Lobbying in der Schweiz

Gezieltes Lobbying der Tabakindustrie soll zum Scheitern der beiden Initiativen für ein Werbeverbot von Tabak und Alkohol beigetragen haben. Keystone

Die Tabakindustrie in der Schweiz untergräbt laut eines WHO-Berichts die Gesundheitspolitik. Die Macht der Tabaklobby werde unterschätzt und die Gesetze seien nur schwach. Jährlich sterben in der Schweiz 10'000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.

Dieser Inhalt wurde am 11. Januar 2001 - 07:18 publiziert

Der rund 130-seitige Bericht wurde im Auftrag der WHO von zwei Experten der Universität von San Francisco verfasst und am Donnerstag (11.01.) veröffentlicht. Zwar habe die Schweiz eines der innovativsten Programme zur Gesundheits-Förderung, doch unterschätzten die meisten Leute des Gesundheitswesens die Macht der Tabakindustrie.

Die Gesetze, welche die Tabakprodukte sowie deren Marketing und Verkauf regulierten, seien zudem schwach und hätten wenig praktischen Einfluss auf die Tabakindustrie. Diese handle sehr strategisch und langfristig. Im Bericht wird den Behörden geraten, ähnliche Strategien zu entwickeln und beispielsweise professionelle Lobbyisten anzustellen.

Verhinderung des Tabak-Werbeverbots

Der Bericht erwähnt zahlreiche Beispiele, die den Einfluss der Tabakindustrie aufgezeigen. So sei beispielsweise eine Allianz von Tabakindustrie und Werbefirmen verantwortlich für die Niederlage von Initiativen für ein Werbeverbot von Tabak und Alkohol in den Jahren 1993 und 1979. Das Scheitern dieser Initiativen ist kein Zufall: Drei grosse multinationale Tabakfirmen haben ihren Sitz in der Schweiz.

Diese hätten grosse Anstrengungen unternommen, um eine effiziente Anti-Tabak-Politik zu verhindern. Die Beziehungen zwischen der Tabakindustrie, Politikern und Behördenmitgliedern seien gezielt aufgebaut und gepflegt worden. Es seien Versammlungen mit Parteivertretern und zahlreiche Briefings des Komitees Pro Tabak im Parlament durchgeführt worden, hält der Bericht fest.

BAG nicht überrascht

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zeigte sich nicht überrascht über die Ergebnisse des Berichtes. Man sei sich sehr wohl bewusst über die Stellung der Tabakindustrie, sagte Vizedirektor Ueli Locher. Die Prozesse in den USA gegen die Tabakkonzerne hätten die Augen geöffnet. Zudem hatte die WHO bereits im vergangenen August in der von einer Expertengruppe unter der Führung von BAG-Direktor Thomas Zeltner verfassten Studie mehreren grossen Tabakkonzernen das gezielte Untergraben ihrer Gesundheits-Programme vorgeworfen. Locher räumte ein, dass die Gesetze in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern schwach seien.

In der Schweiz sterben jährlich über 10'000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Dies entspricht laut Bericht rund einem Sechstel aller Todesfälle. Damit nehme das Rauchen die führende Ursache der vermeidbaren Todesfälle in der Schweiz ein. Diese Zahl sei 20 Mal höher als die Zahl der Todesfälle durch illegale Drogen.

swissinfo und Agenturen

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