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TAGESÜBERSICHT WIRTSCHAFT

Dieser Inhalt wurde am 08. Oktober 2009 - 17:40 publiziert

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 8. Oktober 2009
BEZIEHUNGEN GEKNÜPFT: Die Basis für eine stärkere wirtschaftliche Bindung mit Japan ist laut Bundesrätin Doris Leuthard gelegt: Nun sei es an der Schweizer Geschäftswelt, das neue Freihandelsabkommen zu nutzen, sagte Leuthard nach Abschluss ihres Besuchs im ostasiatischen Land. Die mitgekommenen Manager und Unternehmer aus der Schweiz hätten Gelegenheit gehabt, Beziehungen zur japanischen Wirtschaft zu knüpfen - nun gelte es, sie zu pflegen. Die Bundesrätin traf sich auch mit einigen Ministern der neuen japanischen Regierung. Sie habe Aufbruchstimmung gespürt, erklärte Leuthard. Allzu konkret hätten sie sich ihr gegenüber aber nicht geäussert, etwa auf die Frage, wann das japanische Parlament das neue Doppelbesteuerungsabkommen mit der Schweiz unterzeichnen wird. Leuthard trifft am Freitag in Seoul mit der südkoreanischen Regierung zusammen. Der Taifun vor der japanischen Küste vermochte das Reiseprogramm der Bundesrätin nicht durcheinander zu wirbeln.
LEHREN GEZOGEN: Dass die Finanzkrise die Welt nicht in eine grosse Depression gerissen hat, ist nach Ansicht des Wirtschaftshistorikers Tobias Straumann den Lehren aus den 1930er-Jahren zu verdanken. Die Behörden hätten ihre Lektion gelernt, die Banken indes nicht. Historische Lehren hielten bei Unternehmen in der Regel solange wie die Wirtschaftskapitäne, die die entsprechenden Erfahrungen gemacht hätten, noch am Ruder seien. Danach gingen sie verloren, sagte der Privatdozent der Universität Zürich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Die Staaten sollten vor dem Hintergrund der 30er-Jahre "lieber zu viele Schulden machen". Ob das zu einer grossen Inflation führe, werde man noch sehen. Japan habe in den 1990er-Jahren auch eine sehr expansive Geldpolitik gemacht und nie Inflation bekommen.
MEHR LOHN: Schweizer Unternehmen erhöhen Löhne nächstes Jahr voraussichtlich um 1,9 Prozent, wie eine Umfrage des Beratungsunternehmens Hewitt bei 130 Unternehmen zeigt. Damit sei die Schweiz im europäischen Vergleich das Schlusslicht. Im deutschsprachigen Raum hat gemäss der Untersuchung Österreich die Nase vorn, wo die Löhne um 2,7 Prozent steigen. Dahinter folgt Deutschland mit einem Plus von 2,5 Prozent. Wird die erwartete Teuerung berücksichtigt, steigen die Löhne in der Schweiz um 1,5 Prozent. Schlechter fallen die Erhöhungen der Reallöhne nur in der Türkei aus.
SWIFT IM THURGAU: Ende 2011 soll ein neues SWIFT-Rechenzentrum im thurgauischen Diessenhofen seinen Betrieb aufnehmen. Wie Stadtammann Walter Sommer gegenüber dem Schaffhauser "Radio Munot" ausführte soll mit dem Bau des Bankenrechenzentrums Mitte 2010 begonnen werden. Das Zentrum kommt gemäss Sommer im Untergrund zu liegen, um die Daten optimal vor Anschlägen zu schützen. Bringen wird es anfänglich 60, später maximal 100 neue Arbeitsplätze, weshalb es Sommer als "Glücksfall für Diessenhofen" bezeichnete. Ursprünglich wollte die SWIFT mit dem neuen Schweizer Rechenzentrum vermeiden, europäische Daten zum Zahlungsverkehr weiterhin über das Zentrum in den USA spiegeln zu müssen. Ende Juli 2009 beschloss die EU aber, US-Terrorfahndern weiterhin einen Zugriff auf europäische Kontodaten zu ermöglichen.
EINNAHMENRÜCKGANG BEI FIRMENICH: Der Genfer Aromen- und Riechstoffe-Hersteller Firmenich entkommt der Krise nicht. Der Jahresumsatz (per Ende Juni) sank in Lokalwährungen um 4,3 Prozent auf 2,64 Mrd. Franken. Dabei habe vor allem die Parfümeriesparte gelitten, während die für den täglichen Gebrauch bestimmten Konsumgüter den Umsatz gestützt hätten. Firmenich ist auf dem Weltmarkt bei Aromen und Riechstoffen hinter Givaudan die Nummer zwei. Das Unternehmen beschäftigt 5600 Personen.
BUSSE: Die Sanktionskommission der Schweizer Börse SIX hat die niederländische Handelsfirma Flow Traders mit 20'000 Franken gebüsst. Nicht registrierte Mitarbeiter der Firma hätten verbotenerweise die Identifizierungsnummer von registrierten Händlern benutzt, begründete die SIX Exchange Regulation ihren Entscheid. Neben der Busse wurden Flow Traders auch die Verfahrenskosten von 8'500 Fr. auferlegt.
SCHARIA-KONFORME RÜCKVERSICHERUNGEN: Swiss Re hat von der Bank Negara Malaysia eine Lizenz für Rückversicherungsgeschäfte nach den Bestimmungen islamischen Rechts erhalten. Das Retakaful genannte System enthält gemäss der Scharia, dem islamischen Gesetz, zum Beispiel ein Verbot von Zinsen und Spekulation. Die Geschäfte würden von der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur aus geführt, teilte Swiss Re mit. Retakaful zeichnet sich dadurch aus, dass die Beteiligten gemeinsam und freiwillig Risiken und Verluste tragen und basiert auf gegenseitigem Beistand und freiwilligen Zuwendungen unter den Anspruchsgruppen.
NOCH KEINE ZINSWENDE DER EZB: Trotz der allmählichen Konjunkturerholung bleibt der Leitzins im Euro-Raum unverändert auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent. Das entschied die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Ratssitzung in Venedig. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet versicherte erneut, dass die Währungshüter zu gegebener Zeit an der Zinsschraube drehen werden, um zu verhindern, dass ihre Krisenpolitik des billigen Geldes zu einem Anstieg der Teuerung führt. Ökonomen gehen davon aus, dass der Leitzins bis mindestens Mitte 2010 auf dem aktuellen Niveau verharrt. Die EZB hatte den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft wegen der Finanzkrise seit Oktober 2008 in mehreren Schritten um insgesamt 3,25 Prozentpunkte gesenkt, zuletzt im Mai.
REKORDDEFIZIT: Die USA werden im Haushaltsjahr 2008/09 voraussichtlich ein Defizit in Rekordhöhe verzeichnen. Wie aus einer Schätzung des Haushaltsbüros beim Kongress (CBO) hervorgeht, kletterte das Defizit auf 1,409 Bio. Dollar. Der Fehlbetrag in dem Ende September zu Ende gegangenen Budgetjahr belief sich damit auf 9,9 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) der USA - ein Wert, der seit 1945 nicht mehr erreicht wurde. 2007/208 hatte das Defizit nur 3,2 Prozent des BIP betragen.
ACKERMANN ENTLASTET: In der Spitzelaffäre der Deutschen Bank müssen Konzernchef Josef Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig kein Strafverfahren fürchten. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt lehnte die Einleitung von Ermittlungen gegen die oberste Führungsriege der Bank ab. Gleichwohl hat die vor rund einem halben Jahr bekanntgewordene Ausspähung eines kritischen Aktionärs nach Auffassung der Strafverfolger vermutlich gegen den Datenschutz verstossen. Ermittelt wird deswegen aber nur gegen die unmittelbar daran Beteiligten und deren Auftraggeber. Damit rückt unter anderem die beauftragte Detektei ins Visier der Strafverfolger.
PHARMAMARKT WÄCHST UNGEBROCHEN: Der US-Branchendienst IMS Health erwartet für die globale Pharmabranche im kommenden Jahr dank der besseren Aussichten in den USA ein Wachstum von 4 bis 6 Prozent auf 825 Mrd. Dollar. 2013 könnte der weltweite Pharmamarkt ein Volumen von 975 Mrd. Dollar erreichen, wie IMS Health mitteilte. Bis 2013 rechnet das in der Branche vielbeachtete Institut mit einem jährlichen Wachstum von 4 bis 7 Prozent.
ELEKTRO-SMART AUS LOTHRINGEN: Das erste in Kleinserie herstellte Elektro-Fahrzeug des Daimler-Konzerns läuft in Frankreich vom Band. Der zweisitzige Elektro-Smart soll im Werk in Hambach gebaut werden. Die Kleinwagen mit Lithium-Ionen-Batterie werden ab 2012 in Grossserie vom Band laufen, teilte der Konzern anlässlich eines Besuchs des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy in der lothringischen Stadt mit. Eine Kleinserie von 1000 Einheiten des Smart fortwo starte bereits in diesem November.
PEPSICO ERFREUT: Gut laufende Geschäfte mit Snacks und Softdrinks haben den Gewinn beim US-Getränkekonzern PepsiCo überraschend stark sprudeln lassen. Der Nettogewinn stieg im dritten Quartal auf 1,72 Mrd. Dollar nach 1,58 Mrd. Dollar vor Jahresfrist. Der Umsatz ging um 1,5 Prozent zurück auf 11,08 Milliarden Dollar, wie der Coca-Cola-Rivale mitteilte.

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