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Tanzend an der Zukunft bauen

Albanische Studierende üben sich im zeitgenössischen Tanz.

(swissinfo.ch)

Seit 1999 ist die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia auch in Albanien aktiv. Zur Zeit - nebst vielem anderen - mit einem Tanzprojekt.

"Etwas sanfter bitte, nicht so hart abrollen.....si, si, così è meglio, yes that's much better...." So tönt es im Moment und wird es auch in den nächsten Tagen im Übungsraum der Kunstakademie in Tirana tönen, wenn Christiane Loch und Silvano Mozzini der Zürcher Tanzgruppe "Carambole" mit 9 Studierenden und einer Schauspielerin ihr neues Projekt einstudieren.

Die Fortschritte, welche die Studenten seit ihrer ersten gemeinsamen Produktion gemacht hätten, seien enorm, vor allem was Disziplin, Konzentration und Zuverlässigkeit betreffe, sagte Mozzini gegenüber swissino: "Vor zwei Jahren kamen sie häufig zu spät oder gar nicht. Diesmal merken wir, dass sie motiviert sind."

Ein gegenseitiger Austausch

Laut Christine Loch haben die Tänzerinnen und Tänzer eine gute Ausbildung im Volkstanz und im klassischen Tanz. "Sie haben aber keine Ahnung von Tanztheater oder zeitgenössischem Tanz. Das macht es nicht immer einfach." Das Zürcher Choreographen-Duo hatte bereits vor zwei Jahren mit den gleichen Leuten ein Stück eingeübt. Damals ging es um Transition, um Übergang, ein aktuelles Thema in diesem Land. Die neue Produktion soll eine Fortsetzung sein.

Silvano Mozzini: "Wir lassen uns inspirieren von Gesprächen, lesen über Kultur und Geschichte. Backsteine werden eine Rolle spielen, Bauen an der Zukunft und die Geister der Vergangenheit. Es gibt Leute, die etwas aufbauen wollen in diesem Lande."

Die Produktion soll im November in Tirana uraufgeführt werden. Ein Teil wird schon im September am internationalen Theater-Festival in Butrint gezeigt. Später soll das Stück auch in die Schweiz kommen.

Exodus

Das Leben für junge Leute, auch für Kulturschaffende in Albanien ist schwierig. "Es herrscht Perspektivlosigkeit. Die Zukunft sieht im Moment schwarz aus", so der 38jährige Gjergi Prevazi, Theater- und Tanzpädagoge in Tirana. "Fast alle wollen auswandern."

Ina, eine 20 Jahre alte Tanzstudentin, bezeichnet das Leben in Albanien als miserabel. "Hier ist zwar meine Welt, aber vielleicht muss ich weg. Wenn ich hier kein Engagement, keinen Job finde, gehe ich wie viele andere nach Italien oder nach Griechenland oder sonst wohin."

Gegenseitiges Interesse fördern

"Wir betreiben nicht kulturelle Entwicklungshilfe, sondern Entwicklungszusammenarbeit. Wir geben und nehmen. Wir wollen auch versuchen, albanische Kultur in die Schweiz zu bringen. Denn Albanien ist noch immer ein weisser Fleck im Bewusstsein der Schweizer Bevölkerung", sagt Christian Zindel, Archäologe und Leiter von Pro Helvetia Tirana.

Kulturförderung ausserhalb Tiranas

Die Arbeit ausserhalb der Hauptstadt sei äusserst schwierig, sagt Zindel. "Dort haben wir es vor allem mit Folklore zu tun. In Tirana können wir eine starke Verwestlichung der Kultur feststellen. Erschwerend ist auch, dass die Künstler, die sich ausbilden lassen, nach Tirana an die Kunstakademie kommen und meistens dann nicht mehr in ihren Heimatort zurückkehren."

Ab und zu auftanken

Auch der Pro Helvetia-Leiter, der Albanien seit 1988 kennt, findet das Leben hier hart. Die Perspektivlosigkeit, die politische Lage, all das nage an einem. "Wenn ich nicht von Zeit zu Zeit in die Schweiz zurückkehre, werde ich von den albanischen Viren, wie Korruption und Aufweichung der Moral-Standards, infiziert. Es ist aber nicht so, dass ich nicht hier leben will, ich lebe gerne hier."

Gaby Ochsenbein, Tirana

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