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TCS will Fussgänger ohne Temporeduktion schützen

Der Fussgängerstreifen ist laut TCS keine Sicherheitszone.

(Keystone)

Auf den Schweizer Strassen verunfallen im europäischen Vergleich überdurchschnittlich viele Fussgänger tödlich. Dies besagt eine neue Studie. Bei den zu ergreifenden Massnahmen sind sich die Verkehrsverbände nicht in allen Punkten einig.

Im Jahr 2006 wurden in der Schweiz insgesamt 370 Verkehrstote gezählt – davon war jeder fünfte ein Fussgänger.

Fussgänger leben gefährlich - auch auf dem Zebrastreifen sind sie alles andere als sicher: Von allen Verkehrstoten sind 5,4 Prozent auf Fussgängerstreifen verunglückt.

Dies geht aus einer vom Touring Club Schweiz (TCS) mitfinanzierten Studie hervor, die in 15 europäischen Ländern durchgeführt wurde.

Damit schneide die Schweiz schlecht ab, teilte der TCS am Sonntag mit.

Handlungsbedarf auf Zebrastreifen

Gemäss der Studie liegt die Schweiz mit einem Anteil der Fussgänger an der Gesamtzahl der Verkehrstoten von 20,5% deutlich über dem europäischen Mittelwert von 14,6%. Schlechter schneidet nur Grossbritannien ab (21,3%). Dänemark (19,6%) steht nach der Schweiz an dritter Stelle.

Auch bei den auf dem Zebrastreifen tödlich verunfallten Fussgängern liegt die Schweiz über dem europäischen Mittel von 2,3%. Auf eine Million Einwohner entspricht dies in der Schweiz 2,7 Menschen.

Diese Zahlen zeigten, dass in der Schweiz beim Schutz der Fussgänger auf Zebrastreifen Handlungsbedarf herrsche, heisst es beim TCS weiter.

Es sei wichtig, sich über die Gestaltung von Fussgängerstreifen Gedanken zu machen. Unerlässlich sei namentlich die gute Sichtbarkeit bei Tag und Nacht.

Der TCS setzt neben Präventionsmassnahmen und Strafen für die Übertretung von entsprechenden Verkehrsregeln aber auch auf eine solide Verkehrserziehung: "Es braucht mehr Aufklärung, der Fussgängerstreifen ist nicht automatisch eine Sicherheitszone", sagt TCS-Pressesprecher Stephan Müller.

Potenzial bei Tempolimite

Der Verkehrsclub Schweiz (VCS) sieht das Potenzial, um Leben zu schützen, noch woanders. "Die wirkungsvollste Massnahme, um schwache Verkehrsteilnehmer zu schützen, ist eine Geschwindigkeitsreduktion", sagt Christine Steinmann, Projektleiterin Verkehrssicherheit beim VCS.

"Gerade bei Schulen, Heimen, Tram- und Bushaltestellen oder auch in Ortszentren." Bei geringerer Geschwindigkeit würden Unfälle für Fussgänger weniger häufig tödlich enden.

Für den TCS ist eine generelle Geschwindigkeitsreduktion jedoch kein Thema: "Das bringt nichts", sagt Stephan Müller. "Es braucht einfach mehr Disziplin und Vorsicht, sowohl von den Fussgängern auch als von den Autofahrern."

Es sei zu einseitig, einfach nur gegen die Automobilisten zu schiessen. "Die Fussgänger können nicht einfach über den Zebrastreifen 'latschen'." Tempo 30 bringe nicht mehr Sicherheit, denn es werde schlecht beachtet.

"Schuld meist bei Autofahrern"

Steinmann glaubt nicht, dass Schweizer Autofahrer aggressiver unterwegs sind als in anderen Ländern. "Aber in den meisten Fällen ist der Autofahrer Schuld, wenn ein Fussgänger getötet wird. Sei es, weil er zu schnell unterwegs war, das Vortrittsrecht missachtete oder abgelenkt wurde."

Für den VCS zeigt die Studie, dass die Fussgänger in der Schweiz und in anderen Ländern nach wie vor gefährdet sind. "Aus unserer Sicht ist die Studie jedoch zu allgemein gefasst. Wenn man die einzelnen Faktoren detailliert anschauen würde, stünde die Schweiz weniger schlecht da", sagt Steinmann.

Zwei Drittel der in der Schweiz tödlich verunfallten Fussgänger sind Senioren. Gemäss Steinmann müsste man deshalb die Altersstruktur in den untersuchten Ländern in die Studie miteinbeziehen.

Auch die Frage, wie häufig ein Mensch auf der Strasse unterwegs sei, spiele eine wichtige Rolle. In der Schweiz legen Fussgänger pro Tag durchschnittlich 1,5 Kilometer zurück.

"Froh um Unterstützung"

Wie will der TCS die Zahl der Verkehrsopfer schützen, die neben dem Zebrastreifen verunglücken? "Das kann ich im Moment nicht sagen. Bei der grossen Dichte an Fussgängerstreifen geht man ja normalerweise nicht ohne Fussgängerstreifen über die Strasse", so Müller.

Und was hält der TCS vom Fussgängervortritt? Der TCS sei nicht gegen das Vortrittsrecht der Fussgänger und verlange auch keine Gesetzesänderung, aber genaure Regelungen seien nötig, sagt Müller.

Trotz einiger Meinungsverschiedenheiten freut sich der VCS über das Engagement des TCS. "Wir sind froh, wenn uns der TCS darin unterstützt, die schwachen Verkehrsteilnehmer zu schützen. Das war bis anhin nicht unbedingt das Schwerpunktthema vom TCS", sagt Steinmann.

swissinfo, Corinne Buchser

Verkehrsunfälle

In der Schweiz sind im Jahr 2006 insgesamt 370 Menschen im Strassenverkehr gestorben.

Gegenüber dem Jahr 2000 entspricht dies einem Rückgang um 37,5%.

Auch die Zahl der Menschen, die auf einem Fussgängerstreifen getötet wurden, ging im selben Zeitraum deutlich (58,3%) auf 20 zurück.

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Via Sicura

Mit dem Programm "Via sicura" (sichere Strasse) will der Bundesrat mit rund 60 Massnahmen eine weitere markante Verbesserung der Sicherheit auf den Strassen erreichen.

Das Paket steht derzeit noch im Konsultations-Verfahren.

Zu den Massnahmen gehören insbesondere gezieltere Kampagnen, Verkehrserziehung auf allen Schulstufen, die Erhöhung der Velohelmtragquote und die Sanierung von Unfallschwerpunkten und Gefahrenstellen.

Autofahrer sollen alle zehn Jahre obligatorisch einen eintägigen Wiederholungskurs absolvieren müssen.

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