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Terrainverlust beim Franken

Der Franken spielte als Emissions-Währung in den 70-er und 80er Jahren eine grosse Rolle.

(Keystone)

Der Schweizer Franken hat in den letzten Jahren als internationale Anlage- und Emissions-Währung an Bedeutung verloren.

Um die Emissions-Währung Schweizer Franken ist es laut Niklaus Blattner, Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB), in den letzten Jahren ruhiger geworden. Nach einem Maximalwert von 20% 1980 sei der Anteil am Weltmarkt kontinuierlich gesunken und habe in der ersten Hälfte 2001 noch 1% der Neu-Emissionen betragen.

Wachsende Konkurrenz

Dem Schweizer Franken (CHF), der in der Emissions-Statistik internationaler Anleihen von 1988 bis heute vom dritten auf den fünften Rang abgerutscht sei, erwachse nicht nur Konkurrenz aus den Hauptwährungen, sondern neu auch aus ostasiatischen Währungen, sagte Blattner.

Die Gründe dafür seien mannigfaltig. Die ausländische Konkurrenz hole auf, die Liquidität im Euro-Segment sei stark gewachsen, die Diskussion um das Bankgeheimnis und die erwartete Einführung einer Zahlstellensteuer auf Zinserträgen belasteten das Geschäft.

Auf dem Prüfstand

Hinzu komme das Verankerungsprinzip als Ursache für eine verpasste Entwicklung eines CHF-Eurobondmarktes. Dieses Prinzip besagt, dass das federführende Institut einer CHF-Emission seinen Sitz in der Schweiz haben muss.

Die SNB hatte das Verankerungsprinzip 1993 aus geldpolitischen Gründen eingeführt. Derzeit überlege sich die Nationalbank, ob sie dieses Prinzip wieder aufheben solle. Wunder dürften von einem solchen Schritt jedoch nicht erwartet werden.

Franken bleibt attraktiv

Der Finanzplatz London sei im Emissions-Geschäft mittlerweile zu einer Art "Selbstläufer" geworden, und der Euro sei und bleibe attraktiv. Das bedeute, dass das Emissions-Geschäft kaum in grossem Umfang in die Schweiz zurückzuholen sein werde.

Unabhängig von Verankerungsprinzip und Zahlstellensteuer dürfte der Schweizer Franken nicht ausgespielt haben, sagte Blattner weiter. Je mehr Alternativ-Währungen wegfielen, desto bedeutsamer sei die Funktion des Frankens als Diversifikations-Instrument.

Keine Anbindung des Frankens an den Euro

Eine Anbindung des Schweizer Frankens an den Euro ist nach Ansicht Blattners nicht zu verantworten. Die Schweiz verlöre nämlich ihren Zinsbonus. Tiefe Zinsen seien für eine Volkswirtschaft ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Die Konsequenzen einer permanenten Zinserhöhung wären dagegen vielschichtig und überwiegend unerwünscht.

Der Zinsschock würde die Konjunktur belasten. Wegen des Produktions-Rückgangs kämen die Löhne unter Druck. Da Lohnsenkungen jedoch nur schwer durchzusetzen seien, dürften eine Rezession, sinkende Beschäftigung und höhere Arbeitslosigkeit die Folge sein.

Langfristig am wichtigsten wären aber wohl die Folgen für die Preisstabilität, so Blattner weiter. Die SNB müsste bei einer Anbindung des Frankens an den Euro auf ihre geldpolitische Autonomie verzichten.

Die Inflationsrate der Schweiz würde sich jener im Euroraum anpassen. Dadurch würde der in der ersten Zeit nach dem Regimewechsel der Geldpolitik erwartete Anstieg der Realzinsen zwar wieder vermindert, doch die besondere Stabilität des Schweizer Frankens wäre eliminiert.

Garantie und finanztechnische Gängigkeit

Emissions-Währungen müssen Währungen sein, die eine gewisse Garantie, Stabilität und vor allem eine finanz-technische Gängigkeit für den Handel aufweisen. In den 70er und zu Beginn der 80er Jahren spielte der Franken eine grosse Rolle als Emissions-Währung: Deshalb sprach man viel vom "Finanzfranken". Dies war und ist auch einer der Gründe für die ständige Tendenz des Frankens zur Überbewertung.

Die Gefahr des Finanzfrankens liegt auf der Hand: Eine Währung, die sich von der Entwicklung der Volkswirtschaft im eigenen Land derart entfernt, dass sie sie nicht mehr spiegelt. Das funktioniert für die Grossmacht USA und ihrer globalen Währung, dem Dollar, aber nicht für die kleine Schweiz.

Aus der Sicht des Werkplatzes Schweiz sollte deshalb der Umstand, dass der Franken seinen Status als Emissions-Währung einbüsst, positiv eingeschätzt werden. Andererseits verliert ein Finanzplatz, dessen Währung kaum noch für Emissionen benutzt wird, ein Atout. Was nicht sein muss, wenn man London betrachtet: Dort läuft alles in Euro ab, während Grossbritannien immer noch an seinem Pfund festhält.

swissinfo und Agenturen


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