Terrorgelder: Schweiz spielte keine zentrale Rolle

Bundesanwalt Valentin Roschacher (r) und Jean Luc Vez, stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Polizei informieren über die laufenden Ermittlungen. Keystone

Die Schweiz hat in der logistischen Vorbereitung der Terroranschläge vom 11. September in den USA keine Rolle gespielt. Diese Einschätzung gab die Bundesanwaltschaft am Dienstag bekannt. Einer der Attentäter weilte jedoch am 8. Juli im Flughafen Zürich.

Dieser Inhalt wurde am 02. Oktober 2001 - 15:25 publiziert

Die Schweizer "Task Force Terror USA" war wenige Stunden nach den Anschlägen in New York und Washington gebildet worden. An einer Medienkonferenz im Bundeshaus gab Bundesanwalt Valentin Roschacher jetzt Einblick in den Ermittlungsstand. Bei der Vorbereitung der Anschläge sei keine Verbindung mit der Schweiz festgestellt worden.

Taschenmesser gekauft

Eine Ausnahme von dieser Erkenntnis bildet der Transit eines der Attentäter über den Flughafen Zürich-Kloten am 8. Juli. Der Ägypter Mohamad Atta traf am Morgen dieses Tages von Miami kommend in Zürich ein und reiste am Mittag nach Madrid weiter.

Während seines Aufenthaltes im Flughafen Kloten hatte Atta an einem Bancomaten 1'700 Franken bezogen. Im Tax&Duty Free Store hatte er zwei Taschenmesser und Schokolade gekauft. Beide Messer wurden in Boston sichergestellt, und zwar im Gepäck von Atta, welches mit Verspätung in Boston ankam und dort liegen blieb.

Konten blockiert und deblockiert

Laut dem Bundesanwalt gibt es zur Zeit auch keine substanziellen Hinweise zur Rolle des Finanzplatzes Schweiz für den Transfer von Geldern im Zusammenhang mit der konkreten Tatvorbereitung. Die Ermittlungen konzentrierten sich indes auf diesen Bereich.

Die Bundesanwaltschaft hat am 19. September ein Konto bei einer Bank in Zürich gesperrt und Dokumente beschlagnahmt. Der Anfangsverdacht erhärtete sich nicht, so dass Roschacher die Sperre am Dienstag wieder aufhob. Am gleichen Tag wurde ein Konto auf Grund einer Verdachtsmeldung an die Geldwäscherei-Meldestelle (MROS) gesperrt. Hier laufen nun Abklärungen, ob es hinrichende Elemente für eine Aufrechterhaltung der Blockierung gibt. in 15 weiteren anderen Fällen war dies nicht der Fall, weshalb die Vermögenswerte wieder freigegeben wurden.

Bezüglich der Tessiner Gesellschaft Al Taqwa beziehungsweise Nada seien Abklärungen getätigt worden. Es bestünden zum heutigen zeitpunkt keine Hinweise dafür, dass Al Taqwa-Konten in Verbindung mit Osama Bin Laden stünden. Kontoblockierungen durch die Bundesanwaltschaft seien daher keine erfolgt. Die MROS mache derzeit Abklärungen bei dieser Firma.

Bankenkommission wird aktiv

Um die Verfolgung der Terroristen zu unterstützen, richtete die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) am Dienstag ein Schreiben an alle durch sie beaufsichtigten Banken und Effektenhändler im Land. Darin ordnet sie die Suche nach Geschäftsbeziehungen mit 27 Personen und Organisationen an, deren Vermögenswerte durch die USA blockiert sind.

EBK-Vizedirektor Urs Zulauf sagte an der Medienkonferenz, die EBK untersuche zudem, ob im Vorfeld der Attentate vom 11. September über die Schweizer Märkte Insidergeschäfte getätigt wurden, die auf der Kenntnis der Attentate beruhten. Die Untersuchungen würden sehr aufwändig sein und mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Über 200 Hotelgäste überprüft

Gemäss Bundesanwalt Roschacher ergaben die Hotelkontrollen, die alle Polizeikorps der Kantone zu Handen der Bundesanwaltschaft machten, keine Hinweise auf Übernachtungen von Personen, die auf einer Liste der amerikanischen Polizeibehörden übersandt wurden. Über 200 Personen seien in den Hotelkontrollen überprüft worden.

Aus der Bevölkerung seien mehrere hundert Hinweise eingegangen, die meisten in den ersten Tagen nach den Anschlägen in den USA. Der Grossteil der Hinweise sei bereits überprüft worden. Täglich kämen weitere Hinweise dazu, die ebenfalls laufend abgeklärt würden.

swissinfo und Agenturen

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