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Tourismus in der Schweiz Zentralasiens

Jurten am Strassenrand dienen als Schnellimbiss, in den Bergen können Touristen auch drin wohnen.

(swissinfo.ch)

Weite Teile Kirgsistans erinnern ans Berner Oberland, es gibt eine gewisse Infrastruktur und politische Stabilität macht Reisen möglich. Touristen sind aber noch rar.

Angeboten werden Jagdreisen ebenso wie sanfter Community-Tourismus.

"Ich war gerade mit zwei Schweizer Jägern in den Bergen. Ausländer kommen hierher um Marco-Polo-Schafe, Steinböcke und Wildschweine zu jagen", sagt Paul, der als Guide für einen Jagd-Anbieter arbeitet. Angeboten werden solche Jagd-Erlebnisse hauptsächlich von kirgisischen, russischen aber auch US-amerikanischen Anbietern.

Am Check-In am Flughafen Bischkek stehen denn auch regelmässig Gruppen älterer Herren aus den Vereinigten Staaten und Europa in praktischer Kleidung mit Gewehrkoffern und grossem Gepäck. Sie bezahlen für einen zweiwöchigen Trip in die Berge im Westen oder Süden des Landes zwischen 10'000 bis 20'000 Dollar.

Ihnen wird ein Abschuss des gewünschten Tieres als Trophäe garantiert; inklusive Genehmigung um den Tier-Kopf und das Fell legal auszuführen. Inbegriffen sind auch ein Einzelzimmer in Jagd-Unterkünften oder Wohnwagen, Transfer vom Flughafen in die Berge und zurück, Übersetzer und ortskundige Jagdführer sowie Verpflegung. Gejagt wird vom Pferd oder zu Fuss.

Den Sternenhimmel geniessen

Weniger dramatisch geht es bei Mairam Omurzakova zu und her. Die 55-Jährige betreibt einen "Bed and Breakfast" in der kleinen Stadt Kochkor, rund 120 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bischkek.

Im weiss getünchten Gästehaus des kleinen Gehöfts mit hellblauem Zaun tischt sie typisches kirgisisches Essen auf - auf Wunsch sogar vegetarisch. Nach dem Nachtessen können ihre ausländischen Gäste auf traditionellen Schlafstätten aus vielen Lagen Filzteppichen und Decken in den Schlaf sinken. Nur selten stört ein Auto auf der ungeteerten Strasse vor dem Haus deren Ruhe. Auf dem Weg zur Aussentoilette bei etwas über Null Grad, zeigt sich die Milchstrasse am gigantischen Nachthimmel.

Leben wie die Schäfer

"Wir wollen den Gästen zeigen, wie wir leben", sagt Mairam. Sie und ihre Familie sind eine von rund 30 im Bezirk, welche Gäste beherbergt. Wer wünscht, kann auch in Jurten, den traditionellen Filz-Zelten der Nomaden, übernachten. Diese Jurten stehen auf der Sommerweide, dem sogenannten "Jailoo", wo die ganze Familie mit ihren Schafen den Sommer verbringt. Eine Übernachtung mit drei Mahlzeiten kostet ungefähr 12 Dollar.

An der Wand im Verwaltungsbüro der Kooperative, die sich "Shepherds Life" nennt, prangen auf braunem Packpapier die Erfolgszahlen. "Im ersten Jahr kamen 67 Touristen, im Jahr 2002 dann schon 500", erklärt Mairam stolz. Im Jahr 2001 hatte aber auch dieser Tourismuszweig unter einem Buchungs-Rückgang zu leiden.

Sanfter Tourismus als Entwicklungshilfe

Anstoss fürs Projekt gaben Mitarbeiter der Schweizer NGO Helvetas bereits 1997. Der Tourismus-Arm wuchs aus einem Frauenförderungs-Projekt, das Einkommen und soziale Kompetenz von Frauen in ländlichen Gebieten förderte. Helvetas sieht im Tourismus eine von wenigen Möglichkeiten, Geld in abgelegene Gebiete zu bringen.

Mit Schulung und der Verbesserung der Qualität will Helvetas den Bedürfnissen auch von Gruppenreisen und Individual-Touristen entsprechen. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) unterstützt dieses Projekt ebenfalls. Dessen Kosten belaufen sich dieses Jahr auf 250'000 Franken.

Vor drei Jahren wurde ein Dachverband gegründet, der zehn Kooperativen wie "Shepherds Life" zusammenfasst, die "Kyrgyz Community Based Tourism Association". Diese wird von Helvetas und andern NGOs unterstützt, Partner sind rund zehn kirgisische Reisebüros.

Was ist guter Tourismus?

Welche der zwei grundsätzlichen Varianten - Jagdtourismus oder Community Based Tourism (CBT) - für ein touristisches Schwellenland die bessere Wahl ist, kann auch Christine Plüss nicht einfach so beantworten. Die Historikerin und ehemalige Reiseleiterin ist Geschäftsleiterin des "Arbeitskreises für Tourismus und Entwicklung" (AKTE) in Basel.

"Der Jagdtourismus bringt viel Geld", sagt sie, "wenn das Hotel aber ausländischen Investoren gehört, die Kaderfunktionen mit Ausländern besetzt sind und für die Einheimischen nur einfache Jobs abfallen, dann bringt er der Bevölkerung wenig."

Diese Spaltung könne aber auch beim CBT-Tourismus auftreten. "Plötzlich gibt es im Dorf jene, die ein Guesthouse haben und solche, die von den Touristen gar nicht profitieren. Das führt zu Konflikten", gibt Plüss zu bedenken. "So ein Projekt muss sorgfältig aufgebaut werden, damit es funktioniert."

In ihren Augen sollten ausländische Reisende, wenn möglich, nur eine von mehreren Einnahmequellen sein. "Tourismus ist eine heikle Sache: Sobald irgendwo eine Bombe explodiert, kommen die Leute nicht mehr."

swissinfo, Philippe Kropf und Jacob Greber, Kochkor

Fakten

Beste Reisezeit: Frühling und Herbst
Zeitverschiebung: GMT plus 5 Stunden
Schweizer benötigen ein Visum

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In Kürze

Kirgisistan bietet heute eine beschränkte touristische Infrastruktur.

In den grossen Städten gibt es Hotels mit West-Standard, auf dem Lande wird vor allem in Guesthouses übernachtet.

Bei Europäern und Amerikanern beliebt sind auch Jagd-Touren in die Berge, wo Marco-Polo-Schafe oder Steinböcke geschossen werden.

Wer will, kann aber auch das traditionelle Schäferleben in einer Jurte kennen lernen.

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