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Trauer und Selbstkritik

Der Schweizer Verkehrsminister Leuenberger und der neue Schweizer Botschafter bei der Trauerfeier für die 71 Opfer der Flugzeug-Kollision bei Überlingen. Keystone

In Überlingen wurde der 71 Opfer der Flugzeug-Kollision am Bodensee gedacht. Der Schweizer Verkehrsminister Leuenberger bedauerte gemachte Fehler und entschuldigte sich.

Dieser Inhalt wurde am 13. Juli 2002 - 13:16 publiziert

600 geladene Gäste nahmen im Kursaal von Überlingen an der Trauerfeier teil. Bereits eine Stunde vor Beginn der Zeremonien hatten sich zahlreiche Personen aus der Region eingefunden, um die Trauerfeier über eine Direktübertragung ausserhalb des Kursaals zu verfolgen.

Ohnmacht

Eröffnet wurde die Feier mit einer russischen Suite, gespielt vom Kammerorchester Baden-Württemberg. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel, versuchte, das Entsetzen und die Ohnmacht in Worte zu fassen.

Er sprach der russischen Teilrepublik Baschkirien, aus der 65 der Opfer stammen, und ihrem anwesenden Regierungschef Rafael Bajdawletow seine Anteilnahme aus. Bajdawletow dankte den russischen Behörden und Helfern. Zudem warnte er bei der Diskussion um die Unglücksursache vor "voreiligen Schlüssen".

Neben Teufel und dem deutschen Verkehrsminister Kurt Bodewig, der eine rasche Aufklärung und Konsequenzen für die europäische Flugsicherheit versprach, wandte sich auch der Schweizer Verkehrsminister Leuenberger an die Trauernden.

"Verwirrliche Informationen und Unterlassungen"

Leuenberger unterstrich den Willen der Schweiz, alles daran zu setzen, "dass die Wahrheit ermittelt wird". Die Angehörigen hätten ein Recht zu wissen, wer die Verantwortung für das Unglück trage, und auf Wiedergutmachung.

Die Schweiz und ihre Flugsicherung hätten bei dem Unglück in grellem Scheinwerferlicht gestanden. "Die Konfrontation mit der schrecklichen Vorstellung, Mitursache für den Tod von 71 Menschen zu sein, hat bei uns zu hilflosen ersten Reaktionen und zu wirren und verwirrlichen Informationen, zu Unterlassungen geführt", sagte Leuenberger.

"Nicht alle bei uns haben die richtigen Worte gefunden. Wir wissen das", fügte der Verkehrsminister hinzu und entschuldigte sich für die Pannen. Auch die Schweiz sei aufgewühlt und leide mit allen Betroffenen.

Die Schweizer Flugsicherung Skyguide ist für die Überwachung des süddeutschen Flugraums zuständig, wo sich die Kollision am 1. Juli ereignet hatte. Beim Unglück war eine russische Passagiermaschine mit einer Fracht-Boeing des Kurierdienstes DHL zusammengestossen.

Die Arbeit der Skyguide in der Unfallnacht ist im Verlauf der Ermittlungen immer stärker unter Druck geraten, was auch erste Massnahmen nach sich zog. Die Schuldfrage ist offiziell noch nicht geklärt, die Ermittlungen dauern an.

Nach einer Sitzung am Freitag prüft auch Eurocontrol die Notwendigkeit kurzfristiger Massnahmen zur Flugsicherheit. Die europäische Flugsicherheits-Organisation beschloss dazu die Einsetzung einer hochrangigen Aktionsgruppe.

Gleichzeitig sagte der Schweizer Vertreter am Treffen, dass unter Experten "sehr grosses Verständnis für die schwierige Situation" der Flugsicherung in der Schweiz bestehe, die als dem heutigen Stand der Technik entsprechend erachtet werde. Eurocontrol gehören 31 Mitgliedsstaaten an, darunter auch die Schweiz.

Villiger nicht nach Russland

Die letzten russischen Toten des Flugzeug-Unglücks am Bodensee wurden am Freitagabend von Friedrichshafen aus in ihre Heimat geflogen. In der baskirischen Hauptstadt Ufa kamen am Samstag mehrere Tausend Menschen zusammen, um der Opfer zu gedenken. Nach einer Messe wurden die Opfer auf dem Friedhof der Stadt Ufa beigesetzt.

Bundespräsident Kaspar Villiger, der ursprünglich an der Trauer-Veranstaltung hatte teilnehmen wollte, nahm wegen Sicherheitsbedenken schliesslich Abstand von diesen Plänen.

Die Emotionen in Ufa seien in einem Mass gestiegen, dass die Sicherheit der Delegation vor Ort gefährdet gewesen wäre, hatte es dazu geheissen.

Der baskirische Vize-Regierungschef Khaliaf Ichmouratow erklärte nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax, der Vorbehalt gegenüber einem Besuch des Schweizer Bundespräsidenten oder anderer Regierungsmitglieder gelte nur für den Tag der Trauerfeier.

Aufgrund der Emotionen hätten regionale Politiker die russische Regierung aufgefordert, der Schweizer Delegation von der Teilnahme an der Trauerfeier abzuraten. Ihre Anwesenheit hätte zu "unerwünschten Wutausbrüchen" in der lokalen Bevölkerung führen können. Nicht zuletzt auch, weil in den ersten Tagen aus der Schweiz Schuldzuweisungen an den russischen Piloten geäussert worden seien.

swissinfo und Agenturen

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