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Trotz Fall Kashoggi Diese Schweizer Firmen nehmen am saudischen Wirtschaftsforum teil


Summit

Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Rashid, rechts, und Ibrahim al-Assaf, saudischer Staatsminister, bei der Eröffnung der Konferenz "Future Investment Initiative", am 23. Oktober 2018 in Riad, Saudi-Arabien.

(Keystone)

Einige Schweizer Konzerne zogen zwar ihre Spitzenkräfte von der umstrittenen Konferenz des saudischen Staatsfonds zurück, aber sie boykottieren die Veranstaltung nicht vollständig.

Trotz Boykotten eröffnete Saudi-Arabien am Dienstag sein Investitionsforum externer Link"Davos-in-the-Desert". Hochkarätige westliche Politiker, internationale Bankiers und Führungskräfte hatten nach der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Konsulat in Istanbul ihre Teilnahme abgesagt.

Die Konferenz unter dem Namen "Future Investment Initiative", die im Ritz Carlton in Riad durchgeführt wird, gilt als kritischer Test dafür, ob westliche Regierungen und Unternehmen wie bisher mit dem ölreichen Königreich Geschäfte machen werden.

Angesichts der heiklen Situation und der Finanzkraft des arabischen Staats wollte sich Sebastian Kistner, Mediensprecher der Credit Suisse, nicht dazu äussern, ob die Schweizer Bank ihren Status als Sponsor der Veranstaltung offiziell beibehalten hat.

Die Credit Suisseexterner Link, die eine Lizenz der saudischen Kapitalmarktbehörde besitzt und erst kürzlich eine Vollbankenlizenz beantragt hatte, wollte auch nicht sagen, ob ihre Führungskräfte anwesend seien.

"Das Einzige, was wir bestätigen, ist, dass der CEO [Tidjane Thiam, N.d.R.], der im Verwaltungsrat der Konferenz war nicht teilnehmen wird", sagte Kistner gegenüber swissinfo.ch. "Wir kommentieren weder das Engagement in Saudi-Arabien noch unsere Geschäftsstrategie in dem Land."

Die Credit Suisse Saudi-Arabien bezeichnete sich in ihrem Jahres Bericht 2017externer Link als geschäftsfähig. Sie pries die Schaffung einer vollwertigen Onshore-Plattform an, die es ihren stark vernetzten Kunden ermögliche, Zugang zu lokalen und internationalen Märkten zu erhalten und gleichzeitig das Know-how der Credit Suisse zu nutzen. Berichten zufolge stellte sie den potenziellen Kunden Kredite in der Höhe von 600 Millionen Dollar zur Verfügung.

Die UBSexterner Link, die grösste Schweizer Bank und der weltweit grösste Vermögensverwalter, hatte nie eine Vertretung auf CEO-Ebene an der Konferenz geplant, wollte aber ebenfalls nicht kommentieren, ob sie Vertreter auf niedrigerer Hierarchiestufe geschickt hatte. Per Ende Juni 2018 verwaltete die Bank Vermögenswerte in Höhe von 518 Milliarden Franken aus Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. Es ist geplant, die Zahl der Mitarbeiter in Saudi-Arabien in den kommenden Jahren zu verdoppeln.

Im Gegensatz dazu haben andere Grossbanken dem Gipfel eine Abfuhr erteilt. Der CEO des japanischen Unternehmens Softbank, Mayasoshi Son, hat einen Auftritt als Redner an der Konferenz angeblichexterner Link in letzter Minute abgesagt, obwohl die Saudi 45 Milliarden Dollar (rund 45 Milliarden Schweizer Franken) aus ihrem Staatsfonds in den Vision Fund der Softbank einbezahlt hatten. 

SRF Video Erdogan zu Khashoggi

Überschatteter Gipfel

Die Konferenz begann mit einer kurzen Hommage an den getöteten Khashoggi. Der Mitarbeiter der Washington Postexterner Link war einst ein saudischer Insider, der zum Kritiker des saudischen Regimes wurde. Nachdem Riad zuerst behauptet hatte, der Journalist hätte das Konsulat in Istanbul lebend verlassen, hiess es von offizieller saudischer Seite schliesslich, er sei in den diplomatischen Räumlichkeiten bei einem Handgemenge umgekommen Am Dienstag wies der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die saudischen Erklärungen zurück und sagte, der Tod von Khashoggi sei Teil einer geplanten Operation gewesen.

Für westliche Beobachter sind die saudischen Erklärungen weder glaubwürdig noch zufriedenstellend. Trotzdem blieben harte Strafmassnahmen bisher aus. Multinationale Unternehmen mit Sitz in der Schweiz stellen keine Ausnahme dar. Die Entscheidung einiger Unternehmen, ihre CEOs vom Gipfel zurückzuziehen, wurde von harmlosen Aussagen begleitet.

Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencoreexterner Link zog seinen Vorsitzenden Tony Hayward zurück, aber die Ölhandelsfirma Trafiguraexterner Link mit Sitz in Genf schickte ihren Konzernchef. Auf dem Gipfel betrat Trafigura-CEO Jeremy Weir die Bühne, um einen viel beachteten "Mega-Deal" für die Errichtung eines Kupfer- und Zinkwerks in Raz Al-Kair zu unterzeichnen. Es war eines von 25 Abkommen im Wert von über 50 Milliarden Dollar, die am ersten Tag der Veranstaltung unterzeichnet wurden. 

Boykotte und Geschäfte

ABB-Konzernchef Ulrich Spiesshofer entschied sich als einer der letzten, "angesichts der aktuellen Umstände" nicht an der Investitionskonferenz teilzunehmen. Und ABB-Präsident Peter Voser beschloss, seine Teilnahme am globalen Verwaltungsrat von NEOM, einem Projekt zur Errichtung einer Wüstenstadt, auszusetzen. Die Zusammensetzung des Vorstands war erst am 9. Oktober bekannt gegeben worden.

Der Schweizer Technologiekonzernexterner Link hatte im vergangenen Jahr seine Zuversicht zum Ausdruck gebracht, dass das Unternehmen von den für das Neom-Projektexterner Link vorgesehenen Investitionen im Wert von 500 Milliarden Dollar profitieren würde. ABB verfügt über drei Fabriken in Saudi-Arabien. Es überrascht deshalb nicht, dass das Schweizer Unternehmen Vertreter zu der Veranstaltung entsandte.

"Saudi-Arabien ist ein wichtiger Markt in der Region", sagte ein Sprecher gegenüber swissinfo.ch und weigerte sich, Zahlen zu nennen. "Wir haben derzeit nicht vor, den Support für unsere Kunden in Saudi-Arabien zu ändern oder zu unterbrechen."

Die Liste der Anwesenden aus der Schweiz am Gipfel ist zwar nicht umfangreich, aber es bleibt abzuwarten, ob die Schweizer Multis und Banken die Strategien im Königreich ändern werden.

Angesichts des Kontexts wohl kaum. Die diplomatischen, finanziellen und kommerziellen Beziehungen, die Saudi-Arabien und die Schweiz verbinden, sind tief. Die beiden Nationen haben Anfang dieses Jahres ein Doppelbesteuerungsabkommen unterzeichnet. Das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern beträgt laut Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) jährlich 2,5 Milliarden Franken.

Und die Schweiz hat im Iran-Saudi-Konflikt eine zentrale Rolle gespielt, indem sie die konsularischen Interessen der rivalisierenden Nationen in den jeweiligen Hauptstädten der beiden Länder vertritt.

Im Inland hat die verletzliche Tourismusbranche der Schweiz bereits die Folgen der Turbulenzen in den Golfstaaten zu spüren bekommen. Der Tourismus aus den Golfstaaten hat in diesem Sommer stagniert. Die Blockade gegen Katar durch seine arabischen Nachbarn hatte Auswirkungen auf den Schweizer Tourismus, weil in der Folge mehrere Flüge nach Europa gestrichen wurden. Desgleichen die vom Kronprinzen im letzten Jahr wegen Korruptionsverdachts verhängten Hausarreste gegen 200 saudische Unternehmer, Geschäftsleute, Beamte und Offiziere. 

Schweizer Politik denkt über Sanktionen nach

Das Aussenministerium hat den saudi-arabischen Geschäftsträgerr bereits mehrmals einberufen und diesen um eine "schnelle und klare Untersuchung" der Ereignisse in Istanbul gebeten, wie Staatssekretärin Pascale Baeriswyl erklärte. Die Schweiz wartet auf die Ergebnisse der Untersuchung und wird bei möglichen Sanktionen voraussichtlich dem Beispiel der internationalen Gemeinschaft folgen.

Sollte der UNO-Sicherheitsrat Sanktionen gegen Saudi-Arabien verabschieden, sei die Schweiz bereit, diese umzusetzen, so das Ministerium. Wenn Sanktionen auf EU-Ebene verhängt würden – die Schweiz ist nicht EU-Mitglied –, dann würde Bern erwägen, diese allenfalls anzuwenden.

Der Beschluss des Bundesrates aus dem Jahr 2016, den Verkauf von Ersatzteilen für Flugabwehrsysteme nach Riad trotz saudischer Intervention im Jemen zu genehmigen, hatte für heftige Debatten gesorgt.

Ein mögliches Embargo für den Verkauf von Waffen an das saudische Regime wäre daher ein deutliches Zeichen.

Im vergangenen Jahr verkaufte die Schweiz Kriegsmaterial im Wert von 4,8 Mrd. Franken nach Saudi-Arabien, was rund 1% der gesamten Schweizer Waffenexporte entspricht. In den Jahren 2009 und 2010 überschritt der Verkaufswert 130 Millionen Franken.


(Übertragung aus dem Englischen: Peter Siegenthaler)

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