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Trotz Misstrauen: Ein Anfang ist gemacht

Die Teilnehmer am Treffen der Irak-Geberländer in Madrid sind zufrieden. "Wir haben hier mehr Geld zusammen bekommen als jede andere Geberkonferenz zuvor", verkündete US-Aussenminister Colin Powell stolz.

Die Pessimisten, die bei der Irak-Konferenz ein Fiasko erwartet hatten, sollten Unrecht behalten. Die Hilfszusagen für den Wiederaufbau in Irak übertrafen die Erwartungen.

Es kam zwar nicht so viel Geld zusammen, wie nach Schätzungen der Weltbank und der US-Regierung benötigt werden, nämlich 56 Mrd. Dollar (über 73 Mrd. Franken) für die nächsten vier Jahre. Aber die Teilnehmer legten weit mehr als die Hälfte dieser Summe auf den Tisch.

Wichtige Geber wie der Internationale Währungsfonds (4,25 Mrd. Dollar) oder Japan (5 Mrd. Dollar) stockten ihre Zusagen kurzfristig um mehrere Milliarden Dollar auf. Kuwait und Saudi-Arabien sagten je eine Milliarde zu.

Die Beiträge der einzelnen Länder und Organisationen sind allerdings eine Mischung aus humanitärer Hilfe, Zuwendungen, Exportkrediten, Darlehen und Projektfinanzierungen über unterschiedliche Zeiträume.

Beginn des Wiederaufbaus

Immerhin: Der Anfang ist gemacht. Der Wiederaufbau im Irak kann beginnen. Für die nächsten zwei Jahre sollten genügend Mittel vorhanden sein, um den Irakern dabei zu helfen, ihr Land wieder auf die Beine zu bringen. Die immensen Schäden von Kriegen und Misswirtschaft der vergangenen Jahrzehnte sollten behoben werden können.

Damit ist aber keinesfalls gesagt, dass das Vorhaben des Wiederaufbaus zum Erfolg führen wird. Dies wird nicht allein vom Geld abhängen, sondern auch von der Sicherheit.

Wenn die Widerstands- und Sabotageakte im Irak nicht eingedämmt werden, dürften die Geber ihre Zusagen schon bald überdenken.

Offene Wunden

Von der Geberkonferenz gingen jedoch nicht nur positive Zeichen aus. Das Treffen zeigte, dass die Wunden, die der Irak-Krieg in das westliche Bündnis gerissen hatte, längst nicht verheilt sind.

Auch wenn US-Präsident George W. Bush vor einem Monat Frankreichs Präsident Jacques Chirac und Deutschlands Bundeskanzler Gerhard Schröder die Hände geschüttelt und das Zerwürfnis für beendet erklärt hat, ist der Riss noch nicht gekittet.

In Madrid tat sich die alte Kluft zwischen den Gegnern und Befürwortern des Irak-Kriegs erneut auf. Staaten wie Grossbritannien oder Spanien, welche die USA im Krieg gegen das Saddam-Hussein-Regime unterstützt hatten, zeigten sich als Geber besonders grosszügig.

Dagegen sagten Deutschland, Frankreich und Russland keine neuen Hilfen zu. Deutschland zum Beispiel hatte bereits früher Unterstützung in der Grössenordnung von 200 Mio. Euro angekündigt, dieser Betrag wurde in Madrid nicht mehr geändert.

Einer der Gründe für die Zurückhaltung, die zahlreiche potenzielle Geber an den Tag legten, dürfte darin bestehen, dass die Amerikaner die Kontrolle in Irak nicht aus der Hand geben wollen. Sie beteiligen sich auch nicht am internationalen Irak-Fonds.

Vielmehr zahlen sie ihre Hilfen in einen eigenen Fonds, über dessen Verwendung sie selbst entscheiden. "Dies ist der Ausdruck eines eisernen Unilateralismus", meint die Madrider Zeitung "El Mundo". "Damit setzen die USA den Erfolg der Geberkonferenz aufs Spiel."

swissinfo und Agenturen

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