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Tsunami: Kontroverse um die Hilfe des SRK

230'000 Tote und 125'000 Verletzte fielen dem Tsunami zum Opfer. Keystone

Ein Ex-Chefdelegierter des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) übt heftige Kritik am Wiederaufbau in Sri Lanka. Durch "Misswirtschaft" seien Millionen Franken nicht effizient verwertet worden.

Dieser Inhalt wurde am 19. Dezember 2006 - 08:26 publiziert

Das SRK weist den Vorwurf als haltlos zurück, räumt aber ein, man habe bei der Vermittlung von Baufachleuten etwas zu lange gewartet. Der erste Bauingenieur war erst im Mai 2005 vor Ort.

"Das SRK hat in Sri Lanka Misswirtschaft betrieben", sagte Max Seelhofer am Montag. Dabei sei es zu einer "Wertvernichtung von Spendengeldern" gekommen.

Seelhofer machte seine Vorwürfe im Tages-Anzeiger vom Montag publik. Darin wirft er dem SRK unter anderem vor, nach dem Tsunami vom Dezember 2004 viel zu spät Bauingenieure nach Sri Lanka geschickt zu haben, die den Wiederaufbau von Häusern koordinieren sollten.

Da die Kosten für Baumaterial und Löhne in der Zwischenzeit stark gestiegen seien, hätten die Spendengelder nicht effizient eingesetzt werden können.

Seelhofer, der ab März 2005 Chefdelegierter des SRK in Sri Lanka war, hat laut eigenen Angaben die Verantwortlichen früh auf die "Missstände" aufmerksam gemacht. Das SRK habe seine "Hilferufe" jedoch ignoriert. Schliesslich sei er wegen seiner Kritik im September 2006 entlassen worden.

SRK beruft sich auf Stillhaltevereinbarung

Karl Schuler, Sprecher des SRK, bestritt, dass Seelhofer wegen seiner Kritik entlassen worden sei. Vielmehr sei die "Vertrauensbasis" zwischen Seelhofer und der Zentrale in der Schweiz sowie dem Team vor Ort verloren gegangen.

Die genauen Gründe für die Entlassung wollte Schuler nicht ausführen. Man habe eine Stillhaltevereinbarung unterzeichnet, Seelhofer habe dem SRK erst nach seiner Entlassung ein Schreiben mit scharfen Vorwürfen übermittelt, sagte Schuler.

Es handle sich dabei um sehr persönliche Vorwürfe, die Seelhofer aus "Groll" gegen das SRK verfasst habe. Der Grossteil der Anschuldigungen Seelhofers seien haltlos. Den Vorwurf der Misswirtschaft wies Schuler entschieden zurück.

Prioritär Nothilfe geleistet

Bei der Vermittlung von Baufachleuten habe das SRK etwas zu lange zugewartet, gestand Schuler ein: "Hier hätte man rückblickend "vielleicht schneller reagieren können". Erst im Mai 2005, fast ein halbes Jahr nach dem Tsunami, war der erste Bauingenieur für das SRK Wiederaufbauprojekt vor Ort. Im Herbst 2005 folgte dann ein zweiter Baufachmann.

Kurz nach dem Tsunami habe man sich aber auf die Nothilfe konzentriert, erläuterte Schuler. Zudem sei wegen des Chaos vor Ort erst gar nicht an einen Wiederaufbau von Häusern zu denken gewesen. Zunächst habe man die zerstörten Gebiete räumen und die Infrastruktur wieder aufbauen müssen.

Bislang hat das SRK laut Schuler in Sri Lanka 500 Häuser gebaut. Hinzu kommen 3600 Häuser, welche die lokale Bevölkerung mit Unterstützung des SRK gebaut hat. Bis Ende 2007 sollen auf der Insel im Indischen Ozean für insgesamt 43 Mio. Franken über 6000 Häuser mit Hilfe des SRK fertiggestellt sein.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Für das ganze vom Tsunami verwüstete Gebiet am Indischen Ozean betrug die Schweizer Hilfe 220 Mio. Fr.

Die Glückskette sammelte einen grossen Teil an privaten Spenden. Sie finanziert 112 Projekte im Wert von 187,9 Mio. Fr.

Die Beiträge des Bundes belaufen sich auf 35 Mio. Fr. (Indonesien: 12,5, Sri Lanka: 16 Mio.)

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Zwischenbilanz

2 Jahre nach der Tsunami-Katastrophe hat die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften die Hälfte der erhaltenen Spendengelder ausgegeben.

Die Wiederaufbauhilfe dauert noch weitere 2 Jahre an.

Bislang hat die Föderation 1,4 Mrd. Fr. an Hilfsgeldern ausgegeben. 2,8 Mrd. waren gesammelt worden.

Mit 600 Mio. ging der Grossteil der Gelder nach Indonesien. 230 Mio. flossen nach Sri Lanka.

Insgesamt hat sich das Rote Kreuz den Wiederaufbau von 50'000 Häusern vorgenommen. Davon seien bislang 8200 fertig und 13'000 im Bau.

89 Spitäler und Kliniken wurden wiederhergestellt. Es bleiben aber weitere 212, die fertiggestellt werden müssen.

Von 132 Schulen sind lediglich 16 gebaut.

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