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HAMBURG/HANNOVER (awp international) - Der Reisekonzern Tui bringt seine Hapag-Lloyd-Beteiligung nach Informationen aus dem Umfeld der Reederei vorerst nicht an die Börse. Die unsichere Marktlage nach den Katastrophen in Japan und dem Konflikt in Libyen hätten die Anteilseigner bewogen, mit dem Gang aufs Parkett zunächst abzuwarten, erfuhr die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Montagabend aus Reedereikreisen. Ein Tui-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren. Die Aktie des Reisekonzerns rutschte am Dienstag um 1,19 Prozent ins Minus auf 8,484 Euro und gehörte damit zu den schwächsten Werten im MDax .
Nach Ansicht von Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher wächst durch die Verschiebung des Börsengangs die Unsicherheit, wie viel die Hapag-Lloyd-Anteile tatsächlich wert sind. Commerzbank-Analyst Johannes Braun zeigte sich dennoch optimistisch, dass der Börsengang in diesem Jahr gelinge. Auch ohne den Hapag-Verkauf werde Tui bis zum Jahr 2013 nicht in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Zudem verschaffte sich der Reisekonzern am Dienstag weiteren finanziellen Spielraum, indem er eine Wandelanleihe über knapp 340 Millionen Euro bei Investoren und Altaktionären platzierte.
Tui will sich von seiner verbliebenen Beteiligung an Hapag-Lloyd trennen. Am Markt war von einem Termin Mitte April die Rede gewesen. Die Tui-Führung hatte sich allerdings offiziell nicht auf ein Datum festgelegt. Finanzchef Horst Baier nannte lediglich das zweite Quartal als möglichen Zeitraum. Offen blieb, ob sich der Konzern auf einen Schlag von allen Hapag-Anteilen trennt. Zudem hatte sich die Tui-Spitze einen Verkauf der Anteile an Investoren offen gehalten.
Aus dem Hapag-Lloyd-Umfeld hiess es nun, ein Börsengang vor Ostern sei nun kaum mehr möglich. Ob er noch in der ersten Jahreshälfte stattfinde, hänge von der weiteren Entwicklung der Kapitalmärkte ab. Hapag-Lloyd gilt bei einem Gang aufs Parkett als heisser Kandidat für den MDax.
Der Tui-Konzern ist noch mit 49,8 Prozent an seiner ehemaligen Schifffahrtstochter beteiligt. Die Mehrheit von 50,2 Prozent hält das Konsortium Albert Ballin, zu dem die Stadt Hamburg, der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne sowie Banken und Versicherungen gehören. Sie übernehmen von Tui bereits in Kürze weitere 11,33 Prozent der Hapag-Lloyd-Anteile. Erst Anfang März hatte der Tui-Aufsichtsrat den Weg für einen Börsengang von Hapag-Lloyd freigemacht.
Bei einem Börsengang von Hapag-Lloyd würde dem Vernehmen nach nur der Tui-Konzern seine Aktien auf den Markt werfen. Hamburg, Kühne und die anderen Mitglieder des Konsortiums Albert Ballin haben bereits eine Haltefrist von zwölf Monaten vereinbart, wie dpa-AFX Anfang März aus dem Umfeld der Eigentümer erfahren hatte. Die Stadt Hamburg will damit auch den eigenen Wirtschaftsstandort sichern. Die Hansestadt ist mit einem Anteil von 23,55 Prozent der grösste Hapag-Lloyd-Aktionär nach Tui.
Tui-Chef Michael Frenzel könnte mit dem Erlös aus dem Hapag-Lloyd-Verkauf weitere Anteile an seiner Veranstaltersparte Tui Travel kaufen. "Mit dem Ausstieg aus der Schifffahrt bietet sich uns die Chance zum Ausbau wie zur Optimierung der touristischen Strukturen", hatte der Manager im Februar gesagt. Dabei geht es ihm darum, Hotel- und Veranstaltergeschäft enger miteinander zu verzahnen. Auf eine Komplettübernahme von Tui Travel liess er sich jedoch nicht festlegen.
Derzeit gehört Tui Travel lediglich zu 55,1 Prozent zum Tui-Konzern. Die Aktien der Tochter werden an der Londoner Börse gehandel und gaben zuletzt um 1,80 Prozent auf 228,50 britische Pence nach./stw/ck

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