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Tumore bekämpfen - Zellen schützen

Marco Schippers präsentiert das neue Zyklotron im Paul Scherrer Institut in Villigen.

(swissinfo.ch)

Eine neue, in der Schweiz entwickelte Bestrahlungsmethode zur Krebs-Heilung wird jetzt in Spitälern angewendet.

Die neue Technologie vom Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen bestrahlt Tumore direkt und beschädigt die umliegenden gesunden Gewebe dabei nur minimal.

Der Erfolg der neuen Technik, die den Tumor mit Protonen bestrahlt, ist weltweit auf grosses Interesse gestossen und kann jetzt in Spitälern vermarktet werden.

Eine Privatklinik in München, Deutschland, richtet die neuen, vom PSI entwickelten Maschinen ein und will 2006 mit der Behandlung von Patienten beginnen. Auch in Grossbritannien, Frankreich und Italien zeigt man Interesse für die neue Methode des Schweizer Instituts.

"Das zeigt die wahre Funktion des Instituts", sagt Tony Lomax vom PSI. "Wir entwickeln als Kunden-Labor neue Technologien, die dann in den Spitälern angewendet werden", so Lomax zu swissinfo.

Pionier-Behandlung

Für Rolf Marti von der Krebsliga Schweiz ist die vom PSI entwickelte Therapie ein grosser Schritt in der Krebs-Bekämpfung. "Aber es ist kein Durchbruch für alle Krebs-Arten", sagt er gegenüber swissinfo.

Beim Blutkrebs Leukämie zum Beispiel könne diese Methode nicht angewendet werden. Die neue Methode funktioniere nur bei einem klar lokalisierbaren Tumor, erklärt Marti. Dieselbe Meinung vertritt auch Stefan Bodis, Krebsspezialist am Aargauer Kantonsspital und Gastprofessor an der Universität Zürich.

Das Ziel der Bestrahlungstherapie ist die Zerstörung von Krebsgewebe mit dem Einsatz von Protonen, ohne dass dabei gesundes Gewebe beschädigt wird.

Erfahrungen bei Augen-Tumoren

Das PSI wendet zur Heilung von Augen-Tumoren schon seit vielen Jahren erfolgreich eine Protonen-Therapie an. Auf diesen Erfahrungen hat das Institut nun die neue Technik zur Bekämpfung von inneren Tumoren entwickelt.

Seit 1996 wurden 166 Patienten im PSI mit der Protonen-Therapie behandelt, vor allem solche mit Haut-Tumoren in der Schädel-Region oder solche mit Prostata-Krebs. In 85 Prozent der Fälle war es möglich, ein Anwachsen des Tumors zu unterbinden.

Entscheidend für den Erfolg war der besondere Bau einer Bestrahlungsmaschine, die gedreht werden kann und so eine Bestrahlung in alle Richtungen ermöglicht. Noch in diesem Jahr werden weitere 30 Patienten von der neuen Technologie profitieren. Für die Patienten gibt es 30 Behandlungen über eine siebenwöchige Periode.

Protonen-Bündel

Weil die Protonen-Beschleuniger des PSI bisher hauptsächlich für physikalische Experimente verwendet wurden, baut das Institut jetzt ein neues, extrem kompaktes Modell eines Teilchen-Beschleunigers: Das Zyklotron soll die Protonen für die neue Therapie beschaffen.

Eine solche Maschine wird derzeit in der neuen Protonen-Therapie-Klinik in München errichtet. Es ist die erste solche Einrichtung in Europa, die kommerziellen Zwecken dient. Die Münchner Klinik wird vier Gantrys haben, mit denen sie 3000 bis 4000 Patienten pro Jahr behandeln will.

Die Kosten für eine Anlage mit zwei bis drei Gantrys belaufen sich auf 50 bis 100 Mio. Franken.

swissinfo, Vincent Landon
(Übertragung aus dem Englischen: Jean-Michel Berthoud)

Fakten

Jede dritte Person in Europa ist Krebs-gefährdet

In der Schweiz leiden rund 28'000 Personen an Krebs

70% davon müssen bestrahlt werden

Heute können nur etwa 45% aller diagnostizierten Tumore zumindest auf 5 Jahre hinaus geheilt werden

Bestrahlungstherapie ist nach der Operation die zweitwirksamste Behandlungsform bösartiger Tumore

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In Kürze

1954 wurde in den USA erstmals ein Patient mit Protonen behandelt. Das erste europäische Protonen-Therapieprogramm wurde von 1957 bis 1976 in Uppsala, Schweden, durchgeführt.

Weltweit wurden bisher 30'000 Patienten in 20 Zentren mit Protonen behandelt.

Das Paul Scherrer Institut (PSI) hat seit 1984 über 4000 Augen-Tumore mit einer Erfolgsrate von mehr als 90 Prozent behandelt.

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