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Tunneldurchfahrt auf Bestellung

Mit dem Reservations-System soll die Durchfahrt besser geplant werden können. Keystone

Bundesrat Moritz Leuenberger hat heute in Cuneo, Italien, ein neues Reservations-System für Camions für die Durchfahrt des Gotthard-Tunnels angekündigt.

Dieser Inhalt wurde am 12. Mai 2003 - 17:04 publiziert

Die Reaktionen von italienischer Seite auf den Vorschlag des Schweizer Verkehrsministers fielen kritisch aus.

Gemäss dem neuen System, das Leuenberger in 10 Tagen detailliert vorstellen will, können Camions eine Durchfahrt durch den Gotthard-Tunnel für einen bestimmten Tag und ein bestimmtes Zeitfenster, beispielsweise zwischen 9 und 12 Uhr, buchen. Die Reservation wird freiwillig und kostenlos sein.

Es handelt sich um einen Zusatz zum bisherigen Tropfenzähler-System, das die Durchfahrt der Camions regelt. Es werde allerdings zwei bis drei Jahre dauern, bis das System wirklich angewendet werde könnte, sagte Leuenberger gegenüber swissinfo. So lange brauche man, um die entsprechenden Infrastrukturen, darunter Warteräume, aufzubauen.

Kritik an Schweizer Verkehrspolitik

An der ersten nationalen Tagung des italienischen Transportverbandes (Confetra) zur "Verkehrsproblematik an den Alpenübergängen" wies Leuenberger im Übrigen die aufgekommenen Kritik an der schweizerischen Verkehrpolitik zurück.

Vertreter der italienischen Verkehrsverbände hatten das schweizerische System, unter anderem die LSVA, als diskriminierend bezeichnet. Doch Leuenberger machte darauf aufmerksam, dass die Schwerverkehrsabgabe für in- und ausländische Fahrzeuge gelte und mit der EU abgesprochen sei.

Den S-Verkehr verteidigte er, weil ansonsten inländische Camions im Binnenverkehr diskriminiert würden.

Gegen starre Systeme

Die Reaktionen auf die Ankündigung des neuen Reservations-Systems fielen negativ aus. Für den Präsidenten des Transportverbandes, Aldo Gatti, ist dieses System schlicht unrealistisch, auch wenn es in der Theorie gut erscheine.

Äusserst reserviert zeigt sich auch der italienische Verkehrsminister Pietro Lunardi, der mit Leuenberger nach der Tagung zu einem bilateralen Treffen zusammen kam. Italien sei gegen jede Art von starren Systemen.

"Übertriebener Umweltschutz"

Während der Tagung hatten die italienischen Transportverbände einen schnellen Ausbau der Verkehrswege durch die Alpen gefordert und vor "übertriebenem Umweltschutz" gewarnt. Nicht nur das Transport- und Logistikgewerbe, sondern die gesamte italienische Wirtschaft gehe einem Kollaps entgegen, wenn nicht schnell gehandelt werde.

Schon jetzt fühlt sich Italien innerhalb der EU an den Rand gedrängt. Um die wichtigen europäischen Märkte zu erreichen, sind die Italiener auf einen Transport über die Alpen angewiesen.

Die Transportverbände waren der Ansicht, dass der Ausbau der Eisenbahn-Infrastruktur nicht reichen wird, um den zu erwartenden Anstieg des Verkehrsvolumens aufzufangen. Deshalb dürfe man die Strassen nicht vernachlässigen.

Leuenberger zeigte seinerseits die Grundlinien der schweizerischen Verkehrspolitik auf, die eine Umverlagerung von der Strasse auf die Schiene anstrebt. Man müsse in der Verkehrspolitik den Anliegen in den Tälern Rechnung tragen: "Ich bin nicht nur Verkehrsminister, sondern auch Umweltminister", fügte er an.

swissinfo, Gerhard Lob, Cuneo (I)

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