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Uhrmacherferien, der jurassische Sommerschlaf

Die Werkzeuge, hier zum Zerkleinern der Diamanten, sind in den Uhrmacherferien verwaist.

(Keystone)

Uhrmacherei ist ein traditionelles Handwerk, in dem noch alte Sitten herrschen. Eine solche sind die Uhrmacherferien, während denen die Betriebe im Sommer ein paar Wochen zu sind.

Die Pause datiert aus dem Jahr 1937 und wurde vor allem aus produktionstechnischen Gründen eingeführt.

Im Jurabogen stehen im Sommer noch immer zahlreiche Maschinen still. Das Phänomen der Uhrmacherferien, das noch vor gut 40 Jahren die Jurazentren für einige Wochen in Geisterstädte verwandelte, hat zwar an Bedeutung verloren. Aber auch heute noch stellen zahlreiche Firmen ihren Betrieb im Sommer für zwei oder drei Wochen ein.

Noch in den 60er-Jahren sorgten die Uhrmacherferien im Sommer für einen ausserordentlichen Nebeneffekt: Städte wie La Chaux-de-Fonds, Le Locle oder Biel schienen wie ausgestorben.

Ferien-Migration

In ganzen Strassenzügen blieben die Storen geschlossen, und wer nicht verreisen konnte, blieb unglücklich zurück. Der dies erzählt, erinnert sich noch selber an die sommerliche Stille.

"Ganze Züge voll von italienischen Arbeitern haben im Sommer den Jura in Richtung Italien verlassen", sagt Francois Matile, Sekretär des Arbeitgeberverbandes der Uhrenindustrie. Dies war zu Zeiten, als die Branche florierte und noch rund 90'000 Angestellte
beschäftigte.

Grosse halten sich nicht daran

Heute ist von der kollektiven Abwesenheit weit weniger zu spüren. In der Uhrenindustrie arbeiten nur noch etwas mehr als 40'000 Menschen und viele Firmen haben die Ferien über das ganze Jahr verteilt. Dazu gehören etwa die Schwergewichte Swatch Group und Rolex, welche die Uhrmacherferien schon vor Jahren abschafften.

Trotzdem hält sich die alte Tradition hartnäckig. Vor allem die kleinen und mittleren Uhrenbetriebe (KMU), die im Mittel rund 60 Angestellte beschäftigen, schliessen ihre Werkstätten im Sommer noch ganz oder teilweise.

Aus praktischen Gründen ist es für ein solches KMU oft einfacher, den Betrieb eine Zeit lang ganz einzustellen als wegen Ferienabsenzen nur mit der halben Belegschaft arbeiten zu können.

Fremd-bestimmt

Die Daten der 1937 eingeführten Uhrmacherferien werden jeweils vom Arbeitgeberverband der Uhrenindustrie bestimmt. Dieses Jahr dauern sie vom 12. Juli bis zum kommenden 2. August. "In der Regel schliessen die Betriebe für drei Wochen", sagt Francois Matile.

Gemäss Jean-Francois Rossel, dem Regionalsekretär der Gewerkschaft SMUV, machen im Kanton Jura und im Berner Jura die meisten Betriebe vorübergehend dicht, mit Ausnahme jener Firmen, die für Swatch arbeiten.

Leere Parkfelder

Gleiches gilt im Neuenburger Jura. Die Chancen, in La Chaux-de-Fonds einen freien Parkplatz zu finden, seien zu dieser Jahreszeit am besten, heisst es auf der Stadtverwaltung. Auch im Vallee de Joux (Kanton Waadt) hält sich eine Vielzahl der Firmen an die Uhrmachertermine.

Anders präsentiert sich die Lage in Genf, wo die Angestellten von Franck Muller sowie ein Teil der Belegschaft von Richemont und Chopard in den Genuss der Uhrmacherferien kommen.

Rolex und Patek Philipp bleiben dagegen seit kurzem auch im Sommer geöffnet. In der Stadt mit über 180'000 Einwohnern machen sich diese Absenzen aber im Gegensatz zu den Talschaften nicht bemerkbar.

swissinfo und Nathalie Ogi, AP

Fakten

Die Daten der Uhrmacherferien werden vom Arbeitgeberverband der Uhrenindustrie bestimmt.
Zur Blütezeit arbeiteten 90'000 Angestellte in der Uhrenindustrie.
Heute sind es noch 40'000.

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In Kürze

Die Uhrmacherferien datieren aus dem Jahr 1937.

Heute werden sie vor allem noch von KMU eingehalten.

Grund: Die Schliessung war einfacher, als die Produktion mit einem Teil der Belegschaft aufrecht zu erhalten.

In den Ferien wirkten die Uhrmacherorte wie Geisterstädte.

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