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UMTS: Geduld ist angesagt

Die schöne schnelle Zukunft - noch ist sie nicht Realität. Keystone Archive

Während in Japan das erste UMTS-Netz schon in Betrieb genommen worden ist, kämpfen die Telefongesellschaften hierzulande mit Startschwierigkeiten.

Dieser Inhalt wurde am 14. Dezember 2001 - 21:34 publiziert

Das erste UMTS-Netz Europas entsteht nicht in London, Paris, Berlin oder Helsinki, sondern auf der nur 572 Quadratkilometer grossen Isle of Man. Und auch dort läuft es vorerst nur als Test: mmO2, die Mobilfunkgruppe der British Telecom, betreibt auf der Insel seit kurzem ein flächendeckendes UMTS-Versuchsnetz.

In einem ersten Schritt dürfen 200 Insulaner mit speziellen Endgeräten die neue Mobilfunktechnik testen. Sie können von unterwegs zum Beispiel mit etwa sechsfachem ISDN-Tempo im Internet surfen oder auf ihrem Handy standortbezogene Informationen ansehen.

Japan einen Schritt voraus

Während das neue Mobilfunknetz der dritten Generation auf der Isle of Man lediglich ein Versuchsbetrieb ist, hat in Japan das UMTS-Zeitalter bereits richtig begonnen. Seit Anfang Oktober bietet NTT DoCoMo in Tokio ihren UMTS-Dienst "Foma" an.

Die Telefone für das neue Netz kosten je nach Modell zwischen 500 und 950 Franken. Erhältlich ist auch eine UMTS-Steckkarte für Notebooks. Wie auf der Isle of Man lässt sich mit der Steckkarte per Notebook superschnell im Netz surfen - wenigstens in Tokio. Denn ausserhalb der Stadt bleibt UMTS auch in Japan vorerst Zukunftsmusik.

Der UMTS-Dienst von NTT DoCoMo hätte eigentlich bereits im Mai aufgeschaltet werden sollen. Doch das neue Netz war instabil. "Jetzt sind wir mehr als bereit", erklärte vor dem Start in Tokio.

UMTS-Lizenz geschenkt

DoCoMo-Präsident Keiji Tachikawa hat gut lachen: Während seine Kollegen in Europa die UMTS-Lizenzen für Milliardenbeträge ersteigern mussten, erhielt NTT DoCoMo die Lizenz von der japanischen Regierung geschenkt und konnte ihr Geld in den Aufbau des Netzes stecken.

NTT DoCoMo ist zuversichtlich, dass UMTS in Japan einen Markt findet. Bis Ende März 2002 will die Gesellschaft 150'000 UMTS-Telefone verkaufen.

In der Schweiz dürfte es noch eine ganze Weile dauern, bis die ersten UMTS-Dienste ans Netz gehen. Experten rechnen nicht mit einer Aufnahme des Betriebs vor Ende 2003. Bis Ende März 2004 will NTT DoCoMo bereits sechs Millionen UMTS-Abonnenten in Japan erreichen.

Flächendeckendes UMTS-Angebot

Die vier Lizenznehmer in der Schweiz - Swisscom Mobile, Sunrise, Orange und Telefonica - müssten eigentlich gemäss Lizenzbedingungen bis Ende 2004 ein UMTS-Netz in der Schweiz aufbauen, welches bis zu diesem Termin mindestens die Hälfte der Bevölkerung versorgen kann. Aufgrund "technischer Schwierigkeiten" dürfte diese Frist jedoch verlängert werden.

Denn derzeit fehlen die UMTS-Endgeräte noch weitgehend. Laut Jorma Ollila, Konzernchef von Marktführer Nokia, will seine Firma die ersten UMTS-Telefone erst in einem Jahr ausliefern. Er erwartet, dass Nokia im Jahr 2003 gerade Mal 10 Prozent des Umsatzes mit UMTS machen wird.

Widerstand gegen neue Antennen

Weil die UMTS-Lizenzen in der Schweiz nicht teuer versteigert wurden, haben die Konzerne zwar genug Geld in der Kasse für den Aufbau der Infrastruktur. Doch die Bevölkerung macht nicht mit: Immer mehr Menschen wehren sich gegen neue Handy-Antennen.

Während in der Schweiz die Menschen nur die Faust im Sack machen, wehren sich in Salzburg Politiker und Bevölkerung gemeinsam gegen neue Antennen. Mit dem Resultat, dass die österreichischen Mobilfunkgesellschaften der Stadt gedroht haben, sie beim Ausbau des UMTS-Netzes auszulassen.

"Wenn man in Salzburg keine UMTS-Technologie haben will, werden wir sie nicht anbieten", sagte Thomas Barmüller, Chef des österreichischen Forums Mobilkommunikation.

swissinfo und Matthias Zehnder (sda)

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