Umweltschützer zielen auf Zweitwohnungen

Zuviel Ferienwohnungen verstädtern die Ferienorte. Im Bild: Champfer im Oberengadin. Keystone

Am 11. März werden die Schweizer Stimm-Bürgerinnen und –Bürger über eine Volksinitiative entscheiden, die verlangt, dass eine Gemeinde nicht mehr als 20% Zweitwohnungen aufweisen darf. Bereits bestehende können erhalten bleiben.

Dieser Inhalt wurde am 12. Januar 2012 - 13:27 publiziert
Sophie Douez, swissinfo.ch

Die Initiative "Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen" ist von Helvetia Nostra, einer Gruppe der Franz Weber-Stiftung lanciert worden.

"Die Schweiz ist das am stärksten überbaute Land in Europa", sagte Franz Weber gegenüber swissinfo.ch. "Unsere Landschaft wird ersticken, wenn wir sie nicht schützen." Sein Volksbegehren ziele auf jene Regionen, die noch weniger überbaut seien.

Eine Mehrheit des Parlaments sprach sich gegen die 2007 eingereichte Initiative aus. Die Mehrheit kam zum Schluss, das Volksbegehren würde den unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedürfnissen von Gemeinden nicht genügend Rechnung tragen.

"Eine Annahme würde die Bautätigkeit in wichtigen touristischen Regionen abblocken, in denen der Anteil an Zweitwohnungen ohnehin bereits über dem vorgeschriebenen Plafond liegt", sagte Guy Parmelin, Nationalrat der Schweizerischen Volkspartei (SVP) und Mitglied der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie.

"Schlimmer noch. Der drastische Wortlaut der Initiative würde paradoxerweise jene Gemeinden bevorzugen, in denen der Zweitwohnungsanteil noch unter 20% liegt. Eine Entwicklung, welche die Initiative ja gerade einschränken möchte", so Parmelin.

Auch der Bundesrat, der zwar ein bestehendes Problem bei den Zweitwohnungen einräumt, spricht sich gegen die Initiative aus. Die 20%-Schranke sei zu rigid. Und das bestehende Raumplanungsgesetz, welches die Kantone anweise, das Zweitwohnungsproblem innerhalb der Bauplanung zu berücksichtigen, genüge.

Schutz der Einheimischen

Gemäss Helvetia Nostra werden jährlich rund 8000 Zweitwohnungen in der Schweiz erstellt. Laut Weber entspricht das etwa einem Quadratmeter pro Minute, der verloren geht – für Wohnungen, die oft als Immobilien-Anlage – gerade auch für Ausländer erstanden würden.

"Alle hätten gerne eine Ferienwohnung in der Schweiz", so Weber, "und dasselbe wünschen sich auch die Ausländer." Dabei zöge die einheimische Bevölkerung den kürzeren, denn die Wohnungen würden für sie zu teuer. Initiativegegner warnen hingegen, dass Baurestriktionen die Preise für bereits bestehende Wohnungen nur noch mehr treiben würden:

"Preisaufschläge für Zweitwohnungen kämen automatisch den ausländischen Besitzern zu Gute, auf Kosten der einheimischen", gibt Alt-Nationalrat Sep Cathomas  zu bedenken.

Umwelt kontra Wirtschaft

Der Grüne Robert Cramer unterstützt die Initiative. Er sagt, der, der ungehinderte Bau von Zweitwohnungen führe zu einer schädlichen Verstädterung von Tourismusgebieten: "Wegen der Landspekulation werden die Leute zu Zweitwohnungsbesitzern", sagte Cramer im Parlament.

"Und eine Folge dieser Entwicklung ist das bekannte Phänomen der 'kalten Betten'". Das heisst, sei die Wohnung erst einmal gebaut und verkauft, laufe nur noch wenig bis gar nichts – auch vermietet würden die Ferienwohnungen kaum.

Initiativgegner sagen, ein Eindämmen des Zweitwohnungsbaus würde sich negativ auf die lokale Wirtschaft auswirken, weil diese stark vom Tourismus und vom Bau abhänge. "In den Berggebieten hätte diese Initiative zur Folge, dass die Bauvorhaben sofort eingefroren würden", sagte This Jenny, SVP-Ständerat.

Grund: Praktisch in allen Tourismusregionen liege der Zweitwohnungsbestand bereits über dem 20%-. "Das hätte für diese Regionen geradezu katastrophale Auswirkungen", so Jenny.

Weber wiederum entgegnet darauf, dass ein Baustopp der Tourismuswirtschaft in den Berggebieten nur gut täte, da die Landschaft geschützt würde, wegen der die Gäste in erster Linie kämen.

"Bremsen wir die Bautätigkeit, werden wir noch einige wunderschöne Landschaften erhalten", so Weber. "Die Bautätigkeit vertreibt nämlich die Wohnbevölkerung in den Bergen und zerstört die Berglandschaft. Diese Zweitwohnungen stehlen die Zukunft unserer Kinder."

Zweitwohnungsinitiative

Die Initiative "Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen" verlangt, dass der Bau von Zweit- und Ferienwohnungen eingedämmt wird.

Bei einer Annahme dürfte jede Gemeinde nicht mehr als 20% Zweitwohnungen aufweisen – wobei bestehende erhalten blieben.

Wird das Volksbegehren angenommen, wird auch jede Gemeinde verpflichtet, einen Bauplan zu publizieren, der die Erstwohnungen umfasst, und einen Jahresbericht, wie dieser Plan umgesetzt worden ist.

Laut Helvetia Nostra zielt die Initiative nicht darauf ab, bereits bestehende Zweitwohnungen abzureissen. "Was bereits steht oder im Bau ist, bleibt."

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