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Universitäten wollen das Skalpell ansetzen

Universitäten und Bund sind noch nicht einig, wie der Medizinausbildung am besten zu helfen ist.

(Keystone)

Der Bund soll die Verantwortung für das Medizinstudium an die Hochschulen abtreten, fordert die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten.

Damit ist die Baustelle der Ausbildungs-Reform erneut erweitert worden.

Die Arbeiten rund um die Reformierung der Medizinalberufe dauern bereits seit Jahren. Und der Druck ist gross, denn Universitätsspitälern und medizinischen Fakultäten fehlt das Geld. Pflegepersonal und Ärzte sind überlastet, die Qualität der medizinischen Forschung leidet ebenfalls.

Zudem sollen die Schweizer Ausbildungsgänge europakompatibel werden, auch in der Medizin geht es deshalb darum, Bachelor und Master einzuführen.

Trennen von Grundausbildung und Facharzt-Weiterbildung

Konkret sieht das am Montag von der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (CRUS) präsentierte Konzept "Hochschulmedizin 2008" vor, dass die medizinisch-wissenschaftliche Ausbildung der angehenden Ärztinnen und Ärzte in der Verantwortung der Universitäten liegen soll. Dies sowohl inhaltlich als auch finanziell.

Die berufliche Weiterbildung zum Facharzt hingegen solle losgelöst von den universitären Strukturen in der Verantwortung des Bundes liegen, wie CRUS-Vertreter ausführten. Dieser solle die Durchführung der beruflichen Weiterbildung einer neu zu schaffenden Institution übertragen, wofür er die Mittel zur Verfügung zu stellen hat.

Mit diesen in der "Hochschulmedizin 2008" vorgeschlagenen Neuerungen würde zudem die von der Politik geforderte Kostenwahrheit geschaffen, so die CRUS weiter.

Das quasi ultimativ vorgetragene Konzept der Hochschulen ist ein weiterer Stein auf der unübersichtlichen Baustelle der Ausbildungs-Reformen im Medizinal- und Gesundheitsbereich.

Flexibilität und Mobilität gefördert



Die Entflechtung der Interessen und Neuverteilung der Kompetenzen sind laut CRUS Voraussetzung für die 1999 eingeleitete Reform des Medizinstudiums.

Diese sieht die Ausbildung in zwei Stufen zum Bachelor und Master gemäss Bologna-Modell vor. Sie werden das heutige Schweizer Staatsexamen ersetzen. Der vorwiegend als Berufstitel erworbene "Dr. med." würde somit verschwinden.

Das Konzept sei eine grosse Chance für die Ärzteausbildung und die medizinische Forschung, so die CRUS weiter. Denn durch die polyvalente Ausbildung stünden den Medizinern künftig mehr Möglichkeiten offen, und die Vielfalt des Berufs werde gefördert. Eine Erweiterung der Ausbildungsinhalte soll zudem die Einführung von Vertiefungsrichtungen - so genannten Majors - erlauben.

Heutige Ausbildung verschult



Heute absolvieren Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz ihre medizinische Grundausbildung an den Universitäten. Auffallend beim heutigen Medizinstudium ist dessen straffe Struktur, die kaum Optionen zulässt. Abgeschlossen wird es mit dem Staatsexamen.

Gemäss dem neuen Konzept Hochschulmedizin 2008 soll das Doktorat als forschungsorientierte Qualifikation neu gestaltet werden. Die berufliche Weiterbildung zu Assistenz- und Fachärztinnen und -ärzten solle dagegen in die Verantwortung einer Institution mit eigener Trägerschaft überführt werden, die unter der Ägide des Bundes firmieren würde.

Zeit drängt



Das Konzept war Mitte Januar von der CRUS verabschiedet und anschliessend Bildungsminister Pascal Couchepin sowie den Kantonen zugeschickt worden.

Die Hochschul-Rektoren drängten darauf, die Weichen für eine grundlegende Erneuerung jetzt zu stellen. Das Bundesgesetz über die universitären Medizinalberufe, dessen Vorarbeiten vor dem Abschluss stünden, führe nicht zum gewünschten Erfolg, sondern erschwere die Reform. Die Botschaft für das Gesetz soll im März dieses Jahres ins Parlament kommen.

"Teil eines Puzzles"

Im Staatssekretariat für Wissenschaft und Forschung (SWF) des Bundes ist man sich der Probleme sehr wohl bewusst, welche die Hochschulrektoren in ihrem Konzept aufgelistet haben. "Ihre Vorschläge sind willkommen, wenn sie auch nur - als Teil eines Puzzles - die Ansicht der Universitäten widerspiegeln", sagte Gérard Escher, der wissenschaftlicher Berater von Charles Kleiber, dem Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung.

Wolle man aber nachhaltige Reformen, bedürfe es einer Plattform, auf der sich Akteure aller Bereiche treffen, so Escher weiter. Auf Initiative von Kleiber habe eine Projektgruppe bereits eine erste Auslegeordnung der vorliegenden Probleme auf den verschiedenen Ebenen vorgenommen. Konsultationen mit Experten aus den beteiligten Bereichen sollen folgen.

Schwieriger Überblick

"Der ganze Bereich der medizinischen Ausbildung ist momentan eine Baustelle", so Gérard Escher weiter. Er listet das Gesetz über die Medizinalberufe, dasjenige über die Krankenversicherung sowie die Charta von Bologna auf, die alle Fluss in die Diskussion um die Reformen im Medizinal- und Gesundheitsbereich brächten.

"Was wir momentan haben, ist eine Vermischung der Bereiche Ausbildung, Forschung und Pflege", so Escher. Dabei mache die Pflege mit verursachten Kosten von 40 Mrd. Franken pro Jahr klar den grössten Brocken aus. Für medizinische Ausbildung und Forschung dagegen würden nur total 1,3 Mrd. Franken aufgewendet.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Die Arbeiten an den Gesetzes-Projekten über die Medizinalberufe dauern bereits 13 Jahre.
Die "ultimative" Forderung der Konferenz der Hochschul-Rektoren (CRUS) kann die langwierigen Vorarbeiten gefährden.
Bildungsminister Pascal Couchepin entscheidet, ob die Forderungen der CRUS in die Gesetzes-Reform einfliessen.
Ein Entscheid Couchepins ist in rund 3 Wochen zu erwarten.

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In Kürze

Im Konzept Hochschulmedizin 2008 strebt die Konferenz der Schweizer Universitäten (CRUS) eine Entflechtung in der Ausbildung von Medizinern an.

Demnach soll die Ausbildung der Ärzte den Universitäten obliegen, die Weiterbildung dagegen wie bis anhin beim Bund verbleiben.

Die Reform soll den Studierenden mehr Flexibilität in der Ausbildung bringen.

Die Neuverteilung der Kompetenzen soll ferner die politische Forderung nach der Kostenwahrheit erfüllen.

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