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UNO rechnet mit steigenden Katastrophen-Kosten

Vom Tsunami zerstörte Häuser in der japanischen Stadt Kesennuma.

(Keystone)

Das Risiko, bei einem Wirbelsturm oder einer Überschwemmung umzukommen, ist kleiner als vor 20 Jahren. Laut der UNO schnellen die Kosten von Naturkatastrophen jedoch in die Höhe. Natur-Katastrophen sind auch Thema an internationalen Konferenzen in Genf.

Der Bericht 2011 über die Verringerung des Risikos von Katastrophen (Global Assessment Report on Disaster Risk Reduction) wurde am Dienstag veröffentlicht und fiel mit der Eröffnung von internationalen Konferenzen über Katastrophen-Prävention sowie Wiederaufbau nach Katastrophen in Genf zusammen.

Laut dem Bericht der UNO bemühen sich die Länder weltweit um eine Reduktion des Sterberisikos im Zusammenhang mit wetterbedingten Gefahren. Das passiere jedoch zu wenig rasch und nicht wirksam genug.

"Die Gefahr von wirtschaftlichen Verlusten nimmt in allen Regionen zu und bedroht insbesondere einkommensschwache Länder", stellen die Autoren des Berichts fest.

Gemäss der Weltbank haben sich die wirtschaftlichen Kosten von Naturkatastrophen 2010 im Vergleich zum Vorjahr knapp verdreifacht. Sie stiegen von 68 Milliarden auf 180 Milliarden Dollar.

Und das Jahr 2011 dürfte noch viel schlimmer werden. Japans Regierung schätzt die direkten Schäden nach dem schweren Erdbeben und dem Tsunami von vergangenem März auf rund 300 Milliarden Dollar. Bei der Katastrophe kamen knapp 26'000 Menschen ums Leben oder werden vermisst. Zudem wurde eine Atomkraftanlage zerstört und die Umwelt mit radioaktivem Material belastet.

"Wir sitzen in einem schnell fahrenden Auto, und auf uns wartet ein Zusammenstoss. Wir müssen handeln", heisst es in einer Erklärung, die im Vorfeld der Tagung von Margareta Wahlström, UNO-SonderbeauftragtefürKatastrophenpräventionund Vorsitzende der Internationale Strategie für Katastrophenvorsorge (UNISDR), publiziert wurde.

"Katastrophen"-Tagungen

Vom 10. bis 13 Mai führt die Organisation ihre dritte Konferenz über Katastrophen-Prävention durch. Die 3000 Experten und Regierungsvertreter aus 180 Ländern diskutieren an der Tagung in Genf darüber, wie die Lage vor und nach Naturkatastrophen besser bewältigt werden könnte.

Seit Dienstag findet gleichzeitig und ebenfalls in Genf die erste internationale Tagung zum Wiederaufbau statt, die von der Weltbank und der UNO organisiert wird.

Eröffnet wurde die Konferenz von UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon. Die Schweizer Delegation besteht aus Vertretern der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und wird von Peter Maurer, Staatssekretär im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), geleitet.

Die Gespräche an den beiden Konferenzen drehen sich um die wirtschaftlichen Folgen von Naturkatastrophen und den nötigen Finanzierungs-Mechanismus, um die Förderung von Allianzen zwischen Klimawandel- und Katastrophenverminderungs-Gruppen sowie die Stärkung lokaler Strukturen, um einen besseren Wiederaufbau zu unterstützen.

"Wir wollen die Lehren aus der Vergangenheit ziehen und neue  Rahmenbedingungen zur Beschleunigung des Wiederaufbaus nach Katastrophen festlegen sowie gemeinsame Standards zur Verbesserung von Qualität und Transparenz", sagte Zoubida Allaoua, Direktorin für Finanzen, Wirtschaft und Stadtentwicklung bei der Weltbank gegenüber Journalisten.

Bessere Koordination

Laut Deza-Mitarbeiter René Holenstein muss das internationale System zur Bewältigung von Naturkatastrohen verbessert werden.

"Es braucht eine bessere Koordination zwischen den internationalen Hilfsorganisationen sowie beim Beginn des Wiederaufbaus – denken wir nur an Haiti", sagte er gegenüber swissinfo.ch.

"Es ist verständlich, dass die Phase während der Katstrophe attraktiver ist, aber wir müssen vermehrt in die Prävention investieren, und dabei müssen die Medien eine wichtige Rolle spielen."

Für viele Länder wird die Schweiz, was die Bewältigung von möglichen Katastrophen betrifft, als Vorbild gesehen. Dies dank Investitionen in Frühwarnsysteme, Bodennutzungsplanung, legalen Mitteln [s1] und öffentlichem Bewusstsein.

Ein dringend notwendiges nationales System von Gefahrenkarten in Bezug auf potenzielle Felsstürze, Überschwemmungen oder Lawinen soll bis 2013 fertiggestellt sein.

Bergkatastrophen

Vertreter aus der Schweiz beteiligen sich an mehreren Sondersitzungen in Genf, so etwa zusammen mit Bhutan über Katastrophen in den Bergen.

"Die Schweiz ist in einer sehr privilegierten Lage", erklärt Holenstein. "Wir haben zahlreiche Ressourcen, gute lokale Regierungsstrukturen und eine gute institutionelle Kooperation. Dies möchten wir mit anderen Teilnehmern teilen."

In Genf sind auch 30 Experten aus Japan anwesend. Laut dem japanischen UNO-Botschafter in Genf, Kenichi Suganuma, ist es vermutlich "verfrüht", zwei Monate nach dem Tsunami und der Atomkatastrophe bereits Schlussfolgerungen aus den Ereignissen zu ziehen.

"Wir werden eine gründliche Auswertung machen, davon, was falsch gelaufen ist. Im Moment aber sind wir noch damit beschäftigt, die Krise zu bewältigen", sagte er vor Journalisten.

Japan hofft, im Juni über "vorläufige Beobachtungen" zu den Erfahrungen aus den Unfällen und Katastrophen informieren zu können.

Globale Plattform für Risikoverminderung bei Katastrophen

Die dritte Globale Plattform zur Verminderung des Risikos bei Katastrophen, die alle zwei Jahre stattfindet, wird vom 10. - 13. Mai in Genf abgehalten.

Gleichzeitig haben Weltbank und UNO die erste internationale Wiederaufbau-Konferenz organisiert.

Rund 3000 Vertreter aus Politik,
Wirtschaft, Zivilgesellschaft und  internationalen Organisationen diskutieren über die Verringerung wirtschaftlicher Schäden bei
Naturkatastrophen.

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Nationale Alarmzentrale

Im Fall extremen Wetters oder grösserer Erdbeben kontaktiert die Nationale Alarmzentrale die Meteorologischen- oder Erdbebendienste in den betroffenen Kantonen, die Armee, die Bundespolizei und andere Parteien.

Der Alarm an die Bevölkerung läuft über die 7750 Sirenen im Land und wird in der Regel von den kantonalen Polizeibehörden betrieben.

Heulen die Sirenen, wird die Bevölkerung aufgerufen, das Radio der SRG einzustellen, um weitere Informationen zu erhalten.

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(Übertragung aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein), swissinfo.ch


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