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UNO-Weltgipfel für soziale Entwicklung

Fünf Jahre nach dem UNO- Sozialgipfel in Kopenhagen beraten ab heute Montag (26.06.) Regierungsvertreter aus 94 Staaten an einer Sondersitzung der UNO-Vollversammlung im Genfer Palast der Nationen über Ursachen und mögliche Auswege aus der Verelendung.

Dieser Inhalt wurde am 25. Juni 2000 - 07:57 publiziert

Die in Kopenhagen vereinbarten Ziele hat die Völkergemeinschaft nicht erreicht: Statt der angestrebten Überwindung der Armut ist die Zahl der Menschen, die mit weniger als einem Dollar täglich auskommen müssen, seit 1995 von 1,0 auf 1,2 Millionen gestiegen.

Der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und Mitinitiator des Sozialgipfels von 1995, Juan Somavia, sieht die Ursachen für die Zunahme der Armut in den Bedingungen der Weltwirtschaftsordnung: "Was in den fünf Jahren nach Kopenhagen passiert ist, ist eine bittere Anklageschrift gegen Globalisierung und Weltwirtschaft."

Der Leiter des Vorbereitungskomitees der Genfer Konferenz, Cristian Maquieira, erklärte, die Delegationen seien sich der wirtschaftlichen Errungenschaften der Globalisierung bewusst. Man müsse jetzt die Kehrseite der Globalisierung betrachten, sagte Maqueira.

Nach seinen Angaben haben sich die in Genf vertretenen Delegationen in den Vorbereitungsgesprächen auf ein neues Ziel verständigt, das bis Ende der Woche verabschiedet werden soll: Bis zum Jahr 2015 soll die Zahl der Menschen halbiert werden, die in äusserster Armut leben. Ausserdem sollen während der Konferenz auch konkrete Ziele zum Kampf gegen Aids in Afrika und zu den Arbeitschancen vereinbart werden.

Die Beteiligung an der Konferenz "Genf 2000" ist allerdings deutlich geringer als vor fünf Jahren in Kopenhagen. Damals waren 186 Staaten vertreten, fast doppelt so viel wie jetzt. Weniger als 20 Delegationen werden von ihrem Staats- oder Regierungschef angeführt, die meisten von ihnen aus Afrika. Zu Tausenden angekündigt haben sich aber Gegner der Globalisierung, die mit Demonstrationen auf die ungleiche Verteilung der Lebenschancen auf der Erde aufmerksam machen wollen.

Priorität für Schweiz

Auch für die Schweiz stellt das Treffen in Genf eine Priorität dar, obwohl sie bei der UNO lediglich Beobachterstatus hat. Gleich vier Mitglieder des Bundesrates werden am Nachfolgetreffen von Kopenhagen in der Rhonestadt teilnehmen.

Bundespräsident Adolf Ogi wird der Eröffnungszeremonie beiwohnen. Wirtschaftsminister Pascal Couchepin wird die schweizerische Delegation, begleitet von Sozialministerin Ruth Dreifuss und Aussenminister Joseph Deiss, anführen.

Über den Wortlaut der Schlusserklärung des zweiten UNO- Sozialgipfels wird seit Monaten zäh gerungen. Ziel ist es, die Armut bis im Jahr 2015 um die Hälfte zu reduzieren. Nicht einig sind sich die UNO-Mitglieder über die dazu notwendigen Methoden. Bereits in Kopenhagen waren 1995 lediglich zehn Verpflichtungen im Sozialbereich verabschiedet worden.

Begleitende Veranstaltungen

Parallel zum offiziellen Konferenzprogramm führt die Schweiz ein Forum "Geneva 2000" mit zahlreichen Veranstaltungen durch, an denen rund 2000 Vertreterinnen und Vertreter nichtstaatlicher Organisationen teilnehmen werden.

Während des Sozialgipfels, der bis am 30. Juni dauert, finden zahlreiche künstlerische Darbietungen statt. Rund hundert Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz und anderen Ländern nehmen an Strassenspektakeln und Lichterwerken teil.

Teure Imagepflege

Die Schweiz hofft in Genf nach dem Scheitern der WTO- Ministerkonferenz auf einen Konsens über neue Massnahmen zur Armutsbekämpfung. Bern hat für das Treffen in Genf knapp fünf Mio. Franken ausgeben.

Auch der Kanton Genf und die Stadt Genf investieren 1,3 Mio. Franken in die Imagepflege. Auch private Sponsoren, darunter die Genfer Privatbanken, steuern zum Grossanlass mehr als eine Mio. Franken bei.

swissinfo und Agenturen

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