Uriella muss ehemaligem Sektenmitglied Geld zurückbezahlen

Die Geistheilerin und Sektenchefin Uriella (Archivbild) muss einem ehemaligen Mitglied ihres Ordens 'Fiat Lux' 625'000 Franken plus Zinsen zurückzahlen. Dieses Urteil hat das Ausserrhoder Kantonsgericht am Mittwoch (12.04.) bekanntgegeben.

Dieser Inhalt wurde am 12. April 2000 - 11:22 publiziert

Die Geistheilerin und Sektenchefin Erika Bertschinger alias Uriella (Archivbild) muss einem ehemaligen Mitglied ihres Ordens "Fiat Lux" 625'000 Franken plus Zinsen zurückzahlen. Dieses Urteil hat das Ausserrhoder Kantonsgericht am Mittwoch (12.04.) bekanntgegeben.

Die 59-jährige Klägerin aus dem Kanton Zürich hatte Uriella in den Jahren 1994 bis 1996 sieben Darlehen mit Laufzeiten von durchschnittlich 15 Jahren gewährt. Laut dem Urteil hat die Klägerin das Recht auf eine vorzeitige Rückzahlung der 625 000 Franken.

Die Vertrauensbasis zwischen den Parteien sei nach dem Austritt der Klägerin aus Uriellas Sekte im Jahr 1997 nicht mehr gegeben, begründete das Gericht seinen Entscheid. Das Urteil kann an das Ausserrhoder Obergericht weitergezogen werden.

Unbeantwortet liess das Gericht die Frage, ob die Klägerin auf Grund von Indoktrination durch die Sekte, psychischem Druck und Krankheit nicht urteilsfähig war, als sie Uriella das Geld überliess. Ihre Anwältin hatte in der Gerichtsverhandlung vom Montag unter anderem mit Urteilsunfähigkeit argumentiert.

"Regime der Angst"

Die Sekte "Fiat Lux", der rund 700 Personen in der Schweiz, Deutschland und Österreich angehören, wurde von der Klägerseite heftig kritisiert. Uriella führe ein "Regime der Angst". Durch Weltuntergangs-Ankündigungen und Drohungen mit Krankheit, Tod und Unglück mache sie ihre Anhängerschaft gefügig, so die Gegenseite.

So hatte Uriella bei der Klägerin und deren Kindern Krebs festgestellt - Diagnosen, die von der Schulmedizin nicht bestätigt wurden. Die Klägerin habe unter dem Regime der Sektenchefin psychisch und körperlich gelitten. "Sie tat alles, was Uriella von ihr verlangte", betonte ihre Vertreterin.

Uriellas Ehemann Icordo, der die 71-jährige Beklagte vor Gericht vertrat, wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer Hetzkampagne. "Fiat Lux" sei ein Orden und keine Sekte, die Angehörigen seien "frei in allen Lebensfragen". Uriella habe nie Weltuntergangsängste geschürt.

swissinfo und Agenturen

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