Valentin Roschacher wird neuer Bundesanwalt

Der Bundesrat hat Valentin Roschacher zum neuen Bundesanwalt gewählt. Der Nachfolger von Carla del Ponte ist stellvertretender Leiter der kriminalpolizeilichen Zentralstellen im Bundesamt für Polizeiwesen (BAP).

Dieser Inhalt wurde am 20. Dezember 1999 - 14:00 publiziert

Der Bundesrat hat Valentin Roschacher zum neuen Bundesanwalt gewählt. Der Nachfolger von Carla del Ponte ist stellvertretender Leiter der kriminalpolizeilichen Zentralstellen im Bundesamt für Polizeiwesen (BAP). Er wird das Amt am 1. März nächsten Jahres antreten, wie das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) am Montag (20.12.) bekannt gab.

Der 39-jährige Roschacher ist der erste Chef der seit Anfang September neu organisierten Bundesanwaltschaft. Die Bundespolizei und der Sicherheitsdienst der Bundesverwaltung gehören nicht mehr dazu, sondern wurden mit dem Bundesamt für Polizeiwesen (BAP) zusammen gelegt.

Roschacher ist der erste Chef der neu organisierten Bundesanwaltschaft (BA). In Erfüllung einer PUK-EJPD-Motion von 1989 wurde die Doppelfunktion des Bundesanwaltes als obersten Anklägers des Bundes von jener des Chefs von Bundespolizei und Sicherheitsdienst getrennt.

Die Bundespolizei und der Sicherheitsdienst der Bundesverwaltung sind jetzt im BAP angesiedelt. Roschacher wird damit Chef von vorerst rund 20 Bediensteten. Dieser Bestand muss ab nächstem Jahr wieder hochgefahren werden, da die BA sukzessive zu einer echten Ermittlungs- und Anklagebehörde des Bundes ausgebaut wird.

Denn zur Verbesserung der Effizienz in der Strafverfolgung hat das Parlament beschlossen, dass organisierte Kriminalität, Geldwäscherei und Korruption obligatorisch der Bundesgerichtsbarkeit unterstehen. Die Bundesanwaltschaft muss jene Fälle übernehmen, die Landes- oder Kantonsgrenzen überschreiten.

Der Bundesanwalt verfügt Verhaftungen, Untersuchungen oder Telefonabhörungen und setzt die gerichtliche Polizei ein, so die Bundespolizei, Kantonspolizeien oder die Zentralstellen im BAP. Die neuen Ermittlungskompetenzen dürften dem Bund laut Bundesrätin Ruth Metzler Mehrkosten von 40 bis 60 Millionen Franken bringen.

Mit Blick auf den Ausbau der BA habe Roschacher mit seinen interkantonalen und internationalen Erfahrung das Anforderungsprofil am besten erfüllt, sagte die Justizministerin. Roschacher will sich um eine offene Kommunikation bemühen, soweit dadurch nicht Ermittlungsverfahren gefährdet werden.

Roschacher wuchs in Zürich und Herrliberg (ZH) auf. Nach der Matura am Kollegium Einsiedeln und Studien an der Universität Zürich promovierte er zum Dr. iur. Seine berufliche Laufbahn begann er als Bezirksanwalt in Zürich, wo er unter anderem komplexe Drogenfälle untersuchte und sich besondere Kenntnisse auf dem Gebiet des Strafrechts und des Strafprozessrechts erwarb. 1995 trat er in den Dienst des BAP, wo er seit 1996 als Chef Operationen und stellvertretender Leiter der kriminalpolizeilichen Zentralstellen wirkt. In dieser Funktion erwarb er laut EJPD Führungserfahrung und bewies, dass er auch schwierige Geschäfte kompetent und effizient durchzuziehen versteht.

Seine Vorgängerin Del Ponte war im Sommer zur Chefanklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag gewählt worden. Seit ihrem Weggang wird die Bundesanwaltschaft von ihrem Stellvertreter Felix Bänziger geleitet.Die Wahl Roschachers sei keine Wahl gegen den Substituten der Bundesanwältin, Felix Bänziger, gewesen, sagte Bundesrätin Metzler.

SRI und Agenturen

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