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Vaterschaftsurlaub: falscher Zeitpunkt für eine Luxus-Idee

Vaterschaftsurlaub in einer Zeit, in der die Schweizer Wirtschaft in der "schwersten Rezession seit 1975" steckt und die Schweizer Sozialwerke zu sanieren sind, "wäre unverantwortlich", schreibt Unternehmer Michele Moor. Der CVP-Politiker aus dem Tessin erklärt, warum er für den 27. September ein Nein fordert.

Dieser Inhalt wurde am 20. August 2020 - 11:00 publiziert
Michele Moor, Ko-Vorsitzender des Referendumskomitees gegen den Vaterschaftsurlaub

In einer schweren wirtschaftlichen Krise wie der gegenwärtigen einen Vaterschaftsurlaub einzuführen, der dazu noch teuer und unnötig ist, das passt nicht. Es ist ein weiterer Versuch von Mitte-Links, den Sozialstaat auszudehnen. Er zielt darauf ab, unser Modell einer christlich orientierten Gesellschaft zu zerstören, welches die Schweiz zum reichsten Land der Welt gemacht hat.

Auch dank einer natürlichen und verantwortungsbewussten Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau wurden in unserem Land die Voraussetzungen geschaffen, einen Wohlstand zu erreichen und zu erhalten, der rundum beneidet wird.

Ein Neugeborenes braucht die Mutter

Vaterschaftsurlaub würde die Gleichstellung der Geschlechter nicht verbessern. Es gibt Naturgesetze, die schlicht zu akzeptieren sind: Männer und Frauen haben unterschiedliche Rollen bei der Empfängnis und beim Grossziehen von Kindern. Das gilt insbesondere in den ersten Lebensmonaten. Ein Neugeborenes schläft 16 bis 18 Stunden am Tag. Und wenn es wach ist, braucht es normalerweise seine Mutter.

Klar kann der Vater von Hilfe sein. Aber es ist schwer einzusehen, warum er dies nicht tun kann, indem er dafür seine reguläre Ferientage bezieht. Im Jahr der Geburt eines Kindes könnte er diese ohnehin nicht besser nutzen.

Die ganze Frage hat auch nichts mit dem Lohngefälle zwischen Männern und Frauen zu tun. Dieses ist inakzeptabel, aber mit der Einführung des staatlichen Vaterschaftsurlaubs würde es aber nicht verschwinden.

Wie einige von renommierten internationalen Institutionen erstellten Ranglisten zeigen, ist die Schweiz ein äusserst soziales Land. Dank einer umsichtigen Politik verfügt sie über die nötigen finanziellen Mittel, um möglichst viele Menschen zu unterstützen.

Die Sozialwerke zu sanieren muss Vorrang haben

Doch obwohl Steuern und Abgaben ständig steigen, befinden sich unsere Sozialwerke in einer prekären finanziellen Lage. Solange ihre Finanzierung nicht gesichert ist, können wir uns keinen weiteren Ausbau des Wohlfahrtsstaates leisten. In einer Zeit wie dieser die Sozialleistungen auszudehnen, wäre unverantwortlich.

Angesichts einer zu erwartenden Erhöhung der Steuer- und Lohnbeiträge – nicht zuletzt zur Refinanzierung der AHV – sollten wir eine zusätzliche Belastung der Unternehmen und Arbeitnehmer vermeiden.

Allein die direkten Kosten des Vaterschaftsurlaubs werden auf rund 250 Millionen Franken pro Jahr geschätzt. Finanziert würde dies durch eine Erhöhung der Lohnbeiträge. Aber zusätzliche Ausgaben in dreistelliger Millionenhöhe würden dem Wirtschaftsstandort Schweiz irreparablen Schaden zufügen.

Über die direkten Kosten hinaus würde der Vaterschaftsurlaub auch noch weit höhere indirekte Kosten verursachen. Dies allein schon wegen dem Fehlen von Mitarbeitern, was die Unternehmen stark belasten würde. Ihre Produktivität und ihre Rentabilität würden geschwächt.

Grosse Bürde für die Unternehmen

Die Entschädigung für Verdienstausfall würde nur 80% des Arbeitseinkommens und maximal 196 CHF pro Tag ausgleichen. Unternehmen, die während des Vaterschaftsurlaubs den vollen Lohn zahlen müssten, hätten dann die ungedeckte Lohndifferenz sowie Lohnnebenkosten zu tragen und für den Ersatz abwesenden Personals durch die Bezahlung von Überstunden zu sorgen.

Sie wären auch mit verschiedenen "Opportunitätskosten" konfrontiert: Auftragsverluste oder verminderte Produktivität. Die Summe der indirekten Kosten würde das Zwei- bis Vierfache der direkten Kosten übersteigen. Der Vaterschaftsurlaub würde bis zu 1 Milliarde Franken pro Jahr kosten.

Die Schweiz durchlebt die schlimmste Rezession seit 1975, und eine rasche Rückkehr zu einem Wachstum wie vor der Pandemie ist utopisch. Die Produktion ist stark gesunken, die Arbeitslosigkeit steigt, eine Million Beschäftigte leisten Kurzarbeit. Die Schulden des öffentlichen Sektors, die früher oder später zurückgezahlt werden müssen, sind enorm gestiegen. Daher müssen drastische Sparmassnahmen in Betracht gezogen werden.

Nein zu diesem "Nice to have"

Die Folgen der Krise werden für Unternehmen und Arbeitnehmer erst in den kommenden Monaten, vielleicht Jahren, spürbar werden. Daraus folgt die Pflicht, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich die Wiederbelebung der Wirtschaft, die Sanierung der finanziell angeschlagenen Sozialwerke und den Schuldenabbau.

Angesichts dieses Szenarios müssen wir Mut haben, alle Projekte, die unter die Kategorie "Nice to have" fallen, aufzugeben – oder zumindest zu verschieben. So auch diesen Vaterschaftsurlaub.

Die im Artikel geäusserte Meinung ist jene des Autors und widerspiegelt nicht die Position von swissinfo.ch.

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