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Vogelgrippe: Lage entspannt sich

Aussicht auf Auslauf für das Schweizer Federvieh.

(Keystone)

Genf – der erste Schweizer Kanton in dem die Vogelgrippe auftauchte – hebt die Überwachungs-Massnahmen auf. Die Bundesbehörden warten noch ab.

Es ist jedoch möglich, dass sich die Stallpflicht für Geflügel bald nur noch auf Risikogebiete beschränkt..

In Genf war am vergangenen 26. Februar der erste Vogelgrippe-Fall der Schweiz
aufgetreten. Seither wurde dort keine weiteren Tiere positiv getestet. Die Überwachungszone in der Stadt Genf war bereits vor gut einer Woche aufgehoben worden.

Der Entscheid der Genfer Behörden fiel, nachdem das benachbarte Frankreich sein Sicherheits-Positiv gelockert hatte.

In den Departementen Ain (grenzt an Genf) und Rhône trat seit über 21 Tagen kein neuer Vogelgrippe-Fall auf. Die Lage habe sich somit normalisiert, sagte der Genfer Kantonstierarzt Gottlieb Dändliker zu einem Bericht der Tribune de Genève.

Seit dem 15. Februar wurden in Genf von den Wildhütern über 450 tote Wildvögel aufgefunden. 71 als verdächtig eingestufte Kadaver wurden näher untersucht. Bei einem einzigen Wildvogel wurde das gefährliche Virus H5N1 nachgewiesen.

Auch nach der Aufhebung der Sondermassnahmen bleiben die Genfer Behörden jedoch auf der Hut. Die Überwachung der Zugvögel geht weiter. In Verdachtsfällen werden die Wildhüter weiterhin intervenieren.

Im Osten des Landes, am Bodensee, bleiben die Schutz- und Überwachungszonen noch bestehen. Sie könnten in frühestens einer bis zwei Wochen aufgehoben werden, hiess es von offizieller Seite.

Vorläufig bestehen bleibt landesweit das Freilandhaltungverbot für Geflügel. Möglicherweise wird die Stallpflicht aber demnächst auf Risikogebiete eingeschränkt.

Ein entsprechender Entscheid des Bundesrates sollte nächste oder übernächste Woche fallen, sagte Marcel Falk, Sprecher des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET), am Freitag.

Das BVET zieht die Einrichtung so genannter Monitoring-Gebiete in den von
der Vogelgrippe betroffenen Regionen in Betracht.

"Es ist klar ersichtlich, dass sich die Situation entspannt hat", sagte Falk. Seit Anfang April sei kein toter Vogel mehr mit dem Virus H5 aufgefunden worden. Zudem komme die Migration der Zugvögel in die Schweiz zum einem Ende. In der Schweiz gab es bisher 32 Vogelgrippe-Fälle; sie betrafen alle Wasservögel.

Deutschland verlängert

Deutschland hat entschieden, angesichts des immer noch hohen Vogelgrippe-Risikos die Stallpflicht für Geflügel unbefristet zu verlängern.

Die im Februar wieder eingeführte Stallpflicht zur Vermeidung des Kontaktes von Hausgeflügel mit infizierten Wildvögeln sollte ursprünglich Ende April beendet werden. Mit der prinzipiellen Weiterführung der Stallpflicht soll es zugleich neue
Ausnahmemöglichkeiten für Freilandhaltung geben.

Überreaktion?

Angesichts der Pandemie-Szenarien, in denen in diversen Publikationen von Hunderttausenden von Toten die Rede war, fragte sich die Westschweizer Zeitung Le Temps mit Blick auf die Realität, ob des Guten nicht zu viel getan wurde. Die Gefahr nicht aufgebauscht wurde? Weltweit sind 112 Opfer der Vogelgrippe zu beklagen, davon 42 in Vietnam.

"Wir haben das Notwendige getan", sagte der Waadtländer Staatsrat Yves Maillard und meinte damit auch die 20'000 Packungen des Grippemittels Tamiflu, das der Kanton anschaffte, weil es möglicherweise gegen die Vogelgrippe eingesetzt werden kann.

"Es ist tatsächlich nicht zu der befürchteten Verbreitung der Vogelgrippe gekommen, doch das H5N1-Virus ist gefährlich und es mussten Massnahmen ergriffen werden", sagte Cathy Maret vom BVET gegenüber Le Temps. "Und wir müssen noch lange mit dem Virus leben und lernen mit ihm zu leben."

Der Genfer Epidemiologe Stéphane Hugonnet findet, klar sei die Situation heute entspannter als vor drei, vier Monaten. "Aber Vorsicht war und ist immer noch geboten."

Und das deutsche Friedrich-Loeffler-Institut schreibt noch am Freitag: "Von Wildvögeln geht weiter eine grosse Vogelgrippe-Gefahr aus."

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Seit dem Ausbruch der Tierseuche im Jahre 2003 traten in insgesamt 60 Ländern – darunter 10 in Europa – bei Wild- oder Zuchtvögeln Fälle von Vogelgrippe auf.

Auf rund tausend untersuchte Vögel wurden in der Schweiz bei 32 das Virus H5 gefunden. Darunter vier Tiere mit dem gefährlichen H5N1. Betroffen waren nur Wasservögel.

Weltweit sind über 200 Vogelgrippefälle bei Menschen bekannt, wobei 113 Opfer zu beklagen sind. Das Virus verbreitet sich bisher nicht von Mensch zu Mensch.

Gemäss einer Studie des Schweizer Pharmaunternehmens Roche sind die Schweiz, Deutschland, Frankreich und die Niederlande sowie Grossbritannien am besten gegen die Tierseuche gewappnet.

Infobox Ende


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