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Volkswagen und Porsche halten an Verschmelzung fest (AF)

STUTTGART (awp international) ? Volkswagen (VW) und Porsche rücken ungeachtet juristischer und steuerlicher Hürden nicht von ihren ursprünglichen Fusionsplänen ab: "Unser klares gemeinsames Ziel ist und bleibt die Verschmelzung", sagte VW-Chef Martin Winterkorn, der in Personalunion auch die Porsche SE führt, am Freitag auf der Porsche-Hauptversammlung in Stuttgart. Der Grund: Erst unter einem gemeinsamen Dach lassen sich die geplanten Kosteneinsparungen voll verwirklichen.
Schien der Verschmelzungsprozess in den vergangenen Wochen kaum voranzukommen, hat Porsche jetzt konkrete Schritte eingeleitet. Zum einen sei ein Verschmelzungsprüfer beim Landgericht Stuttgart bestellt worden. Die Rölfs RP Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Düsseldorf, soll unter anderem die Unternehmen Porsche und VW bewerten und als neutraler Prüfer einen fairen Interessensausgleich zwischen den Aktionären beider Unternehmen garantieren. Zum anderen hat Porsche eine ausserordentliche Hauptversammlung für Mitte Dezember terminiert, auf der die Aktionäre die Verschmelzung beschliessen könnten.
PLÄNE WERDEN VORANGETRIEBEN
Die Wahrscheinlichkeit, dass es noch in diesem Jahr zur Verschmelzung kommt, liegt nach wie vor bei 50 Prozent. Der Zusammenschluss sei aber auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich, sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch, der diesen Posten bei der Volkswagen AG und der Porsche SE inne hat. Unter der Dachholding Porsche SE sind die gut 50-prozentige Beteiligung am gleichnamigen Sportwagenbauer sowie der Anteil von knapp 51 Prozent an den VW-Stammaktien gebündelt.
Als zweite Möglichkeit, Porsche als zehnte Marke in den VW-Konzern zu integrieren, besteht eine Optionsstruktur, die ab Ende 2012 eine komplette Übernahme des Porsche-Sportwagengeschäft durch VW erlaubt. "Auch auf diesem Weg könnte die Integration also Realität werden", sagte Winterkorn.
SCHULDEN SINKEN
Eine wichtige Voraussetzung für den Zusammenschluss hat Porsche schon geschafft: Dank der Kapitalerhöhung im Frühjahr sind die Schulden mittlerweile auf unter 1,5 Milliarden Euro gesunken. Im laufenden Geschäftsjahr, das im Einklang mit dem VW-Konzern nun dem Kalenderjahr entspricht, will die Porsche SE 2011 vor Sondereffekten ein positives Konzernergebnis erzielen.
Zu den Sondereffekten zählt Porsche unter anderem die Kauf-/Verkaufsoptionen für den restlichen Anteil des Sportwagengeschäfts an VW. Eine höhere Belastung entstehe bei einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass die Option ausgeübt werde sowie bei besser laufenden Geschäften von Porsche, erläuterte Pötsch.
JURISTISCHE UND STEUERLICHE FRAGEN
Zu den ungeklärten juristischen und steuerlichen Fragen gehören die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzvorstand Holger Härter sowie Schadensersatzklagen in den USA. Anleger sehen sich durch die frühere Porsche-Führung getäuscht und erheben Forderungen in Milliardenhöhe. Porsche rechnet mit Ergebnissen der Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft frühestens Anfang 2012. Die laufenden staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen bilden nach Meinung von Pötsch jedoch kein prinzipielles Hindernis für eine Verschmelzung. Bei der steuerlichen Bewertung der Fusion wartet Pötsch auf die Verabschiedung eines Gesetzes, für das erst ein Entwurf vorliegt.
Auf operativer Ebene läuft die Zusammenarbeit zwischen dem Sportwagenbauer und dem VW-Konzern bereits. "Der Teamgeist stimmt", sagte Winterkorn. Hierzu dürften auch die zahlreichen Personalwechsel zwischen Stuttgart und Wolfsburg beigetragen haben. Die angestrebten Kosteneinsparungen von 700 Millionen Euro jährlich werden sich nach Angaben des Konzernlenkers aber erst nach dem Zusammenschluss vollständig heben lassen.
Angesichts der aktuellen Verkaufserfolge beider Unternehmen zeigte sich Winterkorn für den weiteren Jahresverlauf zuversichtlich. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres verkaufte Porsche fast 50.000 Wagen, ein Plus von mehr als 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der VW-Konzern meldete ein Absatzplus von 14,6 Prozent auf 3,37 Millionen Fahrzeuge. Beide Unternehmen wollen in diesem Jahr ihren Absatz und Umsatz weiter steigern. "Die Voraussetzungen für Porsche und Volkswagen, auf Erfolgskurs zu bleiben und deutlich zu wachsen, sind gut", sagte Winterkorn./dct/tw

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