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Vom Armenspital zum grössten Medizinzentrum

Das Seilerinhaus "vor den Predigern ... oben am Gässli" diente von 1360 bis 1531 als Spital. (www.stetsundewig.ch)

(swissinfo.ch)

Das Berner Inselspital feiert 2004 seinen 650sten Geburtstag und ist damit eines der ältesten Spitäler der Schweiz.

Anna Seilers Vision aus dem Jahr 1354: 13 Pflegeplätze und 3 Pflegende. Heute kümmern sich rund 3000 Ärztinnen, Ärzte und Betreuende um die Patienten in den rund 1000 Betten.

Am 29. November 1354 legte die vermögende Witwe und Bernburgerin Anna Seiler mit einer Stiftungsurkunde die Basis für das heutige Inselspital. Sie verfügte testamentarisch, dass ihr Spital "stets und ewig für dreizehn bettlägerige Personen, gepflegt von drei ehrbaren Personen" offen stehen soll.

Anna Seiler würde ziemlich sicher grosse Augen machen, wenn sie sehen könnte, wie sich ihre "stets und ewig"-Vision heute präsentiert: In rund 1000 Betten werden pro Jahr rund 50'000 Patienten von 2600 Pflegenden und fast 1000 Ärztinnen, Ärzten und Wissenschaftern gepflegt und betreut.

Mit rund 6000 Mitarbeitenden und einer Lohnsumme von 390 Mio. Franken ist die "Insel" zudem eine der grössten Arbeitgeberinnen im Kanton Bern.

Pest als Initialzündung

Zurück zum Start: Um 1350 fordert die Pest auch in Bern viele Todesopfer. Dies muss die kinderlose Witwe Anna Seiler tief beeindruckt haben. Sie betreut zu jener Zeit Kranke im "Spital vor den Predigern" in Bern.

Deshalb macht sie 1354 ein Testament, in dem sie ihr Spital mit viel Besitz, Häusern und Grundstücken beschenkt. Anna Seiler stirbt 1360. Das "Spital vor den Predigern" wird bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts an der heutigen Zeughausgasse in Bern unter dem Namen "Seilerin Spital" weitergeführt.

Um 1480 wird das Spital zum Altersheim für vermögende Burger; der ursprüngliche Zweck geht "vergessen". Die Reformation 1531 sorgt dafür, dass das "Seilerin Spital" wieder seinem Stiftungszweck zugeführt wird. Gleichzeitig zügelt das Spital mit seinen 34 Betten in das leerstehende Kloster der Dominikanerinnen "St. Michaels Insel". Heute steht dort der Ostflügel des Bundeshauses. Mit diesem Umzug bürgert sich auch der Name "Insel" ein.

"Fortschrittlichste" Betreuung

Von 1561 an werden die Patienten des Spitals einmal pro Monat von Doktoren und Apothekern besucht. Diese bestimmen, wer zu entlassen ist und wie die Verbleibenden zu behandeln sind.

Eine solch regelmässige Betreuung ist für die damalige Zeit sehr fortschrittlich. So was spricht sich schnell herum. Das Spital zieht Patienten aus der Stadt Bern wie auch den anderen bernischen, deutschen und welschen Gebieten an.

1583 müssen die Berner Behörden die "Insel" umstrukturieren. Sie legen eine Spitalordnung und die Pflichten des Ärztestabes fest. Denn die "Doctores" verursachen Missstände: "Sie blieben oft tagelang ganz aus und untersuchten und verbanden ihre Kranken nicht ordentlich oder überliessen diese ihren unerfahreneren Knechten und Dienern, sassen selber beim Wein und gingen anderen Geschäften nach".

Nach einem Brand 1713 wird das "Inselspital" neu aufgebaut und bietet ab 1724 Platz für 70 Erwachsene und 12 Kinder.

Nach dem Untergang des alten Bern 1798 dient die "Insel" den französischen Besatzern als Militärspital. Sie wird erst 1809 wieder für die Berner Bevölkerung geöffnet.

"Gratis-Behandlung"

1841 übernimmt die "Insel" die Ausbildung von Medizinstudenten. Dies ist auch heute eine ihrer Kernaufgaben: Pro Jahr werden rund 600 Medizinstudenten unterrichtet.

1885 wird auf dem Kreuzmattareal ein neues Spital mit Platz für 340 Betten eröffnet. Aber auch dieses ist bald überbelegt, vielleicht auch deshalb, weil die Behandlung der Patienten unentgeltlich ist.

1958 bis 78 werden die alten Spitalbauten abgebrochen und die "Insel" erhält mit dem Bettenhochhaus und dem Operationstrakt allmählich ihre heutige Silhouette.

Keine sorgenfreie Zukunft

Die folgenden Jahre bis zur Gegenwart werden durch Reorganisationen und weitere Bauten geprägt. Anna Seilers Projekt hat eine nicht immer gradlinig verlaufende Geschichte.

In eine möglicherweise ferneren Zukunft weist das INO-Projekt, das Intensivbehandlungs-, Notfall- und Operationszentrum. 2002 hätte es eröffnet werden sollen, heute ist es eine Bauleiche. Einsprachen verunmöglichen bislang die Fertigstellung des 215-Millionen-Projekts.

Das INO-Projekt ist damit das grösste Sorgenkind der Spitalleitung, wie Verwaltungsratspräsident Peter Rychiger an einer Medienpräsentation zum 650-Jahr-Jubiläum sagte.

Feierlichkeiten

Das Inselspital sucht im Jubeljahr den Kontakt zur Bevölkerung. Bernhard Leu, Direktor Betrieb und Präsident des Organisationskomitees sagt: "Ziel ist, den Bernerinnen und Bernern, die Anliegen und Aufgaben der 'Insel' näher zu bringen." Dazu werden das ganze Jahr über verschiedenste Anlässe durchgeführt.

So wird im März erstmals der mit 25'000 Franken dotierte Anna Seiler-Gesundheitspreis vergeben.

An der Publikumsmesse BEA im Frühling präsentiert sich die "Insel" mit einer Sonderschau, an der das Publikum seine medizinischen Kenntnisse unter anderem mit einem Operations-Simulator unter Beweis stellen kann.

swissinfo, Etienne Strebel, Bern

In Kürze

1354 betrug die Kapazität 13 Betten, heute sind es 983.
Aktuell werden in der Insel rund 50'000 Patienten/Jahr stationär betreut, 146'000 ambulant.
Die durchschnittliche Bettenauslastung beträgt 82.6%.
5955 Mitarbeitende teilen sich 4706 Stellen, davon sind 947 Ärztinnen, Ärzte, Wissenschafter und 2659 in der Pflege beschäftigte Personen.
1354 waren 3 Personen mit der Krankenpflege betraut.
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt heute 7 Tage.

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