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Von Berglern zu Berglern

Johanna und Josef Häfliger mit Schülerinnen und Schülern vor dem Schulhaus-Rohbau in Afghanistan.

(J. Häfliger)

Der Schweizer Geschäftsmann Josef Häfliger hat zusammen mit seiner Frau in drei afghanischen Bergdörfern im Hindukusch Schulen gegründet.

Rund 250 Kinder werden nun dort unterrichtet. Längerfristig sollen die Schulen vom afghanischen Staat übernommen werden.

Wer je erlebt hat, mit welcher Gewalt Lawinen im Berner Oberländer Dorf Guttannen niederdonnern können, der weiss, was es heisst, in den Bergen zu wohnen.

Zwar ist Guttannen am Fusse des Grimselpasses eine verhältnismässig reiche Gemeinde. Die Wasserzinsen des Kraftwerkes helfen mit, die Gemeindekasse zu füllen.

Edle Steine

Der ehemalige Gemeindepräsident von Guttannen und Edelstein-Händler Josef Häfliger weiss, wie wichtig Wasser aus den Bergen für die "Unterländer" ist. Und damit es weiterhin fliesse, sagt er, müssten auch die Berggebiete weiter bewohnt bleiben.

Auch zu den Edelsteinen haben viele Guttanner ein enges Verhältnis. Die Kristalle liegen gut verdeckt und versteckt in den riesigen Felsmassen der umliegenden Berge. Die Leute, die sie – oft auf sehr gefährlichen Wegen – suchen und finden, heissen Strahler.

Es ist demnach kein Zufall, dass Josef Häfliger aus Guttannen zu den Edelsteinen kam, damit Geschäfte macht, in andere Berggebiete reist und die edlen Steine kauft, die dort zu finden sind.

Ehrlichkeit und Freundschaft

So kam Häfliger auch in das gebirgige Afghanistan. "Etwa vor 15 Jahren reiste ich zum ersten Mal dorthin, konnte aber – es war Krieg – vorerst nur an der Grenze in Pakistan, Iran oder Tadschikistan Edelsteine aus Afghanistan kaufen", sagt Häfliger gegenüber swissinfo.

Die Leute hätten die Steine über die Grenze gebracht. Er habe bezahlt, und anschliessend seien die Steine per Post in die Schweiz geschickt worden.

"Ich war tief berührt von der Ehrlichkeit der Leute. Obwohl ich erst bar bezahlen musste, hat nie ein Stein gefehlt oder wurde nicht in die Schweiz geschickt."

So entwickelte sich nach und nach eine tiefe Freundschaft zwischen dem Käufer aus den Schweizer Bergen und den "Lieferanten" aus den Bergen Afghanistans.

"Immer wird von Krieg und nochmals von Krieg gesprochen, wenn von Afghanistan die Rede ist, doch die allermeisten Leute dort sind wie ich und du", sagt Josef Häfliger. "Sie wollen nur ein normales Leben führen, Frieden haben und zur Weltgemeinschaft gehören."

Erst Schulen, dann Strom

Als er dann endlich vor gut vier Jahren – in der "Talibanzeit" - nach Patschigram, Ateti und Diwana Baba im hintersten Bergtal des Hindukusch reisen konnte, hat der Schweizer aus Guttannen den Draht zu den Bergbewohnern schnell gefunden.

"Wir sprachen über die Probleme und es waren zum Teil auch die Probleme von Guttannen". Viele Leute kehren nach Afghanistan zurück, doch alle ziehen in die grossen Städte.

In den Bergen, wo man noch an einer Blinddarmentzündung sterbe, wolle niemand mehr bleiben.

"Auch wir in Guttannen mussten Wege finden, um die Abwanderung zu stoppen", sagt Häfliger. "Es war mir schnell klar, um eine Zukunft zu sehen, müssen die jungen Leute erst mal eine Schulbildung erhalten."

Doch eine Schule gab es nicht in Patschigram, Ateti und Diwana Baba. So schlug Josef Häfliger vor, Schulen zu bauen.

Da musste er aber zuerst die Dorfältesten überzeugen: Die hätten sich zuerst eher Elektrizität gewünscht, um die Moschee zu heizen.

"Das könnt ihr dann haben, wenn die Kinder zu Schule gehen und ihr eine medizinische Versorgung habt", sagte Josef Häfliger und erzählte von den Schweizer Bergen, wo die Menschen auch mal sehr arm dran waren.

Schule im Sommer und Winter

Nun stehen zwei der drei Schulhäuser. Das dritte wird folgen. Die Einwohner haben es gebaut. So wie man im Hindukusch baut: erdbebensicher, denn die Erde bebt häufig.

"Das Material kostete 15-20'000 Franken pro Schulhaus. Gebaut wurde in Fronarbeit", sagt Häfliger.

Die Häuser können geheizt werden. Schule wird im Sommer und Winter gehalten. Auch sei es gelungen, wieder ausgebildete Lehrkräfte in ihre Heimatdörfer zurück zu holen. "Sie erhalten einen Monatslohn zwischen 50 und 60 Franken pro Monat."

Die Kinder, Mädchen und Knaben, würden mit Begeisterung zur Schule gehen. Der Unterricht finde dreisprachig statt: In Englisch, in Dari (der gemeinsamen Sprache Afghanistans) und in lokalem Dialekt.

Schulen gleich Zukunft

Anfänglich hatte Josef Häfliger zusammen mit seiner Frau die Kosten aus dem eigenen Sack bezahlt. "Wir machen Geschäfte mit den Leuten, da es ist es nur richtig, etwas zurück zu bringen." Heute erhält das Ehepaar Häfliger "aus dem ganzen Haslital bis hinunter nach Bern" Spenden.

Wohlgemerkt, die Schulen wurden zur Zeit des Taliban-Regimes gegründet. "Es gingen da auch Mädchen zur Schule - weil die Leute im Dorf das so wollten", sagt Häfliger.

Noch ist der Krieg nicht ganz aus den Bergtälern des Hindukusch verschwunden. Truppen der internationalen Allianz suchen immer noch nach Al-Qaida-Terroristen oder Widerstandsnestern der Taliban.

Doch Häfligers Schulhäuser markieren die Zukunft. "Zwar ist das Bildungswesen Sache des Staates", sagt Häfliger. In Kabul wisse man denn auch um die Schulen in den Bergen.

Allerdings habe man ihm gesagt, dass zur Zeit erst Weiterbildungskurse für die Lehrer vom Staat übernommen werden könnten. Später werde der Staat die Schulen führen.

"So werden wir die Schulen sicher noch einige Jahre weiter finanzieren", denkt Häfliger heute. Das sei wichtig, "damit die Leute hier eine Zukunft haben und im Ort bleiben".

"Das Gebiet hier ist ein Wasserschloss. Davon leben hunderte von Millionen Menschen im Unterland. Nicht auszumalen, wenn die Gegend total entvölkert wird."

Josef Häfliger denkt an die 300 Einwohner von Guttannen.

swissinfo, Urs Maurer

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