Von der Strasse auf die Schiene

Lastwagen auf der Bahnfahrt durch die Schweizer Alpen. Keystone Archive

Die Verlagerung des alpenquerenden Güterverkehrs auf die Schiene kommt schrittweise voran. In drei Jahren fuhren 8% weniger Laster durch die Alpen.

Dieser Inhalt wurde am 25. November 2004 - 15:59 publiziert

Ohne neue Massnahmen kann das Verlagerungsziel 2009 nicht erreicht werden. Im Binnenverkehr legte die Strasse gar zu.

Die Verlagerung des Schwerverkehrs durch die Schweizer Alpen auf die Schiene verläuft nach Plan, ist aber noch weit vom Endziel entfernt.

Die Zahl der LKW-Fahrten sank seit 2000 um 8% und betrug 2003 noch rund 1,3 Mio. Fahrten am Gotthard, dem San Bernardino, dem Grossen St. Bernhard und dem Simplon. Dies waren 100'000 weniger als noch im Jahr 2000, aber immer noch doppelt so viel, wie es 2009 noch sein dürfen.

"Die Verlagerung ist im Gang und sie ist uns bis jetzt gelungen", bilanzierte Verkehrsminister Moritz Leuenberger am Donnerstag zum zweiten Verlagerungsbericht des Bundesrates.

Weitere Massnahmen geplant

Optimistisch ist Leuenberger auch für das laufende Jahr. In den ersten neun Monaten habe sich die Zahl der alpenquerenden Lastwagen weiter verringert. Zudem habe die Schiene 12% Marktanteil zugelegt. Es ist das erste Mal seit der Eröffnung des Gotthard-Strassentunnels, dass die Bahn gegenüber der Strasse Boden gut macht.

Trotz der positiven Zwischenbilanz sind laut Leuenberger weitere Massnahmen nötig, um das Verlagerungsziel von noch 650'000 Lastwagenfahrten pro Jahr über die Alpen wie geplant 2009 zu erreichen.

Geprüft wird deshalb eine weitere Verteuerung des Strassenverkehrs, beispielsweise durch Tunnelgebühren, Alpentransitgebühren oder eine Alpentransitbörse.

Solche Szenarien würden derzeit geprüft und sollen allenfalls 2006 in das geplante Ausführungsgesetz zur Alpenkonvention aufgenommen werden.

Ausland muss mitmachen

Im Bericht heisst es weiter, dass die Schweiz die Verlagerung nie alleine bewerkstelligen könne. Entscheidend seien auch die Entwicklungen im Ausland.

Leuenberger zeigte sich überzeugt, dass die Zahl der Fahrten auch in Zukunft abnehmen wird. Er könne aber nicht garantieren, dass die Ziele des Verlagerungsgesetzes tatsächlich erreicht würden.

Der Verkehrsminister tönt in seinem Bericht denn auch bereits die Möglichkeit an, allenfalls Termin oder Vorgaben des Gesetzes anzupassen.

Alpenschützer mässig zufrieden

Damit wäre man bei der Alpen-Initiative nicht einverstanden. Das Verlagerungsgesetz dürfe nicht aufgeweicht werden, nur weil man sich bei dessen Umsetzung nicht genug anstrenge, sagte Fabio Pedrina, Tessiner SP-Nationalrat und Präsident der Alpen-Initiative.

Den Verlagerungsbericht liest er mit gemischten Gefühlen: "Der Rückgang ist zwar erfreulich, geht aber zu langsam voran".

Um das Verlagerungsziel zu erreichen, sei eine Reduktion von über 10% pro Jahr nötig. "Es braucht mehr Gegensteuer, als dem Bundesrat vorschwebt", sagte Pedrina.

Das Problem heisst Binnenverkehr

Der Transitverkehr durch die Schweiz wird mit grossem Aufwand auf die Schiene geholt. Dabei bleibt der Binnenverkehr auf der Strecke. Sparpakete und fehlende politische Vorgaben zwingen die Bahnkunden zurück auf die Strasse, weil die Bahn die Preis erhöhen muss.

Vom Effort der Verlagerung profitiert aber nur der alpenquerende Verkehr, insbesondere der Transitverkehr.

Rund 75% der Gütertransporte sind schweizerischer Verkehr: Einfuhr, Ausfuhr und vor allem Binnentransporte.

In diesem wichtigen Bereich hat die Bahn zusehends schlechtere Karten. Die Subventionen, welche die Bahn gegenüber der Strasse einigermassen konkurrenzfähig hielten, werden im Rahmen der beiden Sparpakete einschneidend gekürzt: 2005 fallen voraussichtlich 28 Mio. Franken weg, 2006 sollen es 48 Mio. und im Jahr darauf 58 Mio. Franken weniger sein.

Kein Gesetz beim Binnenverkehr

Im Gegensatz zum Transitverkehr steht die Verlagerung des Binnenverkehrs nicht auf der politischen Agenda. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) spielt den Ball denn auch der SBB zu: In diesem Bereich gebe es keine gesetzlichen Verlagerungsziele, sagte BAV- Sprecher Gregor Saladin.

Darauf antwortet SBB Cargo: Der Bund, nicht die SBB, habe ein Verlagerungsziel, sagte Sprecher Stephan Appenzeller. "Wir können nicht beeinflussen, was auf der Strasse geht. Wir können nur versuchen, ein konkurrenzfähiges Produkt anzubieten."

"Der Höhepunkt der Verlagerung ist erreicht", sagte etwa Marcel Ott von der Schweizerischen Erdöl-Vereinigung. Heute würden fast 80% der Mineralöl-Transporte auf der Schiene abgewickelt. Dieser Anteil werde nun, weil die Bahn die Preise erhöhe, wieder abnehmen. "Kein Transporteur kann es sich leisten, nur aus Sympathie bei der Bahn zu bleiben."

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die Verlagerung des alpenquerenden Verkehrs wurde in einer Volksabstimmung (Alpeninitiative) angenommen.

Die Verlagerung soll durch die Schwerverkehrs-Abgabe, eine Erhöhung der Tonnage und durch Subventionen der Transportpreise der Laster auf der Schiene erreicht werden.

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