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Von Marrakesch nach Toundout

Marrakesch in der Nacht (swissinfo(SRI)

(swissinfo.ch)

Ein internationales Forschungs-Team mit Schweizer Beteiligung sucht in Marokko nach einzigartigen Dinosaurier-Spuren. Zweiter Teil: Der Weg.

Es ist Nacht in Marrakesch. Auf der "Djemaa el Fna", Hauptplatz der Königsstadt und einst der Ort, wo die Köpfe der enthaupteten Delinquenten zur Abschreckung aufgespiesst dem Volke gezeigt wurden, pulsiert das Leben.

Orangenverkäufer bieten frischgepressten Saft an, Musiker in schillernd bunten Gewändern musizieren, Schlangen-Beschwörer bezirzen flötend schläfrige Nattern und hinter Bergen von Feigen, Nüssen und Datteln blitzen dunkle Augen und preisen ihre süsse Ware. Die Konkurrenz ist gross. Wer verkaufen will, muss die Kundschaft umwerben.

Einst Königsstadt, heute Provinzkapitale

Marrakesch, einst königliche Residenz, ist heute eine Provinzhauptstadt mit rund 600'000 Einwohnern, mit einer überwiegend berberischen Bevölkerung. Sie ist das kulturelle Zentrum Süd-Marokkos, inmitten einer Dattelpalmen-Oase gelegen, am Fusse des Hohen Atlas. Von hier aus beginnt die Reise nach Toundout, zu den Dinosaurier-Fundstellen.

Die Strasse von Marrakesch in Richtung Südost ist vorbildlich geteert, der Verkehr bescheiden, Polizei-Kontrollen jedoch häufig. Wüstenklima herrscht, die Farbe Ockerrot dominiert, die Erde ist eisenhaltig. Nur am Horizont, noch Hunderte Kilometer entfernt, glänzt Schnee auf den Spitzen des Atlas im Sonnenlicht.

Es ist selten, dass um diese Jahreszeit (die Reise war im Mai) noch derart viel Schnee den Atlas bedeckt. Doch von Nachteil ist es nicht. Die Menschen sind glücklich über jeden Tropfen zusätzliches Wasser. Vier Jahre lang hatte es in dieser Gegend nicht mehr geregnet; die Oasen riskierten auszutrocknen. 100 mm Regen pro Jahr ist nicht viel.

Gott entscheidet

In Dörfern von einigen hundert, manchmal einigen tausend Bewohnern haben sich die Menschen hier angesiedelt. Die Häuser sind aus einem Gemisch aus Stroh und Erde gebaut, eine dem Klima vorzüglich angepasste Architektur.

Im Sommer hält dieses Material die Hitze ab, im Winter schützt es vor Kälte. In den Gärten werden Kartoffeln, verschiedene Gemüse, Früchte und Weizen kultiviert. Das Lebensnotwendige ist vorhanden, ja sogar ein bisschen mehr.

"Wir haben alles, um glücklich zu sein", sagt Hassan. Mit seinem Bruder betreibt er ein winziges Geschäft in Taddert, ein Bergdorf mitten im Atlasgebirge. "Elektrizität, Wasser und die Kinder gehen zur Schule, sechs Tage pro Woche." Drei Kinder hat er, was aus ihnen werden soll, überlässt er Gott. "Gott wird darüber entscheiden", sagt er und lächelt zufrieden.

"Kul!", iss!, sagt Hassan, zeigt auf den Topf Tajine und taucht ein Stück Brot in das Eintopfgericht. Es ist die einfache Version: Fleisch und Gemüse in Olivenöl geschmort. Keine Datteln, keine Pflaumen oder Mandeln. Doch köstlich schmeckt es, grosszügig wird es angeboten: "Kul!"

Die Männer plaudern über ihre Frauen und Kinder, über das Geschäft und darüber, ob der Schnee noch lange hält. Nie über Politik. "Das interessiert uns nicht. Davon verstehen wir nichts", schüttelt Hassan den Kopf. Er zeigt auf die Steine, den Schmuck und die Fossilien, die er zum Kauf anbietet. Zu jedem Stück weiss er eine Geschichte.

Und von Dinosauriern, weiss er da auch etwas? "Nein, ich weiss nichts. Wildschweine gibt es in dieser Gegend, aber Dinosaurier? Vielleicht weiter im Süden, da soll es welche geben", sagt er.

Ankunft in Ouarzazate

Weiter südlich wird die Strasse wieder flacher und weniger kurvig, das Wetter wieder wärmer. Es sind nur noch wenige Stunden bis zur Fundstelle in Toundout. Übernachtet wird jedoch auf einem Wüstenplateau in knapp 1200 Meter Höhe: Ouarzazate, eine Stadt mit rund 60'000 Bewohnern, ist Aufenthaltsort des Wissenschafts-Team und das Hollywood Marokkos.

Hier wurden Kinofilme wie "Asterix und Kleopatra" sowie "Der Gladiator" gedreht; hier ist auch das Forschungsteam stationiert, denn nur eine knappe Stunde entfernt liegt die Fundstelle.

Carole Gürtler, Toundout

Folge 3: Die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Marokko hat Tradition

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