Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Vorderhand keine Evakuationen aus Tschad

Die Rebellen wollen Tschads Präsident Idriss Deby stürzen.

(Keystone Archive)

In Tschad haben Rebellen die Hauptstadt angegriffen. Die Schweiz riet den rund 100 Landsleuten vor Ort, in den Häusern zu bleiben.

Die Entwicklungsprojekte laufen gemäss Angaben aus Bern im gewohnten Rahmen weiter.

In bürgerkriegsgeplagten afrikanischen Land Tschad sind erneut Kämpfe ausgebrochen. Am Donnerstag haben sich Rebellen und Regierungstruppen in der Hauptstadt N'Djamena heftige Auseinandersetzungen geliefert. Nach stundenlangen Artilleriegefechten erklärte Präsident Idriss Deby, die Situation sei unter Kontrolle.

Frankreich hatte am Mittwoch seine 1200 Soldaten im Tschad in Alarmbereitschaft versetzt und 150 Mann Verstärkung auf den Weg gebracht. Sie versorgen auf Grund eines Abkommens die dortige Regierung mit Daten aus Aufklärungsflügen über dem Kampfgebiet.

Im Schweizer Aussenministerium (EDA) in Bern verfolgt man die Ereignisse in Tschad mit grosser Besorgnis. "Ein akuter Bedarf zur Evakuation für die rund 100 Schweizer Bürger vor Ort besteht aber nicht", sagte EDA-Sprecher Lars Knuchel gegenüber swissinfo.

Deby weg, Wahlen verhindern

Rebellen der "Einheitsfront für den demokratischen Wandel" versuchen seit langem, Präsident Deby zu stürzen. Mit den Angriffen wollen sie auch verhindern, dass sich Deby nach 16 Jahren an der Staatsspitze am 3. Mai zur Wiederwahl stellt.

Die Vereinten Nationen (UNO), die USA sowie die frühere Kolonialmacht Frankreich erwogen, ihre Staatsangehörigen in Sicherheit zu bringen.

Angesichts der Kämpfe im Tschad hat die Afrikanische Union (AU) am Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung zur Lage im Land einberufen.

Nötige Vorkehrungen getroffen

Die Schweiz sei über die Vertretung in N'Djamena mit ihren Landsleuten in Verbindung. "Sie wurden gebeten, in ihren Häusern zu bleiben und die Situation abzuwarten", so Knuchel weiter.

Dank dem bestehenden Kontakt sei eine Intervention zugunsten der Schweizer gewährleistet. Sollte dennoch eine Evakuation erforderlich sein, seien auch Kontakte zu den französischen Behörden vor Ort aufgenommen worden.

Frankreich ist die ehemalige Kolonialmacht in Tschad und in der derzeitigen Krise die Hauptstütze von Präsident Deby. Angesichts der unsicheren Lage im Land rät das EDA auf seiner Homepage bei den Reisehinweisen schon seit längerer Zeit, keine Reisen in den Tschad zu unternehmen.

Entwicklungsarbeit fortsetzen

Tschad ist einer der Schwerpunkte der Schweizer Entwicklungshilfe. Das Engagement laufe angesichts der Kämpfe im bisherigen Umfang weiter, Personen würden keine zurückgezogen, sagte Joachim Ahrens von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) auf Anfrage.

Die Entwicklungsagentur unterhält in der Hauptstadt ein Kooperationsbüro mit drei Schweizer DEZA-Vertretern. Landesweit arbeiten rund 140 tschadische Mitarbeiter in DEZA-Projekten mit.

swissinfo, Renat Künzi

In Kürze

Tschad ist eines der ärmsten Länder der Welt. Ursachen sind Mangel an Wasser und Bodenschätzen, aber auch jahrzehntelange Unruhen.

Es ist rund dreimal so gross wie Deutschland und zählt rund zehn Millionen Einwohner.

Praktisch seit der Unabhängigkeit von der früheren Kolonialmacht Frankreich 1960 herrschen Bürgerkriege.

Präsident Deby ist seit 16 Jahren an der Macht und will sich Anfang Mai ein weiteres Mal wählen lassen.

Rebellen wollen dies mit ihren Angriffen verhindern und ihn stürzen.

Infobox Ende

Fakten

Die DEZA ist seit 1964 im Tschad aktiv.

Seit 1993 ist der Tschad eines der Schwerpunktländer der DEZA.

Im DEZA-Kooperationsbüro in der Hauptstadt N'Djamena sind drei Schweizer tätig. Im Land arbeiten rund 140 lokale Mitarbeiter.

Die Schweiz fördert Projekte im Bereich Land- und Viehwirtschaft, Grundschulen für Kinder und Erwachsene sowie im Gesundheitswesen.

Das Budget im letzten Jahr betrug 16,5 Mio. Franken.

Infobox Ende


Links

×