WAP setzt sich in der Schweiz nur zögerlich durch

Mit dem Handy ins Internet: In der Schweiz wird das Angebot noch recht selten genutzt. Keystone

Das Surfen im Internet mit dem Mobiltelefon setzt sich nur zögerlich durch. Bisher nutzen in der Schweiz erst etwa 50'000 Mobiltelefonierer das mobile Internet; bis Ende Jahr dürften es laut Swisscom rund 100'000 sein.

Dieser Inhalt wurde am 18. Juli 2000 - 11:54 publiziert

Es klingt verlockend: Internet im Natel-Format soll die Konsumenten verzücken. Die Technologie dazu heisst Wireless Application Protocol oder kurz WAP.

Nur Kurz-Informationen

Sie ermöglicht es, Internetinhalte auf mobilen Geräten darzustellen. WAP ist ein Übertragungsprotokoll, das für den Einsatz in GSM-Netzen der Mobiltelefone und für die limitierten grafischen Darstellungsfähigkeiten von Mobiltelefonen optimiertwurde.

Wer sich vorstellt, per Mobiltelefon durch die Weiten des World Wide Webs surfen zu können wie an einem PC, täuscht sich jedoch. Auf dem Minidisplay eines Mobiltelefons schrumpft das Internet auf ein paar Zeilen Text. Die heute verfügbaren WAP-Angebote bieten denn auch kaum mehr als Info-Häppchen.

Börsenkurse und SBB-Fahrplan

Derzeit können die Besitzer eines WAP-Handys auf einige Dutzend Dienste zugreifen, darunter Nachrichten von Swisstext und Schweizer Radio International (swissinfo), den SBB-Fahrplan, das elektronische Telefonbuch und aktuelle Finanzinformationen.

"Bis Ende Jahr rechnen wir mit über 50 Diensten," so Georges Schlegel, Leiter Business Development Swisscom Mobile. Mit WAP-Handies lassen sich nicht nur Informationen abrufen, sondern auch Einkäufe tätigen.

Beim Zürcher Unternehmen Elektro-Material etwa können Elektrikerdie Produkte direkt ab Baustelle per WAP-Handy bestellen. Fleurop bietet seit kurzem die Möglichkeit, auch per Handy einen Blumenstrauss zu bestellen. Und beim Medienshop BOL lassen sich Bücher per Mobiltelefon ordern.

WAP nicht gleich Web

Die meisten Web-Angebote sind für die WAP-Telefone nicht zugänglich. Normale Webseiten, die in der Web-Programmiersprache HTML geschrieben sind, können von den Handies nicht abgerufen werden. Erst wenn die Seiten speziell für WAP-Geräte bearbeitet worden sind, lassen sie sich auf einem Handy-Display darstellen.

Grosses Interesse

Noch steckt das mobile Internet in den Kinderschuhen. Das Interesse an WAP ist gleichwohl gross. Die Swisscom rechnet bis Ende Jahr in der Schweiz mit mindestens 100'000 WAP-Benutzern. "Entscheidend wird sein, wie rasch der Bedarf nach WAP-Geräten erfüllt werden kann", so Swisscom-Sprecher Sepp Huber.

Eine von der Swisscom unabhängig erstellte Befragung habe kürzlich ergeben, dass rund 12 Prozent der heutigen Natel-Benutzer im Jahr 2000 ein WAP-Gerät anschaffen wollen. Huber: "Das wären über 300'000 Benützer."

Bis heute verzeichnet Swisscom allerdings erst 30'000 aktive WAP-Benutzer. Rechnet man die WAP-Benutzer der anderen Provider dazu, dürften in der Schweiz derzeit etwa 50'000 Personen WAP anwenden.

Langsame Verbindungen

Auch in Deutschland ist das Interesse an WAP bisher verhalten. Von den 13 Millionen T-Mobil-Kunden besitzen rund 250'000 ein WAP- Handy, welches von 175'000 oder rund 1,3 Prozent der T-Mobil Kunden auch wirklich genutzt wird.

Analysten ziehen aus diesen Zahlen den Schluss, das viele WAP- Handybesitzer die Angebote zwar ausprobiert haben, aber diese nicht regelmässig nutzen. "Es gibt zu wenige Leute, die WAP-Dienste entwickeln, weil nicht genügend WAP-Handys vorhanden sind", erklärtPhil Kendall, Director of Mobile Communications beim britischen Forschungsunternehmen Strategy Analytics.

Warten auf Natel-D-Netzerweiterung

Die Kunden klagen zudem über zu langsame Verbindungen: Wie in den Anfangstagen des Internets gilt es noch allzu häufig, auf eine Verbindung und die Inhalte zu warten. Schneller wird das Netz aber erst mit einer Erweiterung und Modernisierung der Handy-Netze.

swissinfo und Agenturen

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