Warnstreik bei Swissair in Genf

Viel Geduld und Verständnis brauchten Passagiere am Samstagnachmittag im Flughafen-Genf Cointrin Keystone

Etwa 500 Angestellte der Swissair Group haben am Samstag während dreier Stunden in Genf-Cointrin ihre Arbeit niedergelegt. Damit protestierten sie gegen den angekündigten Abbau von 1'250 Stellen und den Verkauf der Bodenabfertigungs-Tochter Swissport.

Dieser Inhalt wurde am 15. September 2001 - 19:19 publiziert

Durch den Streik war die Abfertigung der Passagiere praktisch verunmöglicht worden. Aus Zürich waren Angestellte der Swissair Group angereist, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Unter dem Druck der Streikenden mussten aber auch sie aufgeben.

"Seit den 30 Jahren, die ich hier arbeite, habe ich noch nie eine solche Menschen-Ansammlung gesehen", sagte eine Bodenhostess. Für sie ist der Warnstreik völlig gerechtfertigt. "Seit zehn Jahren müssen wir Lohnsenkungen und Personal-Entlassungen hinnehmen."

Von Minute zu Minute hatte sich die Abflugshalle des Genfer Flughafens mehr gefüllt, bis die Halle am Nachmittag vor lauter Menschen fast aus den Nähten platzte. Vor den Eincheck-Schaltern bildeten sich lange Warte-Schlangen. Die meisten Wartenden zeigten sich aber geduldig.

4'000 Passagiere betroffen

Vom Warnstreik waren 33 Flüge und rund 4'000 Passagiere betroffen. Durchschnittlich hatten die Flüge zwei Stunden Verspätung. Vier mussten gar annulliert werden, wie Philippe Roy, Pressesprecher des Flughafens Genf-Cointrin, mitteilte. Ab 15.30 Uhr beruhigte sich die Situation.

Die Direktion des Genfer Flughafens hat zutiefst bedauert, dass es zu dieser Protestaktion gekommen ist. Die Organisatoren hätten ihr Ziel verfehlt, sagte der Pressesprecher. Obwohl der Warnstreik nur die Swissair hätte treffen sollen, habe er den ganzen Verkehr gestört und dem Ansehen Genf-Cointrins massiv geschadet.

Swissair Group droht

Die Swissair Group droht nun, den Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) wegen des Warnstreiks vor Gericht zur Verantwortung zu ziehen. Es habe sich um einen illegalen Streik gehandelt, da der im Gesamt-Arbeitsvertrag (GAV) festgehaltene Arbeitsfrieden verletzt worden sei, sagte Swissair-Sprecher Jean-Claude Donzel.

Donzel kann sich die Gründe für den Warnstreik nicht erklären. Schliesslich betreffe der angekündigte Abbau von 1'250 Stellen Zürich und nicht Genf. Ausserdem sei der Verkauf der Bodenabfertigungs-Tochter Swissport noch gar nicht abgewickelt worden.

Der Swissair-Sprecher kritisierte auch den für die Arbeitsniederlegung gewählten Zeitpunkt. Momentan befinde sich die Airline in einem heiklen Zustand. Auch sei eine solche Aktion nach den Anschlägen in den USA unangebracht.

swissinfo und Agenturen

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