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We dr Bär los isch:Die Berner Fasnacht

Nach der Bärenbefreiung am Donnerstagabend geht die Berner Fasnacht richtig los.

(Keystone)

Allen Verboten der Kirche und der "gnädigen Herren" zum Trotz: Die Berner Fasnacht ist 1982 wieder-erwacht - und seither rasant gewachsen. Mit Bärentanz, Musik und Varietés hat sie ihren eigenen Stil gefunden.

Als Bern noch katholisch war, schlugen sich die Herren der Gesellschaft vor der Fastenzeit noch einmal die Bäuche voll. Doch auch die Gesellen verspürten den Hunger und die Lust zu feiern. Weil ihnen aber das Geld fehlte, bettelten sie in Masken um Almosen.

Im Jahre 1416 dann verbot die Obrigkeit das "Fleischbetteln" und das Verkleiden. Später untersagte sie das "Umherlaufen in Teufelskleidern" und 1477 das "Werfen von Jungfrauen in den Stadtbach sowie das Fasnachtsfeuer auf dem Kirchhof".

Mit der Reformation fiel die Fastenzeit weg, die protestantische Kirche distanzierte sich vom als rückständig empfundenen Fasnachts-Brauchtum und verbot es. Doch die Fasnacht liess sich nie ganz ausrotten. Immer wieder hielt das Volk die Obrigkeit zum Narren.

Mit dem Ruf: "Göttin der Narrheit, stehe auf aus deinem langen Winterschlaf!" wurde 1863 das Narrentreiben in Bern eingeleitet. Zum letzten Mal, wie sich zeigte. Dann wurde die Narrengöttin zum längsten Winterschlaf der Berner Fasnachts-Geschichte verdammt. Er dauerte 120 Jahre.

1982 erwachte die Göttin wieder. Sie wurde von ausserkantonalen Heimweh-Fasnächtlern geweckt und einigen wenigen Bernern: Zwei Guggen waren mit von Partie und vielleicht 250 Kostümierte. Was mit diesem Häufchen "Verrückter" anfing, mauserte sich zur drittgrössten Schweizer Fasnacht mit eigenem Charme.

Basler, Zürcher, Luzerner, Solothurner; sie alle rümpfen die Nase ob der Berner Fasnacht. Ihr wird oft vorgeworfen sie habe keine eigene "Persönlichkeit", alles sei abgeschaut, sei es von Luzern oder Basel. Doch sie ist weder Importprodukt noch Kopie: Am Donnerstag nach Aschermittwoch beginnt das sündhafte Fasnachtstreiben mit der "Ychüblete", gefolgt von der "Bärebefreiig", dem "Bäretanz" und dem "Usschwärme".

Die Berner Fasnacht bietet Platz für Klein- bis Kleinstformationen. Im schmalen Sternengässchen schlängeln sich zwei schräge Vögel mit Piccolo und Trommel durch eine glitzrig lärmige Gugge. In einem Keller unter den Lauben Berns frönen Freunde des Varietés ihrer Leidenschaft. Und dann gibt es da noch die Bären...

Eine Touristin schreibt im Internet: "...and everywhere you look, bears dance, bears drink, bears play musical instruments and prowl the streets in packs: bears weave in and out of the arches of the arcades, bears yell "Gruezi" at you and offer you a drink out of bottles (...) of good Swiss wine." - Bären so weit das Auge reicht, so die Touristin. Sie trinken, tanzen, musizieren und wälzen sich in Scharen durch die Strassen, winken sich durch die Lauben zu und offerieren einen Schluck guten Schweizer Wein.

Woher diese Bären-Lastigkeit? Die Erklärung ist simpel: Der Bär ist das Berner Wappentier. Rund um ihn lassen sich Geschichten erfinden, den Menschen Bären aufbinden und wenn der Bär los ist, dann ist in Bern wirklich was los: In den Gassen, Beizen und Lauben beginnt eine kakophonische Orgie der Töne, ein Tanz der Farben und phantasievollen Kostüme.

Die Bärner Fasnacht hat aber auch ihre poetische Seite: Neben den musikalisch falschspielenden Guggen, ist am Samstagmorgen die Bühne frei für Minnesänger oder Gedichtemacher.

Rebecca Vermot


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